Eine Studie im Auftrag der AOK rechnet mit steigenden Beiträgen der Privatversicherten. Neben dem demographischen Wandel wirkt sich auch die Euro-Krise auf die Beiträge aus.
Laut einer Studie, die der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat, müssen die rund neun Millionen Privatversicherten zukünftig mit drastisch steigendenden Beiträgen rechnen. Der Studie zufolge klafft bei den Privatversicherern jährlich ein Loch von etwa 24 Milliarden Euro in der Bilanz.
Die Modellrechnung der Studie stützt sich auf drei von den privaten Versicherern vernachlässigte Bereiche. Einerseits hätten die privaten Kassen in ihren Kalkulationen die steigende Lebenserwartung ihrer Mitglieder nicht ausreichend berücksichtigt. Ebensowenig finde der medizinische Fortschritt und damit wachsende Ausgaben für Medikamente und Ärzte, in den Rechnungen keinen entsprechenden Niederschlag.
Ferner wirke sich auch die Eurokrise auf die Finanzen der Privatversicherer aus. Weil die milliardenschweren Kapitalanlagen zu geringe Zinsen ausschütten würden, müssten sich die Privatversicherer indirekt über steigende Beiträge aus dem Sumpf ziehen. Insgesamt beziffert die Studie die jährlichen Mehrkosten pro Mitglied privater Krankenversicherer auf 2.700 Euro.
"Wir wollten die Frage ehrlich beantworten, welches System die Menschen künftig unabhängig von Alter, Einkommen und gesundheitlicher Verfassung am besten versorgen kann", erläutert Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, den Grund für die Studie. "Und die Kassen stehen in diesem Wettbewerb nicht schlecht da." Hierbei gehe es nicht nur um das privatwirtschaftliche Geschäftsmodell der PKV, so Graalmann, "das geht uns nichts an." Wenn jedoch immer mehr Privatversicherte ihre Prämien nicht zahlen könnten, "dann ist das auch ein sozialpolitisches Problem".
Inzwischen wird auch in der schwarz-gelben Regierungskoalition Kritik an den Privatversicherern laut. FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann äußerte Zweifel gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Stern", "ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben" könne.
Auch in der Branche selbst wächst der Unmut. So klagt Roland Weber, Vorstandsmitglied des Marktführers Debeka über die hohen Maklerprovisionen, unzureichenden Versicherungsschutz durch Billigtarife oder mangelnde Wechselmöglichkeiten der Versicherten. "Wenn wir auf diese Schwierigkeiten keine Antwort finden, machen wir uns angreifbar und dürfen uns nicht wundern, wenn die Politiker tätig werden", sagte er gegenüber dem "Stern". (AZ)
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