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Nach dem Doppelanschlag: Pressestimmen zu Norwegen

Nach dem Doppelanschlag

Pressestimmen zu Norwegen

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    Ein Passant betrachtet am Montag (25.07.11) vor den Nordischen Botschaften in Berlin Blumen und Grabkerzen, die dort niedergelegt wurden. Nach der Bombenexplosion in der Innenstadt von Oslo und den Ereignissen auf der Insel Utoya am Freitag (22.07.11), auf der ein 32-Jaehriger Norweger mehr als 80 Jugendliche toetete, legten Trauernde Blumen und Grabkerzen vor den Nordischen Botschaften in Berlin nieder.
    Ein Passant betrachtet am Montag (25.07.11) vor den Nordischen Botschaften in Berlin Blumen und Grabkerzen, die dort niedergelegt wurden. Nach der Bombenexplosion in der Innenstadt von Oslo und den Ereignissen auf der Insel Utoya am Freitag (22.07.11), auf der ein 32-Jaehriger Norweger mehr als 80 Jugendliche toetete, legten Trauernde Blumen und Grabkerzen vor den Nordischen Botschaften in Berlin nieder. Foto: Maja Hitij

    Das Doppel-Attentat von Norwegen beherrscht seit Freitag die Zeitungen und Internetportale im In- und Ausland.

    Die Rheinische Post aus Düsseldorf schreibt dazu: "Das Massaker in Norwegen macht fassungslos, ähnlich wie schon so viele andere blutige Attentate der vergangenen Jahre. Doch dieses Mal scheint die Tat noch abscheulicher, noch entsetzlicher, noch unbegreiflicher. Immer mehr wird deutlich, dass das wahre Ziel des Attentäters Jugendliche waren, die sich über ihre Ferien auf einer idyllischen Insel freuten. Es waren junge Menschen, die sich politisch engagieren wollten, für andere Menschen, für ihr Land, für eine bessere Zukunft. Und die genau aus diesem Grund erbarmungslos abgeschlachtet wurden. 'Abgeschlachtet' - es kann kein anderes Wort für diese menschenverachtende Bestialität geben. Und das ist der zweite Punkt, der das Doppel-Attentat von Norwegen so unerträglich macht: Der Täter kam aus der Mitte der Gesellschaft. Kein zottelbärtiger Islamist, sondern ein netter Junge von nebenan, mit guter Bildung und guten Manieren. Ein blonder und blauäugiger Massenmörder. Wie kommt so einer dazu, ein Blutbad anzurichten? (...) Norwegen wird sich verändern, das ist unvermeidlich. Aber die Norweger - und mit ihnen wir alle - dürfen nicht unsere Unbeschwertheit verlieren. Die Furcht darf nicht stärker werden als der Glauben an die Freiheit. Diesen wohl wichtigsten unter den Werten, die wir 'westlich' nennen, müssen wir entschlossen verteidigen. Jetzt erst recht."

    Das Verbrechen sei nicht zu verstehen, kommentiert die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle den Anschlag von Norwegen. "Es ist nicht einmal singulär. Und das allein trägt schon zur Verunsicherung bei. 1995 verübte Timothy McVeigh einen Bombenanschlag in Oklahoma City, bei dem 168 Menschen starben. 1980 tötete der Rechtsextremist Gundolf Köhler 13 Menschen mit einer Rohrbombe, die er auf dem Münchner Oktoberfest zur Explosion brachte. Gefahr droht der freiheitlichen Welt also nicht nur von islamistischen Gotteskriegern, die den Westen bekämpfen. Zerstörerischer Fundamentalismus kennt mehr als eine Farbe, wie uns Norwegen jetzt erneut lehrt."

    Die Bild publizierte am Montag einen Kommenater von Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke: "Wir schauen in den Abgrund des Bösen. Diese kaltblütige, gnadenlose Tat macht uns sprachlos. Es kann keine schlimmere Gotteslästerung geben, als im Namen der Religion junge, unschuldige Menschen zu morden. Gott lässt dem Menschen die Freiheit, auch die schlimmsten Verbrechen zu begehen - und seinen Menschennamen zu entehren. Doch ich bin sicher: Gott wird diesen Verbrecher seine gerechte und bittere Strafe finden lassen. Und ich glaube fest daran, dass die Opfer jetzt bei Gott sind. Für immer konnte der Mörder ihnen ihr Leben nicht nehmen. Lassen wir uns durch diesen Wahn nicht besiegen. Wir dürfen nicht kapitulieren."

    Die Märkische Allgemeine (Potsdam) schrieb zur Motivation des Attentäters: "Der erste Reflex war ein falscher. Norwegen ist ein mögliches Ziel für islamistische Attentate: Das Nato-Land ist in Afghanistan engagiert, ebenso in Libyen. Doch der Tod kam von einer anderen Seite, er war kaum vorhersehbar. Das reiche Norwegen galt als Muster an Stabilität, offen, tolerant, friedlich. Die regierenden Sozialisten stehen für eine multikulturelle Gesellschaft - und damit im Gegensatz zu den Rechtspopulisten, die sich nun geistige Mittäterschaft vorwerfen lassen müssen. Denn zweifellos war der Mörder beeinflusst von einschlägigem Gedankengut. Das offizielle Norwegen bekennt sich trotzig zu Freiheit und Offenheit. Es weiß aber auch, dass vieles falsch gelaufen ist. Das Land wird wachsamer sein müssen. Auch und gerade, um sich seine Freiheiten bewahren zu können." dapd, AZ

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