Montag, 20. Mai 2013

18. Januar 2012 13:30 Uhr

Äthiopien

Tod in der Wiege der Menschheit

Zwei Deutsche und ein Österreicher befinden sich unter den fünf getöteten Touristen. Vier Personen wurden entführt. Die Regierung in Addis Abeba beschuldigt Banditen aus Eritrea.

Addis Abeba/Berlin Bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien sind nach Informationen der Regierung in Addis Abeba fünf Touristen getötet worden, darunter zwei Deutsche. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bestätigte diese Angaben am Mittwochnachmittag. Der äthiopische Regierungssprecher Bereket Simon sagte, zwei weitere Deutsche seien verschleppt worden.

Nach Angaben von Simon wurden neben den beiden Deutschen ein Österreicher und zwei Ungarn erschossen. Ein Italiener und ein Ungar seien verletzt worden. Zudem seien bei dem Vorfall vier Menschen entführt worden – zwei Deutsche sowie ein äthiopischer Polizist und ein äthiopischer Fahrer. „Sie wurden wahrscheinlich nach Eritrea verschleppt“, sagte Simon. Die Toten und der Rest der Reisegruppe sollten in die Hauptstadt gebracht werden.

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In dem Gebiet kommt es seit Jahren immer wieder zu Übergriffen auf Touristen. Das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage deshalb auch auf ein erhöhtes Risiko in dem Grenzgebiet hin. Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir hat nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region abgesagt. Betroffene und deren Angehörige würden betreut, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite weiter mit.

Zu der Attacke kam es in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze. Die Region – einer der heißesten Orte der Welt – liegt fernab der üblichen Touristenrouten in Äthiopien, ist schwer zugänglich, in der Regenzeit kaum befahrbar und äußerst unwirtlich. Eine Reise in diese Wüste gleicht einer anstrengenden Expedition. Dennoch: Die Region hat trotz aller Risiken ihre Reize.

„Dieses sogenannte Afar-Dreieck ist wunderschön, weshalb ich selbst schon dorthin gereist bin“, sagt ein belgischer Fotograf, der seit sieben Jahren in Äthiopien lebt. „Wenn das Gebiet so gefährlich ist, warum vergibt die äthiopische Regierung dann nach wie vor so einfach die notwendigen Genehmigungen, um dorthin zu fahren?“ Die Region gilt überdies als „Wiege der Menschheit“, seit dort in den 1970er Jahren Knochen eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt wurden.

Die Täter sollen Simon zufolge von der eritreischen Regierung ausgebildete Banditen sein. Er bezog sich bei seinen Angaben auf äthiopische Sicherheitskräfte. „Es handelt sich um einen der wiederholten Angriffe der eritreischen Regierung, die die ganze Region destabilisieren will“, erklärte Simon.

Überfall kurz vor der Konferenz der Afrikanischen Union

Die Regierung in Eritrea wies die Vorwürfe zurück. Das Land habe „niemals einen solchen Vorfall unterstützt und wird dies niemals tun“, erklärte der Vertreter Eritreas bei der Afrikanischen Union (AU), Girma Asmerom. Der äthiopische Regierungssprecher sagte dagegen, Eritrea habe bereits im vergangenen Jahr versucht, das jährliche Gipfeltreffen der AU zu bombardieren. Es sei deshalb kein Zufall, dass der Überfall kurz vor der diesjährigen Konferenz ausgeführt wurde. Die AU trifft sich vom 23. bis 30. Januar in Addis Abeba.

Zwischen den beiden Nachbarländern brodelt es schon lange: 1962 von Äthiopien annektiert, erreichte Eritrea erst 1993 seine Unabhängigkeit. Damit verlor Äthiopien jeglichen Meereszugang, auch die Grenzen blieben unklar. 1998 spitzte sich die Lage dramatisch zu, im folgenden zweijährigen Krieg kamen rund 100000 Menschen ums Leben.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat wie das Außenministerium in Wien einen Krisenstab eingerichtet. Das Bundeskriminalamt (BKA) schickte mehrere Mitarbeiter in das Land am Horn von Afrika. (dpa, afp, AZ)

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Schlagworte

Ägypten | Entführung | Mord