Dienstag, 29. Juli 2014

19. März 2013 09:45 Uhr

Konflikte

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert

Blamage für Nordkoreas neue Führung: Der groß angekündigte und international kritisierte Raketenstart endet mit einer Bruchlandung. Das Regime in Pjöngjang räumte das Scheitern bereits wenige Stunden nach dem Absturz ins Gelbe Meer ein.

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Chinesische Experten rechnen als nächstes mit einem Atomtest Nordkoreas. Der Weltsicherheitsrat sollte am Freitag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die Vetomacht Russland verurteilte den Start zwar, machte aber zugleich klar, dass es keine neuen Sanktionen gegen das stalinistische Regime in Pjöngjang geben werde.

Nach nordkoreanischen Angaben sollte ein Satellit ins All geschossen werden. Die USA und andere Länder sahen in dem Start hingegen den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

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Südkoreas Verteidigungsministerium teilte mit, die mehrstufige Rakete sei schon kurz nach dem Abheben in der Luft explodiert. Die Trümmerteile stürzten ins Meer. Der Satellit in der Trägerrakete Unha-3 habe nicht die vorgesehene Erdumlaufbahn erreicht, berichteten Nordkoreas Staatsmedien, ohne Details zu nennen. Auch im staatlichen Fernsehen wurde über den Fehlschlag berichtet.

Die Bundesregierung kritisierte den Raketentest als «deutliche Provokation». UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den seit Tagen angekündigten Start als Bedrohung für die Stabilität in der Region. Auch die USA, Südkorea und Japan verurteilten den Start als Provokation.

Nordkorea verfolge das «klare Ziel», eine Atommacht werden zu wollen, sagte der Professor für strategische Forschung an der Parteihochschule in Peking, Zhang Liangui, der Nachrichtenagentur dpa. Das Scheitern des Raketenstarts werde die Pläne für den nuklearen Test nicht umwerfen. In der Vergangenheit hatte Nordkorea erst eine Rakete getestet und kurz danach einen Atomtest durchgeführt.

Der UN-Sicherheitsrat wollte sich noch am Freitag in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Konflikt beschäftigen, hieß es aus diplomatischen Kreisen in New York. Es sei eine formelle Verurteilung Nordkoreas zu erwarten. Der Außenminister der Vetomacht Russland, Sergej Lawrow, schloss neue Sanktionen gegen Nordkorea aber aus. Auch Chinas Außenministerium betonte, alle Konfliktparteien müssten im Gespräch miteinander bleiben.

Das mächtigste UN-Gremium hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In der Resolution 1874 wird Nordkorea aufgerufen, jegliche Starts «unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie» zu unterlassen.

Nordkorea war 2009 nach internationaler Kritik an einem Raketenstart aus den Mehrparteiengesprächen über sein Atomprogramm ausgestiegen. Wenige Monate später hatte das Land einen zweiten Kernwaffentest unternommen.

Der gescheiterte Raketenstart dürfte nach Ansicht von Beobachtern einen ernsten Gesichtsverlust für Nordkorea bedeuten. Nach einem angeblichen Satellitenstart vor drei Jahren hatte Nordkorea noch einen Erfolg vermeldet. Andere Länder hatten auch damals von einem Fehlschlag gesprochen.

Nach Angaben Nordkoreas sollte mit dem jetzigen Start der 100. Geburtstag des als Staatsgründer und «ewigen Präsidenten» verehrten Kim Il Sung an diesem Sonntag gefeiert werden. Zugleich ist Nordkorea dabei, die Stellung des neuen Machthabers Kim Jong Un zu festigen. Dieser ist Enkel Kim Il Sungs und jüngster Sohn und Nachfolger des im Dezember gestorbenen langjährigen Alleinherrschers Kim Jong Il. Am Mittwoch war der noch nicht 30-jährige Kim Jong Un unter anderem zum ersten Sekretär der herrschenden Arbeiterpartei und damit praktisch zum Parteichef ernannt worden.

Nordkorea hatte erklärt, den Beobachtungssatelliten Kwangmyongsong-3 («Heller Stern») auf eine Erdumlaufbahn bringen zu wollen. Dort sollte der Satellit zwei Jahre lang unter anderem zur Wälder- und Wetterbeobachtung genutzt werden. (dpa)

Norad

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