Angesichts der eskalierenden Gewalt hat der neue Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC) der Führung in Damaskus ein baldiges Ende vorausgesagt.

Der 55-jährige Kurde Abdel Basset Sajda war am Samstag von den Vertretern des größten Zusammenschlusses syrischer Regierungsgegner zum neuen Vorsitzenden des SNC gewählt worden. Sajda rief die Mitglieder der Regierung von Präsident Baschar al-Assad am Sonntag zum Überlaufen auf und brachte eine UN-mandatierte Militärintervention ins Spiel.
«Das Regime geht auf sein Ende zu. Die sich häufenden Massaker und die Plünderungen zeigen, dass es um sich schlägt», sagte Sajda. Es gebe Informationen, wonach die syrische Regierung die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus und andere Städte verloren habe. Weitere Angaben dazu machte er nicht.
Nach Sajdas Worten will sich der SNC dafür einsetzen, dass der Friedensplan des Syrien-Gesandten Kofi Annan nach Kapitel VII der UN-Charta verwirklicht wird. Kapitel VII sieht bei der Bedrohung des Friedens Sanktionen oder auch militärische Gewalt vor. Sajda rief die Syrer in aller Welt auf, vor den syrischen Botschaften im Ausland gegen das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte zu protestieren.
Weltweite Bestürzung hatte jüngst das Massaker von Al-Kubeir ausgelöst, bei dem regierungstreue Milizen am Mittwoch 55 Menschen getötet haben sollen. Die internationalen Beobachter hätten bei ihrem Besuch in dem Dorf «einen starken Geruch von verbranntem Fleisch» wahrgenommen, teilte die UNO am Freitag (Ortszeit) mit. An Häusern seien Einschüsse von Raketen und großkalibrigen Waffen gefunden worden.
Nach Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte erlitten die Assad-Truppen im Gebiet von Heffa in der Küstenprovinz Lattakia schwere Verluste bei Kämpfen gegen Rebellen. Innerhalb der vergangenen fünf Tage seien dort rund 60 Soldaten, aber auch rund 50 Zivilisten und Rebellen getötet worden. Die Stadt, in der sich hunderte Rebellen verschanzt hielten, wurde demnach am Sonntag den sechsten Tag in Folge bombardiert.
Die Zahl der Toten seit dem Beginn der Revolte Mitte März 2011 gab die Beobachtungsstelle mit mehr als 14.100 an. Am Sonntag wurden demnach mindestens 29 Menschen getötet, darunter elf Soldaten. afp
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