Dienstag, 2. September 2014

03. Februar 2013 11:51 Uhr

70. Jahrestag von Stalingrad

Russland und Putin feiern sich selbst

Mit mehreren Veranstaltungen hat Russland der Schlacht von Stalingrad gedacht. Dabei wurden vor allem der eigene Patriotismus aber auch Sowjet-Diktator Stalin gefeiert.

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Mit mehreren Veranstaltungen hat Russland der Schlacht von Stalingrad gedacht. Dabei wurden vor allem der eigene Patriotismus aber auch Sowjet-Diktator Stalin gefeiert.
Foto: Alexey Druzhinin

Mit einer Militärparade, Kranzniederlegungen und weiteren Zeremonien hat Russland am Samstag in Wolgograd den 70. Jahrestag des Sieges der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad begangen. In einer Rede vor Veteranen nannte Staatschef Wladimir Putin den Sieg «ein Symbol für wahren Patriotismus». Anlässlich der Feier hieß Wolgograd am Samstag wieder Stalingrad, in der Stadt waren zudem Bilder des Diktators Josef Stalin zu sehen.

Putin spricht von großartigem Heldentum

Bereits am Morgen versammelten sich tausende Menschen im Zentrum von Wolgograd, um sich eine Militärparade anzuschauen. «Ich erinnere mich an meine Freunde, die hier gestorben sind», sagte der 89-jährige Stalingrad-Veteran Pjotr Schabarow. An der Parade nahmen auch mehrere hundert junge Soldaten teil, deren Uniformen denen der Roten Armee im Jahr 1943 nachgeschneidert worden waren.

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Putin nannte den Sieg von Stalingrad in seiner Ansprache in Wolgograd «eines der großartigsten Beispiele für Heldentum in der Welt». «Stalingrad wird immer ein Symbol der Einigkeit und Unbesiegbarkeit unseres Volkes sein», sagte der Präsident. Zuvor hatte Vize-Ministerpräsident Dmitri Rogosin gesagt: «Wir werden unser Land verteidigen, indem wir an die große Schlacht von Stalingrad erinnern - unseren großen Sieg.»

Deutscher Botschafter nimmt an Feierlichkeiten teil

Wie Rogosin legten auch Veteranen und Mitglieder der Kommunistischen Partei am Mahnmal des unbekannten Soldaten Blumen nieder. Auch der deutsche Botschafter Ulrich Brandenburg nahm an den Feierlichkeiten teil, die im russischen Fernsehen live übertragen wurden.

Am 2. Februar 1943 hatte die 6. Armee unter der Führung von Generalfeldmarschall Friedrich Paulus kapituliert. Es war Hitlers erste große Niederlage im Zweiten Weltkrieg, die in Russland bis heute als entscheidender Wendepunkt gefeiert wird, der den Sieg über Nazi-Deutschland einleitete.

Stalingrad forderte bis zu zwei Millionen Tote

Zugleich war es eine der schlimmsten Schlachten aller Zeiten: Nachdem die deutsche Luftwaffe Stalingrad weitgehend zerstört hatte, lieferten sich Wehrmacht und Rote Armee monatelang erbitterte Häuserkämpfe. Nach offiziellen russischen Angaben starben auf beiden Seiten bis zu zwei Millionen Menschen.

Es sei wichtig, der Jugend «die Liebe zum Vaterland einzuschärfen», sagte die 26-jährige Tatjana bei den Jubiläumsfeiern. Nicht nur ihren Patriotismus stellten viele Teilnehmer der Feierlichkeiten zur Schau, auch Stalin wurde geehrt. So trafen mit Bildern des sowjetischen Diktators geschmückte Busse in Wolgograd ein. Am Donnerstag hatte der Stadtrat beschlossen, dass Wolgograd an sechs Gedenktagen, darunter der 2. Februar, wie bereits von 1925 bis 1961 wieder Stalingrad heißt.

Präsident Putin hat die unter Stalin begangenen Verbrechen gegen Regimegegner und Minderheiten nie bestritten. Seine militärischen Erfolge im Zweiten Weltkrieg finden allerdings Putins Lob. dpa/AZ

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