Donnerstag, 20. Juni 2013

10. April 2012 10:10 Uhr

Irans Atomprogramm

USA fordern konkrete Schritte - Anlage in Fordo schürt weiter Ängste

Die USA haben von der Regierung in Teheran klare Belege gefordert, dass sie nicht nach Atomwaffen strebt. Die Uran-Anreicherungsanlage in Fordo sorgt weiterhin für Zündstoff.

Die alte Atomanlage in Natans im Zentraliran. Auch die Anlage in Fordo befindet sich unter Tage, «damit sie der Feind nicht zerstören kann», wie die iranische Atomenergiebehörde regelmäßig erklärt.
Foto: dpa

Die US-Regierung hoffe darauf, dass für Samstag geplante Gespräche mit dem Iran ein Klima für Fortschritte schaffen werde, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Montag in Washington. Die USA habe sehr klare Vorstellungen davon, was der Iran tun müsse, um der Weltgemeinschaft zu zeigen, «dass er nicht nach Atomwaffen strebt». Dazu seien «konkrete Schritte» von Seiten Teherans notwendig.

Atomstreit: Neue Gesprächsrunde am Samstag

Westliche Regierungen verdächtigen Teheran, unter dem Deckmantel  seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten.  Die iranische Führung bestreitet dies. Im Januar 2011 waren die  Atomgespräche zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland ergebnislos abgebrochen worden. Die EU und der Iran bestätigten am Montag, dass die neue Runde am Samstag in Istanbul stattfindet.

ANZEIGE

US-Präsident Barack Obama habe bereits «klar gemacht, dass sich das Fenster für den Iran schließt», sagte sein Sprecher Carney weiter. Teheran müsse die anstehenden Gespräche deshalb ernst nehmen. Das eng mit den USA verbündete Israel sieht sich durch das  iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht und erwägt einen  Militäreinsatz, um eine nukleare Bewaffnung des Iran zu verhindern. Auch Obama hatte einen Angriff als letzte Möglichkeit nicht ausgeschlossen.

Westen fordert Schließung der Anlage in Fordo

Die Anreicherung von Uran steht im Mittelpunkt des seit Jahren andauernden Streits um das iranische Atomprogramm. Vor der neuen Verhandlungsrunde zwischen Teheran und  dem Westen sorgt die neueste Anlage zur Uranreicherung für Zündstoff: die unterirdische Einrichtung in Fordo, rund 150 Kilometer südwestlich von Teheran. Im Januar hat der Iran damit  begonnen, dort radioaktives Uran auf 20 Prozent anzureichern. Der Westen will bei dem Treffen am Samstag in Istanbul offenbar die Schließung der Fabrik fordern.

Die verbunkerte Anlage unter einem Berg war ein Geheimprojekt.  2009 stellte der Iran sie zunächst als «Rettungsstation» für einen nahgelegenen Militärstützpunkt dar. Demnach sollten Soldaten dort im Falle eines Luftangriffs Schutz finden. Im September 2009 räumte Teheran dann die Existenz der Fabrik zur Urananreicherung ein - und erntete damit scharfen internationalen Protest. Die Anlage in Fordo  befindet sich wie die in Natans unter Tage, «damit sie der Feind nicht zerstören kann», wie die iranische Atomenergiebehörde  regelmäßig erklärt.

Westen besorgt über Grad der Urananreicherung

Die Uran-Anreicherungsanlage in Fordo hat eine Kapazität für 3000 Zentrifugen. Mit Sorge blickt der Westen vor allem auf den Grad der Anreicherung. Anfang Januar gab die Internationale  Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt, dass der Iran in Fordo mit der Produktion von 20-prozentigem Uran begonnen hat. Bis zu diesem Grad  wird das Material einzig zu zivilen Zwecken verwendet. Wird Uran aber weiter auf 90 Prozent angereichert, könnte es für den Bau einer Atombombe verwendet werden. Der Westen verdächtigt Teheran, danach zu streben. afp

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Iran | Uran | USA