Freitag, 24. Mai 2013

18. April 2012 21:21 Uhr

Afghanistan

Neuer Skandal: US-Soldaten posieren mit Leichenteilen

Sie sollen die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger hochgehalten haben. Um US-Soldaten in Afghanistan gibt es einen neuen Skandal.

US-Fallschirmjäger in Afghanistan: Wieder sorgen Fotos von mutmaßlichen Leichenschändungen durch US-Soldaten für Empörung. Foto: U.S. Army Pfc. Andrya Hill/Archiv dpa

Die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung sind bereits durch eine Reihe von Vorfällen belastet, da wurde ein neuer Skandal um US-Soldaten bekannt: So sollen Mitglieder der US-Armee Leichen von Aufständischen geschändet haben. Am Mittwoch hat die «Los Angeles  Times» mehrere Fotos veröffentlicht von 2010. Auf den Fotos posieren offenbar US-Soldaten mit Leichenteilen von Aufständischen. Die US-Regierung und die NATO verurteilten die Fotos  scharf.

Posieren auf den Überresten der Toten

Der erste  Vorfall der Leichenschändung durch US-Soldaten habe sich laut der Zeitung im Februar 2010 ereignet. Demnach waren Fallschirmspringer der 82.  Luftlande-Division zu einem afghanischen Polizeistützpunkt in der  Provinz Sabol entsandt worden, um die Überreste eines mutmaßlichen  Selbstmordattentäters zu untersuchen. Die US-Soldaten hätten ihn eigentlich identifizieren sollen, doch hätten sie dabei Fotos gemacht, auf  denen sie mit den Überresten posierten.

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Plakette "Zombie Hunter"

Einige Monate später habe dieselbe Einheit den Auftrag bekommen,  die Leichen von drei Aufständischen zu untersuchen, die sich laut  afghanischer Polizei versehentlich in die Luft gesprengt hatten.  Zwei US-Soldaten hätten sich dabei für Fotos in Szene gesetzt, bei  denen sie die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger  hochhielten. Ein weiterer Soldat habe eine Plakette mit der  Aufschrift «Zombie Hunter» («Zombie-Jäger») neben die Leichen  gelegt.

Die US-Regierung kritisierte die Veröffentlichung der Bilder.  Die Fotos könnten nun genutzt werden, um in Afghanistan zur Gewalt  gegen US-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte aufzurufen. Der  Herausgeber der «Los Angeles Times», Davan Maharaj, erklärte  dagegen, seine Zeitung sehe sich gegenüber ihren Lesern in der  Pflicht, «unparteiisch über alle Aspekte des amerikanischen  Einsatzes in Afghanistan zu berichten».

Das auf den Bildern dargestellte Verhalten sei «verwerflich»,  erklärte das Weiße Haus in Washington. US-Verteidigungsminister  Leon Panetta verurteilte ebenfalls die Fotos. «Das ist sicherlich  nicht, wofür wir stehen», sagte er am Rande eines NATO-Treffens in  Brüssel. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, die  Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.  NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte, das Verhalten  spiegele keinesfalls die «Prinzipien und Werte» des internationalen  Einsatzes in Afghanistan wider. «Ich betrachte dies als einen  Einzelfall», fügte er hinzu.

Die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung sind bereits  durch eine Reihe weiterer Vorfälle belastet. Im Januar sorgte ein  Video für Empörung, auf dem US-Soldaten beim Urinieren auf Leichen  getöteter Aufständischer zu sehen sind. Mitte Februar löste die  Verbrennung von Koran-Exemplaren auf einem US-Stützpunkt heftige  Proteste aus. Im März soll ein US-Soldat im Süden des Landes in  einem nächtlichen Amoklauf 17 Menschen ermordet haben, die meisten  von ihnen Frauen und Kinder. afp/AZ

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