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10. Februar 2012 08:55 Uhr

Syrien

Videos gegen Granaten: Dokumentation vom Sterben einer Stadt

Das Blutvergießen in Syrien geht weiter: In Homs sollen gestern erneut über 80 Menschen getötet worden sein. Bürgerjournalisten riskieren ihr Leben, um die Welt zu infomieren.

Mit seinem Handy macht Mohammed  Schami (Pseudonym) auf die Schnelle ein paar Filmaufnahmen von der Demonstration in Damaskus. Dann verschwindet er in der Menge - aus Angst vor den Ordnungskräften des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Vor einem Jahr war er noch Handwerker und hätte sich seine heutige Tätigkeit nicht träumen lassen. Jetzt ist er einer von hunderten «Bürgerjournalisten», die das Geschehen in Syrien  seit Beginn des Protests im März 2011 dokumentieren.

Seit Tagen wird Homs von der syrischen Armee beschossen

Mit mehr als 80 Toten hat Syrien am Donnerstag einen weitere Gewalteskalation erlebt. Allein in der Protesthochburg Homs wurden mehr als 50 Menschen getötet, die  meisten von ihnen Zivilisten, wie Menschenrechtgruppen mitteilten. Seit sechs Tagen wird Homs bereits von der syrischen Armee  attackiert. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Donnerstag mehr als 50 Zivilisten, über 30 allein im Viertel Baba Amr.

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Im Internet kursieren seit Tagen auch Bilder und Videos der Bombardements. Es sind Menschen wie Mohammed  Schami, die sie unter großem personellem Risiko online gestellt haben: Angestellte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Studierende - überall in  dem arabischen Land filmen sie und versorgen Websites wie Facebook und YouTube mit Videos, die von Satelliten-Fernsehsendern übernommen und weltweit verbreitet werden. «Alles begann mit den ersten Demonstrationen in der Hauptstadt, an denen wir teilnahmen», sagt der 32-jährige Schami in einem Telefonat aus Damaskus.  «Die Regierung behauptete, die Demos hätten gar nicht  stattgefunden. Wir wollten beweisen, dass das gelogen war. Deshalb  filmten wir.» Er habe die Bilder «teuer bezahlt». 15 Tage lang sei er geschlagen und gefoltert worden.

"Omar der Syrer" starb in Homs

Aber Schami und seine Freunde gaben nicht klein bei. «Wir haben  uns besser organisiert. Einer filmte ein paar Minuten lang, dann  versteckte er sich an einem sicheren Ort, um die Bilder an die  Satellitensender zu schicken, während ihn ein anderer mit Aufnehmen  ablöste.» Als die Regierung erklärte, es handele sich um alte  Aufnahmen, gingen sie dazu über, Schilder mit Datum und Ort des  Geschehens in die Kamera zu halten.

»Omar der Syrer» war einer dieser Bürgerjournalisten. Der 24-jährige Student starb vergangene Woche in der Protesthochburg  Homs, als Regierungskräfte dort nach Angaben der  Anti-Assad-Aktivisten ein «Massaker» verübten. «Er versorgte gerade  Verletzte, als er selbst von einer Granate getroffen wurde»,  berichtet ein Freund, der nicht namentlich genannt werden will. «Er  wurde am Kopf, am Bauch und am Bein getroffen und starb drei  Stunden später im Krankenhaus». Sein Ziel sei «Würde und Freiheit  für das syrische Volk» gewesen.

"Omar der Syrer" belieferte westliche Medien

»Omar der Syrer», mit richtigem Namen Maschar Tajjara, arbeitete  unter anderem für den «Guardian», «Die Welt» und gelegentlich auch  für den Videodienst der Nachrichtenagentur AFP. Er war auch auf CNN  und Al-Dschasira zu sehen - live aus Homs. Schon am 29. Dezember  erschossen Sicherheitskräfte den 23-jährige Bürgerjournalisten  Bassil Sajjed in Baba Amr, einen besonders umkämpften Stadtteil von  Homs. Viele andere starben, darunter Farsat Dscherban am 20.  November ebenfalls in Homs.

Kinan Ali, der sich in den Libanon abgesetzt hat, aber weiter im  Medienbereich aktiv ist, sieht erhebliche Verbesserungen bei den  Amateurjournalisten. Am Anfang habe ein und derselbe Aktivist den  Aufruf zur Demonstration auf Facebook gestellt, danach an der  Demonstration teilgenommen, dort gefilmt und später die Aufnahmen  online gestellt. Jetzt blieben diejenigen mit Satellitenempfang  zuhause, um Bilder zu versenden. Die mit den Kameras mischten sich  aus Sicherheitsgründen nicht mehr unter die Demonstranten, sondern  filmten von Fenstern oder Balkonen aus. Auch die Qualität der Aufnahmen hat sich seither verbessert. Die  Winkel sind professioneller geworden, und es gibt auch nicht mehr soviele verwackelte Bilder.

"Für die Wahrheit, die Freiheit und die Würde"

Abu Abdallah Talli ist ein Bürgerjournalist, der nach dem Tod  seines Freundes im südlichen Daraa und der Kappung des Internets in  seinem Dorf nach Damaskus zog. «Immer wenn jemand stirbt, sterben  wir mit ihm», sagt der 26-jährige Nachrichtentechniker. Auf die  Frage, warum die Bürgerjournalisten ihr Leben aufs Spiel setzten,  sagt Talli: «Für die Wahrheit, die Freiheit und die Würde. Das hat unser Land verdient.» AZ, afp

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Schlagworte

Baschar al-Assad | Homs | Syrien



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