Sonntag, 26. Mai 2013

20. Januar 2012 18:34 Uhr

Afghanistan

Vier Soldaten getötet: Frankreich droht mit Truppenabzug

Paris droht mit Truppenabzug aus Afghanistan: Nach dem Tod von vier französischen Soldaten im Osten Afghanistans hat Frankreich seine Militäreinsätze in dem Land vorerst eingestellt.

Paris droht mit Truppenabzug aus Afghanistan: Nach dem Tod von vier französischen Soldaten im Osten Afghanistans hat Frankreich seine Militäreinsätze in dem Land vorerst eingestellt.
Foto: dpa

Paris droht mit Truppenabzug aus Afghanistan: Nach dem Tod von vier französischen Soldaten im Osten Afghanistans hat Frankreich seine Militäreinsätze in dem Land vorerst eingestellt. Ein vorzeitiger Abzug der Truppen aus Afghanistan sei nicht ausgeschlossen, sagte Präsident Nicolas Sarkozy in Paris. Ein afghanischer Soldat hatte die vier französischen Soldaten am Freitag im Osten des Landes erschossen und  mindestens 15 weitere verletzt.

Ausbildung wird ausgesetzt

"Ich kann nicht hinnehmen, dass afghanische Soldaten auf französische Soldaten schießen", sagte Sarkozy. Die Ausbildung afghanischer Soldaten und die Hilfe bei Kampfeinsätzen werde  deshalb ausgesetzt. Verteidigungsminister Gérard Longuet soll  zusammen mit Generalstabschef Edouard Guillaud "unverzüglich" nach  Afghanistan reisen. Anhand von Longuets Bericht will Sarkozy entscheiden, ob er die französischen 3600 Soldaten vorzeitig  abzieht. Eigentlich sollte der Abzug Anfang 2014 abgeschlossen  sein.

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Der afghanische Präsident Hamid Karsai, der in einer Woche in  Paris erwartet wird, bedauerte den Angriff. In einer Mitteilung sprach er Sarkozy und dem französischen Volk seine "tiefe Sympathie" und sein Beileid aus. Die extremistischen Taliban lobten in einer Erklärung die "mutigen und patriotischen Soldaten", welche die ausländischen Truppen angriffen.

Soldaten waren unbewaffnet

Die französischen Soldaten machten nach Angaben aus afghanischen Sicherheitskreisen gerade Sport und waren deshalb unbewaffnet, als ein Mann in afghanischer Uniform das Feuer auf sie eröffnete. Der Angriff ereignete sich im Bezirk Tagab in der Provinz Kapisa. Die Männer seien "eigentlich ermordet worden", sagte Verteidigungsminister Longuet.

Bereits Ende Dezember waren zwei französische Soldaten ebenfalls im Bezirk Tagab von einem Mann in afghanischer Uniform erschossen worden. Auch die Bundeswehr war vor knapp einem Jahr Ziel eines  ähnlichen Angriffs: Am 18. Februar 2011 starben drei Soldaten, als  ein afghanischer Soldat in einem Außenposten in Nordafghanistan das Feuer eröffnete. Der französische Außenminister Alain Juppé  forderte die afghanischen Behörden auf, die Rekrutierung von Soldaten genauer zu kontrollieren.

Rasmussen: Angriff ist Einzelfall

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete den Angriff auf die französischen Soldaten als Einzelfall. Er widersprach damit dem Eindruck, dass zunehmend aus der afghanischen  Armee heraus Angriffe gegen Soldaten der internationalen Truppe ISAF gestartet würden. Einige Angriffe der vergangenen Monate waren Mitgliedern der radikalislamischen Taliban zugeschrieben worden,  die sich von der afghanischen Armee anwerben ließen. Bei anderen wurden Streitigkeiten zwischen Afghanen und ausländischen Soldaten als Grund angegeben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich tief  bestürzt über den Angriff auf die Franzosen: "Unsere Trauer und  unser Mitgefühl sind in dieser schweren Stunde mit Frankreich und  vor allem mit den Angehörigen und Freunden der getöteten Soldaten",  erklärte Westerwelle.

Afghanistan: Bisher 82 französische Soldaten getötet

Seit Beginn des internationalen Einsatzes Ende 2001 starben in Afghanistan 82 französische Soldaten. Frankreich begann bereits im Oktober mit dem Rückzug seiner 3600 Soldaten. Deutschland will ab  Februar die Zahl seiner Soldaten in Afghanistan von bisher 5350 auf  höchstens 4900 Soldaten verringern. Der Bundestag entscheidet darüber am nächsten Donnerstag. (afp, AZ)

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