Sonntag, 31. August 2014

24. Februar 2009 19:10 Uhr

Kärnten

Wahlkampf mit verunglückten Haider

Am 1. März wählen in Österreich die Kärntener und Salzburger ihren Landtag. Manche Partei vereinnahmt ihm Wahlkampf den tödlich verunglückten Rechtspopulisten Jörg Haider für sich. Von Mariele Schulze Berndt

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Haider war am 11. Oktober auf dem Heimweg bei viel zu hoher Geschwindigkeit von der Straße abgekommen und gestorben.

Wien - Am 1. März wählen in Österreich die Kärntener und Salzburger ihren Landtag. Manche Partei vereinnahmt ihm Wahlkampf den tödlich verunglückten Rechtspopulisten Jörg Haider für sich.

"Wir passen auf dein Kärnten auf - garantiert", verspricht das Bündnis Zukunft Österreich auf seinen Plakaten im Landtagswahlkampf in Kärnten. Am 1. März wählen die Kärntner, ebenso wie die Salzburger. Doch den Wählern im südlichsten Bundesland gilt das Versprechen auf den Plakaten nur indirekt. Tatsächlich geht es um das Zitat.

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Denn es erinnert an den am 11. Oktober tödlich verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider. Als er 1991 als Landeshauptmann zurücktreten musste, weil er die Beschäftigungspolitik Hitlers gelobt hatte, hatte er in seiner Abschiedsrede gefordert: "Passt mir auf mein Kärnten auf."

Die erste Landtagswahl nach seinem Tod ist für viele Wähler eine Wahl pro oder kontra Haider. Auch wenn die Emotionalisierung langsam abklingt, ist er überall präsent: "In seinem Geist mit neuer Kraft", heißt es auf einem anderen Plakat. Auf den Stimmzetteln wird als Name seiner Partei "Die Freiheitlichen in Kärnten - Liste Jörg Haider - BZÖ" stehen. Gerhard Dörfler, Haiders Nachfolger im Amt des Landeshauptmannes, hofft von diesem Haider-Kult zu profitieren.

Er weihte eine Jörg- Haider-Brücke ein, ließ einen Gedenkstein in der Todeskurve aufstellen und fördert den Handel mit Haider-Andenken, wo er kann. CDs, auf denen der gebürtige Oberösterreicher Haider Kärntner Lieder singt, sind im Angebot.

Dörfler braucht die Stimmen der Haider-Fans. Sonst sind seine Tage als Landeshauptmann gezählt. Von Seiten seiner politischen Gegner wächst die Gefahr: Die zweite rechtsextreme Partei, die Freiheitliche Partei Österreich, FPÖ, mit ihrem Vorsitzenden Heinz Christian Strache versucht nämlich nach Haiders Tod, in Kärnten wieder Fuß zu fassen.

Dazu verkauft sie sich als die wahre Erbin Haiders, der das BZÖ 2005 als Abspaltung der FPÖ gegründet hatte. Das BZÖ gilt als außerhalb Kärntens nicht lebensfähig. Schon sind etliche Funktionäre, die 2005 mit Haider in die neue Partei gegangen waren, in die FPÖ zurückgekehrt. Erstaunlicherweise weist die Sozialdemokratische Partei Österreichs, SPÖ, in Umfragen zuletzt ganz passable Werte auf. Vor der Ära Haider war Kärnten eine SPÖ-Hochburg gewesen.

Die konservative Österreichische Volkspartei, ÖVP, dagegen ist im Land Kärnten traditionell schwach und kämpft mit den Grünen um den fünften Platz. Sie hat Haider mitgewählt und wäre auch weiterhin zu einem Bündnis mit dem BZÖ bereit, aber möglicherweise mit einem anderen Landeshauptmann als Dörfler. Der zieht noch von Wahlveranstaltung zu Wahlveranstaltung und hofft, dass Haider am Abend des 1. März "von oben herunterschauen und zufrieden sein wird".

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