In Kabul eskaliert die Lage. Sprengsätze gingen nahe der US-Botschaft hoch. Über der deutschen Botschaft soll Rauch aufsteigen. Augenzeugen berichten von Selbstmordattentätern.


In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Aufständische am Sonntag in einer koordinierten Kommandoaktion Ziele an mindestens zwei verschiedenen Orten angegriffen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es gebe Beschädigungen auf dem Gelände der deutschen Botschaft. Soweit wie bisher ersichtlich seien aber keine Personen zu Schaden gekommen.
Anwohner berichteten von Explosionen und Schüssen im Botschaftsviertel in der Innenstadt. In der betroffenen Gegend liegen unter anderem die deutsche und die britische Botschaft, der Präsidentenpalast und ein US-Militärlager. Der Sprecher des Innenministeriums, Sediq Sediqqi, sagte: «Bewaffnete Aufständische haben in zwei Gegenden in Kabul Angriffe begonnen. Wir haben die Gegend umstellt und eine große Anzahl Sicherheitskräfte eingesetzt.»
Unter anderem waren nahe der US-Botschaft mehrere heftige Detonationen zu hören, wie Korrespondenten der französischen Nachrichtenagentur AFP melden.
Außerdem waren dem Bericht zu folge Schüsse zu hören. Die amerikanische Botschaft löste Alarm aus und ermahnte ihre Mitarbeiter, sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Angreifer drangen nach offiziellen Angaben zudem in das Parlament in Kabul ein. Selbstmordattentäter sollen nach Angaben von Augenzeugen zudem mit Schusswaffen und Raketen ein Hotel angegriffen haben.
Die amerikanische Botschaft war zuletzt Ende September des vergangenen Jahres Ziel einer Attacke gewesen. Bei einer Schießerei starben damals ein US-Bürger und der Angreifer, ein afghanischer Angestellter. Zwei Wochen zuvor hatten Aufständische einen großen Angriff auf das Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei dem rund 19 Stunden dauernden koordinierten Angriff in der Nähe der US-Botschaft und des Hauptquartiers der ISAF-Truppe waren mindestens 14 Afghanen getötet worden.
Bei einem Doppelanschlag Anfang April im im Norden Afghanistans waren bereits mindestens 24 Menschen verletzt worden. Bei den meisten Opfern handelte es sich nach offiziellen Angaben um Zivilisten, darunter auch viele Kinder. Die Explosionen ereigneten sich den Angaben zufolge kurz nacheinander auf einem Markt in der Provinz Baghlan, die sonst als vergleichsweise sicher gilt. AZ/dpa/afp
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