Wärter sprengen Gefangenen Hände weg, Diabetes-Kranken wird der Gang zur Toilette verboten: Das Assad-Regime wendet immer grausamere Folter-Methoden an.



Abu Seid reibt sich den Stummel, der von seiner Hand geblieben ist. Gefängniswärter hätten ihm die Hand mit einem Sprengsatz zerfetzt, sagt der 34-jährige Syrer. «Nachdem ich gegen das Regime demonstriert hatte, wurde ich 15 Tage lang in einem Keller gefoltert, geschlagen und mit Elektroschocks traktiert», sagt der vierfache Familienvater.
Abu Seid, der seinen wahren Namen nicht nennen möchte, stammt aus Daraa im Südwesten des Landes - jener Provinz, in der die Revolte gegen die Herrscher in Damaskus vor elf Monaten begann. Jetzt ist er in Sicherheit. Freunde schmuggelten ihn im Dezember aus einem Krankenhaus über die Grenze nach Jordanien. Mediziner der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in einer Klinik in der jordanischen Hauptstadt Amman versuchen, die Folgen der Folter zu lindern.
Abu Seid ist einer von zehntausenden Syrern, die vor der Gewalt der Truppen von Präsident Baschar al-Assad gegen Oppositionelle ins Nachbarland flohen. «Assads Leute verhafteten Schulkinder und warfen sie in meine Zelle», berichtet der Flüchtling. «Die Kinder hatten Angst und schrien ununterbrochen.» Er habe Assad laut verflucht. Deshalb hätten die Wärter ihn geschlagen und ihm befohlen, sich vor einem Bild des Präsidenten niederzuwerfen. «Als ich mich weigerte und das Bild stattdessen zerriss, sprengten sie meine Hand.»
Auch der 26-jährige Syrer Ibrahim liegt schwer verletzt in Amman im Krankenhaus. Soldaten hätten ihn mit Pistolenschlägen das rechte Bein und den Schädel gebrochen, sagt der Bauarbeiter. «Sie schlugen mich so brutal, nur weil ich einen verletzten Demonstranten in Daraa ins Krankenhaus bringen wollte.»
Dabei sei er noch glimpflich davongekommen, sagt Ibrahim. «Viele meiner Verwandten und Freunde wurden nach Protesten in Syrien verhaftet. Einigen wurden die Fingernägel abgezogen, Teile der Ohren abgeschnitten oder der Penis abgetrennt.» Verletzte Demonstranten würden gezielt von den Sicherheitskräften getötet, sagt Ibrahim. «Das habe ich mit eigenen Augen gesehen.»
Der Student Saher Harriri wurde bei einer Demonstration von einer Kugel an der Hand getroffen. «Die Ärzte in meiner Stadt schickten mich nach Damaskus, weil sie nicht die Ausrüstung hatten, um meine Hand zu behandeln», sagt der 23-Jährige. «Als ich in Damaskus im Krankenhaus aufwachte, sah ich, dass die Ärzte dort mir die Hand amputiert hatten, obwohl sie sie hätten retten können.» Derartige Berichte bestätigt Ärzte ohne Grenzen. «Medizin wird als Mittel zur Verfolgung eingesetzt», erklärt Marie-Pierre Allié, die Präsidentin der Organisation.
Said Heraki berichtet, seine Folterer hätten seine mit starkem Harndrang einhergehende Diabetes-Erkrankung genutzt, um ihn zu quälen. «Im Gefängnis zwangen sie mich, mindestens zwei Liter Wasser zu trinken.» Dann hätten die Wärter ihn ausgezogen und einen dicken Gummi um seine Hoden gebunden. «Ich wäre fast explodiert, der Schmerz war unerträglich», sagt der 70-Jährige aus Herak. «Ich sagte ihnen, dass ich alles tun würde, was sie von mir wollten.» Daraufhin sei er gezwungen worden, ein Geständnis zu unterschreiben, wonach er bei einer Demonstration eine Polizeistation in Brand gesteckt habe.
Nach 22 Tagen der Folter sei er im November durch einen Gnadenerlass des Präsidenten freigekommen, sagt Heraki. «Bevor sie mich freiließen, warfen die Wärter zunächst brennende Kohle auf meinen linken Fuß, anschließend gossen sie kochendes Wasser darüber. Dann rissen sie mir den zweiten Zeh meines rechten Fußes ab, indem einer der Wärter darauf stieg und mich gleichzeitig wegdrückte. Es war schrecklich.»
Mehr als 70.000 Syrer flohen nach Angaben der Regierung in Amman seit März nach Jordanien. «Einige sind wieder nach Syrien zurückgekehrt, andere sind in Drittländer ausgereist», sagt Regierungssprecher Rakan Madschali. Auch Heraki will trotz der erlittenen Folter wieder in seine Heimat. «Ich werde nach Syrien zurückkehren, um mitzuhelfen, den Fall dieses kriminellen Regimes zu beschleunigen.» Ahmad Khatib und Musa Hattar, afp
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