Nach dem verheerenden Amoklauf von Winnenden ist wieder eine Diskussion um Waffen entbrannt. Der Deutsche Schützenbund fühlt sich nun zu Unrecht in eine Ecke gestellt.



Nach dem Amoklauf von Winnenden hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) die Schützenvereine dazu aufgerufen, ihre Mitglieder künftig besser zu kontrollieren.
«Die Schießsportvereine müssen ihre Mitglieder noch stärker in die Verantwortung nehmen», sagte Zypries der «Rheinischen Post» (Freitagsausgabe). Die Aufbewahrungspflichten im Waffengesetz müssten unbedingt eingehalten werden.
Ein Verbot, Waffen zu Hause aufzubewahren, lehnt Zypries dagegen ab. «Wir haben nach Erfurt 2002 sehr ausführlich darüber diskutiert, ob Schützen ihre Waffen besser im Vereinshaus oder zu Hause lagern sollten», sagte die Ministerin der Zeitung. Nach Abwägung aller Argumente sei jedoch entschieden worden, dass die Aufbewahrung zu Hause sicherer sei als in zentralen Waffenlagern. «Denken Sie nur, welch attraktives Einbruchsobjekt sonst ein einsam stehendes Vereinsheim werden würde», gab Zypries zu bedenken.
Der Deutsche Schützenbund (DSB) hält das bestehende Waffenrecht für ausreichend. Die Gesetzeslage sei «sehr scharf», sagte DSB-Vizepräsident Jürgen Kohlheim am Freitag im ZDF-«Morgenmagazin». Die bestehenden Regeln böten genügend Schutz, wenn sie denn befolgt würden. Dies sei im Fall von Tim K., der die Bluttat mit der Waffe seines Vaters begangen hatte, offenbar nicht geschehen. Allerdings würden die Sportschützen nun zu Unrecht in eine Ecke gestellt.
Laut Kohlheim waren die Schießübungen des 17-jährigen Täters im Schützenverein des Vaters rechtens. Ab zwölf Jahren dürfe auf einer zugelassenen Schießstätte unter Aufsicht der Waffengebrauch trainiert werden. Die Benutzung großkalibriger Waffen sei dort ab 14 Jahren genehmigt. Minderjährige benötigten die Einwilligung der Eltern.
Kohlheim lehnte die Aufbewahrung von Waffen im Schützenhaus ab. In diesem Fall könne ein Krimineller sich sehr einfach mit Waffen eindecken. Die dezentrale Lagerung zu Hause sei am sichersten. Absolute Sicherheit gebe es jedoch nicht.
Der Staatssekretär des Bundesinnenministerium August Hanning fordert eine Verbesserung der Regelungen für Waffen in Privatbesitz. «Die Aufbewahrung von Waffen ist ein kritischer Punkt», sagte Hanning am Freitag bei der Eröffnung der weltgrößten Waffenmesse IWA 2009 in Nürnberg. Um den Zugang zu Waffen zu erschweren, seien Blockiersysteme, wie die Industrie sie mittlerweile entwickelt habe, sehr wichtig. Auch über den Zugang zu Waffenschränken mit biometrischen Systemen müsse man nachdenken.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will bei der Prävention von Bluttaten wie in Winnenden künftig verstärkt auf jugendliche Internet-User setzen. Jugendliche hätten in diesem Medium «mehr Kompetenz» als die Eltern-Generation, sagte die Ministerin am Donnerstag in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner». Sie müssten ermuntert werden, im Netz Zivilcourage zu zeigen. Chatrooms sollten daher die Möglichkeit bieten, dass Kinder und Jugendliche per «Not-Click» Erwachsene erreichen, wenn ihnen etwas «unheimlich» erscheine, sagte die Ministerin. «Wir haben im Internet nicht so etwas wie 110.»
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