Montag, 20. Mai 2013

04. Mai 2012 07:30 Uhr

Al-Kaida-Chef

Osama bin Ladens Briefe stehen im Internet

Osama bin Laden wurde vor einem Jahr getötet, jetzt sorgt ein Vermächtnis des Al-Kaida-Chefs für Furore: Auf 175 Seiten zeigt Bin laden eine bisher unbekannte Seite von sich.

An dem ersten Todestag von Osama bin Laden hat die Regierung der USA einige der letzten Briefe des Al-Kaida-Chefs ins Internet gestellt. Die am Donnerstag veröffentlichten Schreiben geben einen Einblick in das Innere des Terrornetzwerks und zeigen die Besorgnis Bin Ladens über die Zukunft von Al-Kaida angesichts sinkender Unterstützung in muslimischen Ländern. Insgesamt gab Washington 17 zuvor streng geheime Dokumente frei, sie sind Teil der mehr als 6000 Dokumente, die bei dem Kommandoeinsatz am 2. Mai 2011 im Versteck Bin Ladens in Pakistan  beschlagnahmt worden waren.

Bin Laden beklagt unnötige Opfer unter Zivilisten

Die auf Arabisch verfassten Briefe und Briefentwürfe vom September 2006 bis zum April 2011 umfassen 175 Seiten. Verfasst wurden die Briefe von Bin Laden und andere ranghohen Vertretern von Al-Kaida sowie  verbündeten Gruppen aus dem Jemen, Somalia und Pakistan. Sie sind  auf der Webseite des Zentrums für Terrorbekämpfung der US-Militärakademie West Point abrufbar.

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In einem Schreiben vom Mai 2010 etwa klagte Bin Laden, dass die Sympathie für Al-Kaida in der muslimischen Welt schwinde. Grund  seien Anschläge von regionalen Terrorablegern mit «unnötigen» Opfern unter muslimischen Zivilisten. Der Al-Kaida-Chef ordnete an, «außerordentliche Vorsicht» walten zu lassen und bei den Angriffen muslimische Todesopfer so weit wie möglich zu vermeiden. Sollte dies nicht befolgt werden, würde dies «uns zu Siegen in einigen Schlachten führen, während wir den Krieg am Ende verlören», schrieb er.

Osama bin Laden: Sollte Al-Kaida sich umbenennen?

Bin Laden wünschte sich den veröffentlichten Dokumenten zufolge  eine «neue Phase» im Dschihad herbei, um das Vertrauen der Muslime  zurückzugewinnen. In einem undatierten und nicht unterschriebenen Brief wird sogar über eine Änderung des Namens von Al-Kaida nachgedacht.

Der Autor schlägt mehrere Namen mit stärkerem islamischen Bezug vor, um die Identifikation der Muslime mit dem Terrornetzwerk zu stärken. «Dieser Name (Al-Kaida) erlaubt dem Feind die falsche Behauptung, dass er sich nicht im Krieg mit dem Islam und den Muslimen befindet, sondern mit der Organisation Al-Kaida», heißt es.

Seit 9/11: Staatsfeind Nr. 1

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington mit fast 3000 Toten war Bin Laden der Staatsfeind Nummer eins der USA. Fast ein Jahrzehnt konnte er sich verstecken, bis die US-Geheimdienste ihn und seine Familie im pakistanischen Abbottabad aufspürten. Eine US-Spezialeinheit stürmte das Anwesen in der Nacht zum 2. Mai 2011 und erschoss den Al-Kaida-Chef.

Am Mitwochmorgen ist die afghanische Hauptstadt Kabul von zwei Attentaten erschüttert worden - kurz nach dem Besuch von US-Präsident  Barack Obama. Bei den Anschlägen kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. AZ/afp

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