Eine Reihe von Gewaltdelikten in und um München haben zu Beginn des Jahres die Polizei in Atem gehalten. Ein Rückblick.

Wie die Polizei am Neujahrstag mitteilte, schlugen drei zunächst unbekannte Gewalttäter im Alter von etwa 19 bis 20 Jahren im Streit um zu laute Musik in der U-Bahn auf drei Männer ein. Zwei 45-Jährige wurden mit Verletzungen in Kliniken gebracht. Gegen die flüchtigen Täter wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
Die drei jungen Männer hatten am frühen Sonntagmorgen in einer U-Bahn über ihren MP3-Player so laut Musik gehört, dass sich andere Fahrgäste belästigt fühlten. Als ein Mann sie aufforderte, die Musik leiser zu stellen, schlug einer der drei ihm mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Der Mann rettete sich beim nächsten Halt ins Freie.
Als sich danach auch zwei 45 Jahre alte Fahrgäste aus Neubiberg und Warngau über die laute Musik beschwerten, sprang einer der drei jungen Männer auf und schlug dem Neubiberger mit der Faust ins Gesicht. Die beiden 45-Jährigen verließen daraufhin die U-Bahn. Die Angreifer folgten ihnen bis ins Zwischengeschoss, wo sie laut Polizei den Neubiberger zu Boden schlugen und mit Füßen auf ihn eintraten. Auf der Straße schließlich warf einer der Täter einen Ziegelstein auf den Warngauer, der eine Platzwunde am Kopf erlitt. Er wurde wie sein Begleiter in ein Krankenhaus gebracht. Die Schläger entkamen unerkannt.
Am Freitag hatten wie berichtet drei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche zwei Erwachsene in einem U-Bahnhof angegriffen und verletzt. Ein 29-jähriger schwedischer Student wurde von einer Bierflasche am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde. Sein 36 Jahre alter Begleiter aus Hamburg trug Prellungen davon.
Die drei Schläger, ein 16-jähriger Deutscher, ein 17 Jahre alter Kroate und ein 16-jähriger Serbe, wurden in Tatortnähe festgenommen. Bereits am 20. Dezember hatten ein 17-jähriger Grieche und ein 20 Jahre alter Türke in einem Münchner U-Bahnhof einen 76 Jahre alten Rentner niedergeschlagen.
Die Münchner CSU will nun durch mehr Überwachung in den U-Bahnhöfen die Sicherheit für die Fahrgäste erhöhen. Ob Schwarze Sheriffs oder Sicherheitspersonal von der Stadt - "entscheidend ist, dass Uniformierte das Bild prägen und zeigen, dass hier jemand aufpasst", sagte CSU-OB-Kandidat Josef Schmid gegenüber der Abendzeitung. Zudem soll das Handynetz in der U-Bahn ausgebaut werden, damit die Fahrgäste im Notfall Hilfe holen können. Auch durch mehr Überwachungskameras erhoffen sich die Politiker mehr Sicherheit.
Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) bekräftigte ihre Forderung nach einem schärferen Jugendstrafrecht. Das ausschließlich dem Erziehungsgedanken verpflichtete Jugendstrafrecht sei nicht mehr voll geeignet, die Menschen vor jugendlichen und heranwachsenden Intensiv- und Gewalttätern zu schützen, sagte Merk. "Wir müssen die Höchststrafe im Jugendstrafrecht endlich von zehn auf 15 Jahre erhöhen." Auch Jugendliche könnten schwerste Schuld auf sich laden, bei der es mit zehn Jahren Jugendstrafe allein nicht getan sei. Wer die Augen davor verschließe, sehe die Welt durch eine rosa Brille. Merk forderte ferner, bei 18- bis 21-jährigen Straftätern in der Regel Erwachsenenstrafrecht anzuwenden.
Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) forderte eine raschere Ausweisung ausländischer Straftäter. "Ich meine, wir müssen auch gerade bei Heranwachsenden höhere Strafen verhängen können, und wir müssen jede Chance zur Ausweisung nutzen", sagte er. Der Bayerische Richterverein dagegen kritisierte die Diskussion um den U-Bahn-Überfall in München. Sie sei angesichts der zahlreichen Tötungsdelikte und gefährlichen Körperverletzungen, die Jahr für Jahr begangen würden, "unglaubwürdig und überzogen". Der Politik warfen die Richter Versagen vor.
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