2011 wird der letzte G9-Jahrgang Abitur machen. Doch nicht überall ist dann das neunstufige Gymnasium Geschichte. Eine Schule hat ganz eigene Pläne. Von Uta Baumann

Das Ende des neunstufigen Gymansiums und mit ihm die Einführung des G8 ist und bleibt ein Diskussionsthema. Im Frühjahr 2011 schreiben beide Jahrgänge gemeinsam Abitur, dann sollte das G9 eigentlich Geschichte sein.
Doch auch wenn die Einführung des G8 inzwischen sieben Jahre her ist, ist die Kritik daran noch immer nicht verstummt. Die Lehrpläne seien für die verkürzte Schulzeit noch immer viel zu voll, Lehrer gestresst, Schüler überfordert und Eltern wütend.
Die Eliteschule Schloss Salem am Bodensee geht daher nun in Sachen G8 ihren ganz eigenen Weg. Zum Schuljahr 2010/11 bietet die Schule für Schüler, die die Berechtigung für die gymnasiale Oberstufe erworben haben, ein zusätzliches "Salemjahr" an. Dieses Art Aufbau-Programm für die Oberstufe bietet die Schule in Absprache mit dem Kultusministerum Baden-Württemberg an.
"Dieses Jahr soll den Schülern zum einen die Chance geben, sich noch einmal intensiv mit dem Lernstoff vertraut zu machen und optimal vorbereitet in die Oberstufe zu wechseln", heißt es auf der Internetseite der Schule. Zum anderen biete das Salemjahr mit der kompletten Integration in die Salemer Mittelstufe, weltweiten Austauschangeboten und diversen anderen Projekten den Jugendlichen nochmal die Möglichkeit ein Jahr lang zu wachsen und zu reifen.
Denn auch auf der Privatschule hat man die Erfahrung gemacht, dass manche Schüler mit der Straffung des Schulstoffs im G8 Schwierigkeiten haben. "Der akademische Druck ist für eine Reihe von Schülern zu hoch, um das konzentrierte Programm mit zufriedenstellenden Ergebnissen zu bewältigen." Mit diesen Worten wird der Salem-Studienleiter Manuel Schiffer in einer Pressemitteilung der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime zitiert. Auf unsere Anfrage hieß es bei der Schule am Montag: "Zu diesem Thema geben wir zur Zeit keine Stellungnahme."
Für Schüler scheint es also doch noch eine Möglichkeit zu geben stressfreier das Abitur zu erlangen. Allerdings nur, wenn deren Eltern auch über ein entsprechendes Vermögen verfügen: Denn die Kosten für einen Internatsschüler liegen pro Schuljahr bei weit über 30.000 Euro. Tagesheimschüler zahlen weit über 15.000 Euro pro Jahr.
Es gibt aber auch günstigere Alternativen zum G8. Denn in einigen anderen Bundesländern sind die Türen für das G9 noch nicht für immer verschlossen. Im Saarland und in Schleswig-Holstein ist laut Münchner Merkur in den jeweiligen Koalitionsverträgen festgehalten, den Schülern die Wahl zwischen G8 und G9 zu lassen. In Niedersachsen gibt es demnach ein Volksbegehren dazu und in Hessen können zwar nicht Gymnasien, wohl aber sogenannte kooperative Gesamtschulen zum G9 zurückkehren.
In Bayern hält man dagegen am G8 fest. Ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des neunstufigen Gymnasiums scheiterte 2005. Nur 2,4 Prozent der Wahlberechtigten trugen sich damals in die Listen ein. So wird nächstes Jahr der letzte Jahrgang des alten neunjährigen Gymnasiums sein Abitur machen.
Die Schüler der vor vier Monaten gestarteten ersten G8-Oberstufe sollen unterdessen mit einem sogenannten Monitoring intensiv begleitet werden. Dies sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in einer Pressekonferenz am Montag. Auf diese Weise solle die verkürzte Oberstufe "systematsich und konsequent" gesteuert werden. Uta Baumann
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