Samstag, 25. Oktober 2014

09. Juli 2013 20:13 Uhr

Konflikte

Obama erwägt vollständigen Abzug aus Afghanistan

US-Präsident Obama ist einem Bericht zufolge inzwischen so frustriert über seinen afghanischen Amtskollegen Karsai, dass er ernsthaft über ein Extremszenario nachdenkt: alle US-Soldaten nach Hause zu holen. Das Weiße Haus wiegelt ab.

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Obama will nun wohl doch die US-Soldaten aus Afghanistan nach Hause holen, so die «New York Times».

Diese Option sei nach jüngsten Spannungen mit der afghanischen Führung wahrscheinlicher geworden, berichtete die «New York Times» am Dienstag. Unter Berufung auf ungenannte amerikanische und europäische Quellen schrieb das Blatt, dann würde auch die geplante Nato-Mission nach 2014 unwahrscheinlich. Das Weiße Haus bestritt, dass eine Entscheidung darüber bevorstehe.

Bei einem vollständigen US-Abzug würde nach Darstellung der Zeitung auch Deutschland - das bis zu 800 Soldaten nach 2014 in Aussicht gestellt hat - alle Truppen zurückholen. Kleinere Staaten wären vermutlich nicht mehr aus eigener Kraft zu einem Einsatz in der Lage. Der Kampfeinsatz der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf läuft Ende 2014 aus. Danach soll nach derzeitigen Plänen ein neuer, deutlich kleinerer Nato-Einsatz zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte anschließen.

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Bei einer Video-Konferenz Obamas mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai sei es Ende Juni erneut zu Spannungen gekommen, berichtete die «New York Times». Karsai habe Obama darin direkt vorgeworfen, einen separaten Frieden mit den afghanischen Taliban und ihren Unterstützern in Pakistan aushandeln zu wollen und die afghanische Regierung damit ihren Feinden auszuliefern. Obama habe auf die zahlreichen Amerikaner verwiesen, die ihr Leben dabei verloren hätten, Karsais Regierung zu stützen.

Die Spannungen zwischen Washington und Kabul haben sich verschärft, seit die afghanischen Taliban im vergangenen Monat ein Verbindungsbüro im Golf-Emirat Katar eröffneten, um Friedensverhandlungen mit den USA zu führen. Karsai verlangt, dass die Aufständischen mit seiner Regierung verhandeln. Die Taliban lehnen das ab, weil sie Karsai und seine Regierung für Handlanger der Amerikaner halten. Karsai setzte nach der Eröffnung des Büros die Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen mit den USA aus.

Das Abkommen ist Voraussetzung für einen internationalen Einsatz nach 2014. Zentraler Bestandteil ist das Truppenstatut, das amerikanische Soldaten vor afghanischer Strafverfolgung schützt und Blaupause auch für die Nato-Staaten sein soll. Weil ein solches Truppenstatut im Irak nicht zustande kam, zogen die USA 2011 alle ihre Soldaten aus dem instabilen Land ab. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind nach Einschätzungen von Experten auch nach 2014 auf internationale Unterstützung angewiesen.

Der amerikanische Regierungssprecher Jay Carney räumte am Dienstag ein, dass es in den Verhandlungen beider Länder manchmal «Aufs und Abs» gebe. Washington habe aber bereits im Januar öffentlich verkündet, auch einen kompletten Abzug aller Truppen als eine der möglichen Optionen für die Zeit nach 2014 anzusehen. «Es steht aber keine Entscheidung dazu bevor», sagte Carney.

Indessen kam es in Kandahar zu einem blutigen Zwischenfall. Erneut feuerte ein Afghane in Uniform auf ausländische Soldaten. Dabei tötete der afghanische Soldat am Dienstag einen slowakischen Ausbilder und verletzte sechs weitere, wie der slowakische Verteidigungsminister Martin Glvac in Bratislava mitteilte. Nach Angaben der internationalen Schutztruppe Isaf wurde der Angreifer festgenommen. In ersten internationalen Medienberichten war irrtümlich von einem Anschlag auf tschechische Soldaten die Rede gewesen. (dpa)

«NYT»-Bericht

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