Die US-Regierung hoffe darauf, dass für Samstag geplante Gespräche mit dem Iran ein Klima für Fortschritte schaffen werde, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Montag in Washington. Die USA habe sehr klare Vorstellungen davon, was der Iran tun müsse, um der Weltgemeinschaft zu zeigen, «dass er nicht nach Atomwaffen strebt». Dazu seien «konkrete Schritte» von Seiten Teherans notwendig.
Atomstreit: Neue Gesprächsrunde am Samstag
Westliche Regierungen verdächtigen Teheran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Die iranische Führung bestreitet dies. Im Januar 2011 waren die Atomgespräche zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland ergebnislos abgebrochen worden. Die EU und der Iran bestätigten am Montag, dass die neue Runde am Samstag in Istanbul stattfindet.
-
ANZEIGE
US-Präsident Barack Obama habe bereits «klar gemacht, dass sich das Fenster für den Iran schließt», sagte sein Sprecher Carney weiter. Teheran müsse die anstehenden Gespräche deshalb ernst nehmen. Das eng mit den USA verbündete Israel sieht sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht und erwägt einen Militäreinsatz, um eine nukleare Bewaffnung des Iran zu verhindern. Auch Obama hatte einen Angriff als letzte Möglichkeit nicht ausgeschlossen.
Westen fordert Schließung der Anlage in Fordo
Die Anreicherung von Uran steht im Mittelpunkt des seit Jahren andauernden Streits um das iranische Atomprogramm. Vor der neuen Verhandlungsrunde zwischen Teheran und dem Westen sorgt die neueste Anlage zur Uranreicherung für Zündstoff: die unterirdische Einrichtung in Fordo, rund 150 Kilometer südwestlich von Teheran. Im Januar hat der Iran damit begonnen, dort radioaktives Uran auf 20 Prozent anzureichern. Der Westen will bei dem Treffen am Samstag in Istanbul offenbar die Schließung der Fabrik fordern.
-
Viele Länder vermuten, dass der Iran heimlich an Atomwaffen baut. Teheran bestreitet das und pocht auf sein Recht auf Kernenergie. Im Januar 2011 scheitern die Gespräche über Irans Atomprogramm. Zum Jahresende spitzt sich der Konflikt zu:
-
8. November: Der Iran hat laut einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA vermutlich an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet. Teheran weist das zurück. Mehrere Länder fordern, die Sanktionen gegen den Iran zu verschärfen - darunter auch Deutschland.
-
18. November: Der IAEA-Gouverneursrat setzt Teheran eine letzte Frist bis Ende März 2012, alle Fragen im Atomstreit zu beantworten. Der Iran antwortet mit der Ankündigung eines Luftabwehrmanövers.
-
21. November: Großbritannien bricht sämtliche Verbindungen zu iranischen Banken ab. Diese spielten eine zentrale Rolle für die Finanzierung des Atomprogramms, heißt es.
-
28. November: Die Bundesregierung setzt sich für einen Stopp aller Ölimporte aus dem Iran in die EU ein. Ein solches Embargo könnte nach Angaben von Diplomaten schon Anfang 2012 in Kraft treten.
-
29. November: Aus Protest gegen britische Sanktionen und den Tod eines Atomwissenschaftlers stürmen iranische Studenten das Gelände der britischen Botschaft in Teheran.
-
30. November: Großbritannien weist sämtliche Diplomaten und Mitarbeiter der iranischen Botschaft in London aus. Im Gegenzug verweist der Iran britische Diplomaten des Landes und warnt den Westen vor einem Militärschlag. Deutschland und die Niederlande rufen ihre Botschafter aus Teheran zurück.
-
1. Dezember: Angebliche Pläne des Irans für Anschläge auf US- Streitkräfte in Deutschland sorgen für Wirbel. Sie haben aber offenbar keine Grundlage. Die 27 EU-Außenminister beschließen, ein Verbot von Öleinfuhren aus dem Iran vorzubereiten. Das Finanzsystem des Landes soll vom Westen abgeschnitten werden.
-
2. Dezember: Trotz Bedenken des Weißen Hauses stimmt der US-Senat für neue Sanktionen gegen die Teheraner Zentralbank. Unternehmen oder Geldhäusern, die mit der iranischen Notenbank zusammenarbeiten, soll der Zugang zum US-Markt verwehrt werden.
-
14. Dezember: Die iranische Regierung dementiert Berichte, sie wolle bei Manövern die Straße von Hormus für Öltransporte sperren. Das war zuvor von iranischen Abgeordneten angekündigt worden.
-
24. Dezember: Der Iran beginnt Seemanöver im Persischen Golf. Das Außenministerium erklärt, im Kriegsfalle könne die Straße von Hormus gesperrt werden.
-
27. Dezember: Vizepräsident Mohammed Reza Rahimi erweitert die Blockadedrohung auf den Fall neuer Sanktionen: «Wenn sie (der Westen) Sanktionen gegen iranisches Öl verhängen, wird kein Tropfen Öl mehr durch die Straße von Hormus gelassen.» Die USA wiederholen daraufhin ihre Drohung mit neuen Sanktionen im Atomstreit mit Teheran.
-
28. Dezember: Die US-Marine betont ihre «robuste Präsenz» im Persischen Golf und erklärt die Freiheit der Meere für unerlässlich.
-
30. Dezember: Der Iran kündigt den Test von «Langstreckenraketen» an. Es geht um Mittelstreckenraketen bis 2000 Kilometer Reichweite, die alle US-Militäreinrichtungen am Golf erreichen können. Die USA geben die geplante Lieferung von Abfangraketen an die Vereinigten Arabischen Emirate bekannt. Zuvor hatten die USA schon Saudi-Arabien die Lieferung von 84 Kampfflugzeugen des Typs F-15 zugesagt.
-
31. Dezember: Der Iran erklärt sein Interesse an einer Wiederaufnahme der Atomgespräche. Die EU reagiert zurückhalten. US-Präsident Obama unterzeichnet unter Protest den Militärhaushalt, der Sanktionen gegen die iranische Zentralbank vorsieht, die die iranischen Ölgeschäfte lahmlegen sollen.
Die verbunkerte Anlage unter einem Berg war ein Geheimprojekt. 2009 stellte der Iran sie zunächst als «Rettungsstation» für einen nahgelegenen Militärstützpunkt dar. Demnach sollten Soldaten dort im Falle eines Luftangriffs Schutz finden. Im September 2009 räumte Teheran dann die Existenz der Fabrik zur Urananreicherung ein - und erntete damit scharfen internationalen Protest. Die Anlage in Fordo befindet sich wie die in Natans unter Tage, «damit sie der Feind nicht zerstören kann», wie die iranische Atomenergiebehörde regelmäßig erklärt.
Westen besorgt über Grad der Urananreicherung
Die Uran-Anreicherungsanlage in Fordo hat eine Kapazität für 3000 Zentrifugen. Mit Sorge blickt der Westen vor allem auf den Grad der Anreicherung. Anfang Januar gab die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt, dass der Iran in Fordo mit der Produktion von 20-prozentigem Uran begonnen hat. Bis zu diesem Grad wird das Material einzig zu zivilen Zwecken verwendet. Wird Uran aber weiter auf 90 Prozent angereichert, könnte es für den Bau einer Atombombe verwendet werden. Der Westen verdächtigt Teheran, danach zu streben. afp
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren