Italien steht nach der Wahl vor einer wochenlangen Hängepartie bei der Regierungsbildung. Experten befürchten unabsehbare Folgen für den Euro. Da keines der politischen Lager in beiden Parlamentskammern eine ausreichende Mehrheit hat und sich mehrere Bündnisse gegenseitig blockieren, wächst in ganz Europa die Sorge vor einer Unregierbarkeit des Krisenlandes.
Spekulationen über Neuwahlen
Schon wird über baldige Neuwahlen spekuliert oder ein Übergangskabinett auf Zeit. Die EU machte indes deutlich, dass sie rasch eine stabile Regierung in Rom erwartet, die auch alle Spar- und Reformzusagen einhält. Angesichts der unklaren Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone rauschten die Aktienkurse weltweit in den Keller.
Zugleich wuchs die Sorge um eine neuerliche Verschärfung der Euro-Krise.
Im Abgeordnetenhaus und im umkämpften Senat rettete das Mitte-Links-Lager von Pier Luigi Bersani einen knappen Vorsprung vor dem konservativen Bündnis von Ex-Ministerpräsident Berlusconi ins Ziel.
Bersani mit Monti kommen nicht auf die nötigen 158 Sitze
Doch im Senat können Berlusconi und die überraschend starke Anti-Establishment-Bewegung des Komikers Beppe Grillo, die auf Anhieb ein Viertel der Stimmen abräumte, Gesetzesvorhaben anderer Lager abblocken. Auch eine Koalition Bersanis (123 Senatssitze) mit dem bisherigen Regierungschef Monti (19) reicht nicht zum Regieren aus. Notwendig wären 158 Sitze. Berlusconi offen für große Koalition
Rom blickt nun auf Staatspräsident Giorgio Napolitano, der in den kommenden Wochen mit den Beteiligten über die Situation beraten muss. Der aber kam am Dienstag zunächst zu einem mehrtägigen Besuch nach Deutschland. Erste Station ist München. dpa, afp