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11. April 2008 18:50 Uhr

Sprechstunde mit Doktor Spaß

Augsburg Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Komiker? "Keiner", meint Dr. Eckhard von Hirschhausen. Er muss es wissen. Denn der gebürtige Berliner ist von Berufs wegen promovierter Arzt, Spezialgebiet Kinderneurologie. "In beiden Fällen gilt es genau hinzuschauen und dann die richtige Diagnose zu stellen", scherzt er. Nur die Frage müsse anders gestellt werden: Nicht was ist krank? Sondern was ist komisch?

Sprechstunde bei Doktor Spaß: Weil von Hirschhausen, wie er erzählt, auf der Bühne an einem Abend mehr "Patienten" erreicht als in fünf Jahren Einzelgesprächen als Psychologe, wechselte er vor Jahren das Fach und erfand sich selbst neu - als vermutlich einzigen Medizin-Kabarettisten der Welt.

Denn Lachen - das hatte er schon im Studium verinnerlicht - ist und macht gesund. Auf dessen ungebremste Heilkraft setzt der Humordoktor, der seine Tätigkeit als "Anti-Depressions-Programm" bezeichnet. Sein Motto: zwei Stunden Lachen sind wirksamer als zwei Meter Selbsthilfebücher.

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Schon als Bub hatte er als Zauberkünstler im noch überschaubaren Kreis begeistert. Später wurde er in diesem Fach sogar deutscher Meister. Mit der Zeit ist dann die Magie immer mehr in den Hintergrund getreten, die Geschichten drumherum rutschten in den Mittelpunkt.

Und irgendwann stand dann laut Hirschhausen, der derzeit pro Jahr rund 150 Auftritte absolviert, die Entscheidung an: In der Klinik arbeiten oder auf der Bühne? Er entschied sich für die zweite Variante. Zu Recht. Sein Bühnenprogramm "Glücksbringer" mit Tipps für ein glücklicheres Leben ist ausverkauft.

Weil er als Autor ein noch größeres Publikum erreichen konnte, fing er auch mit dem Schreiben an. Sein erster Titel "Arzt - Deutsch/Deutsch - Arzt", wurde auf Anhieb ein Bestseller und verkaufte sich über 250 000 Mal.

Jetzt untersucht der 40-Jährige in seinem neuesten Werk "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" unter anderem die Entdeckungen, Auswüchse und Irrtümer der Medizin. Zwei Drittel der Texte sind neu, der Rest eine Art "Best of" seines Bühnenprogramms. Er will dabei keine Placebos verschreiben, sondern handfeste Lebenshilfe bieten. Seinem Markenzeichen bleibt er treu, indem er intelligenten Witz mit nachhaltigen Botschaften verbindet.

Doch auch einer wie der, der auf der Erfolgswelle schwimmt, hat mehr oder weniger glückliche Momente. Zwei Katastrophen gebe es im Leben eines Komikers, erzählt er. Erstens: Die Leute lachen, und man weiß selbst nicht warum. Zweitens: Die Leute lachen nicht. Letzteres ist ihm jüngst bei Harald Schmidt und Oliver Pocher passiert, als der Dauergast der ARD-Show eine seiner Ansicht nach wunderbare Pointe hinzauberte, das Publikum aber überhaupt nicht reagierte. Doch der Kabarettist hat solche Dinge zu verkraften gelernt. Derartige Mini-Reinfälle gehören zum Geschäft.

Eines von Hirschhausens derzeitigen Lieblingsthemen ist der Fitness- und Schönheitswahn unserer Gesellschaft. "Der Körper wird heutzutage als eine Art Tempel verehrt", sagt er. Doch keine Frau werde glücklich, nur weil sie ihre Cellulite verliere. Auch ein Waschbrettbauch gebe dem Leben einen tieferen Sinn. "Wir sind aus Staub und werden wieder dazu, das ist nun einmal eine unabänderliche Tatsache", lautet sein Befund. Recht hat er.

Was macht aber ihn selbst glücklich? Der gebürtige Berliner muss nicht lange überlegen: "Es geht im Leben um das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Dann stellt sich das Glück von alleine ein." Das könne beispielsweise der Job sein, er muss es aber nicht. Oft ist es nicht so, im Gegenteil. Viele definierten sich zu stark über den Beruf.

Denn noch eine Botschaft zum Thema Sinn des Lebens hat der Humordoktor an alle, die glauben, ihr menschliches Dasein ganz auf den Beruf ausrichten zu müssen: "Auf dem Sterbebett hat noch keiner gesagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen!" Den richtigen Schluss aus dieser Botschaft muss dann allerdings jeder selbst ziehen.

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