Sonntag, 26. Mai 2013

31. Januar 2012 08:53 Uhr

Ansgar Heveling

Politiker wettert gegen Internet - und wird zum Gespött

"Digitale Horden", "verlorene Generation": Der CDU-Politiker Ansgar Heveling hat mit markigen Worten gegen Internetnutzer die Web-Szene gegen sich aufgebracht.

Der CDU-Politiker Ansgar Heveling hat mit markigen Worten gegen Internetnutzer die Web-Szene gegen sich aufgebracht.
Foto: Lichtblick/Achim Melde

Ansgar Heveling sitzt in der Enquetekommission "Internet und digitale Gesellschaft" und im Bundestag. Ansonsten machte er wenig von sich reden - bisher.

Doch das änderte sich schlagartig mit einem Gastkommentar, den Heveling jetzt im "Handelsblatt schrieb" - und in dem er zur Generalabrechnung mit dem Internet und seine Nutzer ausholte.

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"Liebe Netzgemeinde: Ihr werdet den Kampf verlieren"

"Liebe 'Netzgemeinde': Ihr werdet den Kampf verlieren", schrieb 39-Jährige darin. "Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird", hieß es in dem Kommentar.

Das Web 2.0, so Heveling weiter, möge zwar "als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein", habe aber "allemal das Zeug zum Destruktiven". Und weiter, unter anderem gegen die Piratenpartei gerichtet:" Natürlich soll niemandem verboten werden, via Twitter seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben. Jetzt haben wir noch die Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten."

Twitter-Nutzer amüsieren sich über Heveling

Auf Twitter machten sich daraufhin etliche Nutzer unter dem Stichwort #hevelingfacts über die provokanten Thesen des Politikers aus Korschenbroich (Nordrhein-Westfalen) lustig. Peter Altmaier, der Parlamentarische Geschäftsführer CDU/CSU-Bundestagsfraktion, reagierte auf Twitter gelassen auf die Debatte: «Seit langem mal wieder ein entspannter Tag. Die Kinder bewerfen sich begeistert mit Förmchen und haben einen Riesenspass. Alles i.O.!»

Am Montagnachmittag erschien dann auf der Homepage des Abgeordneten die Mitteilung «Hiermit möchte ich meinen Austritt aus der CDU öffentlich machen»:  Hacker hatten sich Zugriff zu der Seite verschafft. 

Piratenpartei: Völliges Unverständnis der heutigen Gesellschaft"

Auch am Dienstag setzte sich der digitale Shitstorm gegen Heveling fort. Aktivisten verwandelten so die "Kampfrede" des CDU-Politikers in ein Hörbuch und stellten es zum Download bereit.

Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Deutschland, Sebastian Nerz, äußerste sich sarkastisch über Heveling. Dieser zeige, "dass große Teile der Regierung in völligem Unverständnis der heutigen Gesellschaft leben. Ich würde ihm dringend raten, sich einmal mit den technologischen Entwicklungen seit 1960 zu beschäftigen", so Nerz. "Aus pädagogischen Gründen halte ich es aber für sinnvoll, mit dem Farbfernsehen zu beginnen und sich erst später mit fortschrittlicheren Entwicklungen wie BTX oder betamax zu beschäftigen, ansonsten könnte eine Überforderung eintreten." bo/dpa

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