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27. Februar 2009 07:15 Uhr

Identitäts-Diebstahl

Wenn das eigene Ich im Internet missbraucht wird

Oliver Götz hat sich mit der Internet-Mafia angelegt - jetzt rächt sie sich. Sie bucht in seinem Namen Hubschrauberflüge, bestellt Sex-Spielzeug und hetzt gegen ihn in Internet-Foren. Oliver Götz ist Opfer von Identitäts-Diebstahl. Das kann jeden treffen. Von Sascha Borowski Von Sascha Borowski

Von Sascha Borowski

Augsburg/Bamberg Gestern hat er wieder einmal Post bekommen. "Vielen Dank für die Bestellung des DVD-Sets", hat ihm ein Versandhaus geschrieben. Oliver Götz seufzt. Natürlich hat er dieses Set nie bestellt. So wie er auch nie eine Petition gegen Ausländer gestartet, Sex-Spielzeug für wildfremde Frauen bestellt oder einen Hubschrauberflug gebucht hat.

Oliver Götz hat es nicht mehr in der Hand, was in seinem Namen geschieht. Genauer: mit seinem Namen. Denn der wird von Dritten missbraucht. Götz ist ein Opfer von Identitäts-Diebstahl. Eine Straftat, die es so im Gesetz nicht gibt. Die trotzdem einen Ruf zerstören kann. Und niemand ist gefeit davor.

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Oliver Götz kennt sich bestens aus im Internet. Vor allem in den dunklen Ecken. Der 36-Jährige hat Online-Abzockern und -Betrügern den Kampf angesagt. Seit Jahren ist er in Verbraucherschutzforen im Internet aktiv. Immer wieder warnt der Mann aus der Nähe von Bamberg vor Abofallen - also Internetseiten mit versteckter Kostenpflicht. "Ein Hobby", sagt er.

Doch mit seinen Aktivitäten hat sich Götz Feinde gemacht. Und die schlagen jetzt zurück.

Seit drei Wochen missbrauchen unbekannte Täter den Namen des Nordbayern für üble Machenschaften. Sie bestellen unter seiner Adresse Waren bei Online-Shops. Sie geben unter seinem Namen Stellenanzeigen auf. Sie schreiben unter seinem Namen beleidigende Beiträge in Internetforen. Sie haben ihn im Web des Betrugs bezichtigt und verschicken unter seinem Namen Mahnungen. Sie haben ihn für einen Hubschrauberflug angemeldet, an der Uni eingeschrieben und unter seinem Namen Werbung verschickt. Besonders drastisch: Unter seinem Namen Oliver Götz starteten die Unbekannten eine Online-Petition gegen Ausländer. Wenige Tage später schickten die Täter dann Mails an verschiedene Redaktionen: "Oliver Goetz ist bekennender Ausländerhasser. Sorgen Sie dafür, dass er bestraft wird", hieß es darin. "Das ist wirklich kein Spaß mehr, das ist hochkriminell", sagt Götz.

Täglich neue Schikanen. Täglich neuer Missbrauch seines Namens. Götz hat mittlerweile eine Ansage auf dem Anrufbeantworter geschaltet. Er hat einen Erklärungstext auf seiner Webseite gestellt, "seit geraumer Zeit wird meine Identität von Unbekannten missbraucht", heißt es dort. Doch was bringt das? Selbst wenn die einzelnen Menschen Bescheid wissen, ist da ja auch noch Google, die Suchmaschine. Wer Götz' Name darin eingibt, stößt neuerdings immer öfter auf die Spuren der Web-Attacken. Sein Name in Verbindung mit Aussagen, die er - Götz - nie getätigt hat. Google weiß das aber nicht. Google brandmarkt. Natürlich war Oliver Götz auch bei der Polizei. Die ermittelt nun. Ob etwas dabei herauskommt? "Es handelt sich um ein laufendes Verfahren", heißt es bei den Bamberger Fahndern. Deshalb wolle man sich derzeit nicht weiter äußern.

Dazu kommt: Identitäts-Diebstahl an sich ist keine Straftat in Deutschland. Obwohl er öfter vorkommt. Viele Menschen präsentieren sich im Internet nicht nur mit Namen, sondern auch mit intimen Details. Diese können missbraucht werden. Für Scherze. Aber eben auch für Betrügereien und Stalking.

In den USA, in denen Identitäts-Diebstahl schon lange ein Thema ist, wurden bereits 2005 über 500 000 Fälle dieser Art registriert. Deutsche Zahlen gibt es nicht.

Oliver Götz hat sogar einen Verdacht, wer hinter den Attacken stecken könnte: eine Gruppe junger Burschen, die jüngst immer wieder mit Abzocke im Internet auffiel. "Kindergartenbande", nennt Götz sie verächtlich. Nur: "Ich kann es nicht beweisen und muss abwarten, was die Ermittler herausfinden."

Sollten die Fahnder Erfolg haben, könnte es für die Täter dicke kommen. Das meint zumindest der Augsburger Jurist Hagen Hild. "Ich sehe da Nachstellung, Urkundenfälschung und falsche Verdächtigung als gegeben an", sagt der Fachanwalt für IT-Recht. "Mal davon abgesehen, dass auch ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch gegen den oder die Täter besteht."

Oliver Götz lässt sich jedenfalls nicht kleinkriegen. "Ich mache weiter", sagt er. Jeder neue Angriff, jeder neue Missbrauch seines Namens bestärkt ihn darin, seine Internet-Aktivitäten fortzusetzen. Wenn er nicht gerade mal wieder eine Bestellung rückgängig machen muss, die in seinem Namen getätigt wurde. Aktuell sind es über 55.

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Tipps für mehr Sicherheit im Internet unter augsburger-allgemeine.de/pcsicherheit

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