Wetter
Di.
20°C
Wetter
Mi.
21°C

06. Februar 2012 16:23 Uhr

Noch mehr Feinstaub

Belastung steigt trotz neuer Umweltzonen Von Stefan Krog und Oliver Helmstädter

Augsburg/Ulm Diese Nachricht dürfte den Streit um den Sinn von Umweltzonen weiter befeuern: 2011 sind die Feinstaubbelastungen in Städten weiter gestiegen. Die Werte lagen dabei sogar noch über dem Niveau der Jahre 2007 bis 2010, ergab eine Auswertung von Messdaten des Umweltbundesamtes. In Städten und Ballungsräumen wurden die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid bei fast jeder zweiten Messstation überschritten. Das Umweltbundesamt gab dem Wetter eine Mitschuld. Umweltschützer verteidigten die umstrittenen Umweltzonen als sinnvolle Maßnahme.

Augsburg überschreitet trotz einer seit 2009 bestehenden Umweltzone, die inzwischen sogar verschärft wurde, die Zahl erlaubter Tage mit hoher Feinstaubbelastung regelmäßig. In diesem Jahr wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft bereits an fünf Tagen überschritten (zulässig sind insgesamt 35). Laut Wirkungsberechnung sind selbst bei maximaler Verschärfung der Umweltzone an den Augsburger Messstationen nur zwei Mikrogramm Reduzierung im Jahresmittel möglich. Der Augsburger Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) hält die Umweltzone dennoch für ein geeignetes Mittel, wies aber immer auch darauf hin, dass sie verhältnismäßig sein müsse. Sperrt die Stadt zu viele Autos aus, könne es Klagen von Autofahrern geben.

ANZEIGE

In Ulm und Neu-Ulm existieren zwei unterschiedliche Umweltzonen: Autos mit roten Plaketten (Schadstoffgruppe 2) dürfen seit Anfang des Jahres nicht mehr nach Ulm fahren. Aber nach Neu-Ulm. Dies bedeutet, dass der Fahrer eines Autos mit roter Plakette auf den Donaubrücken wenden muss, um in Ulm kein Bußgeld und einen Punkt in Flensburg zu riskieren. In Neu-Ulm ging nach einem Gutachten des Bayerischen Landesamts für Umwelt seit Einführung der Umweltzone der Wert an Minderung von feinen Staubpartikeln um 0,4 Mikrogramm pro Kubikmeter zurück. Kritiker halten dagegen, dies sei kein Erfolg der Umweltzone. Zum Vergleich: die Feinstaubbelastung in Büros durch Tonerstaubbelastung aus Laserdruckern könne leicht Werte von 150 bis 200 Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen.

Die Industrie- und Handelskammern der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm scheuen keine Kosten und Mühen, um die Sinnlosigkeit der Regelung zu belegen. So fasste Matthias Klingner vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme aus Dresden mit folgendem Satz das Ergebnis einer von der IHK Ulm in Auftrag gegebenen Studie zusammen: „Die Umweltzonen sind nicht nur wirkungslos für die Belastung durch Feinstaub, sondern auch durch Stickstoffdioxid.“ (mit dpa)

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren



Neu in den Redaktionsblogs