Donnerstag, 23. Mai 2013

04. Mai 2012 07:45 Uhr

Leitartikel zum Urheberrecht

Wir sollten gern für Musik zahlen

Das Ende des geistigen Eigentums führt in eine Zukunft, die nur noch Hobby-Künstler kennt.

Wolfgang Schütz

Geistiges Eigentum? Allein schon der Begriff: „Ekelhaft!“ Und Künstler? Nichts weiter als „Filter“ all dessen, was ohnehin in der Welt ist. So spricht Julia Schramm, eine der Protagonistinnen der Piratenpartei.

„Es ist ein reines Banausentum!“ Wem es nicht passt, dass für Musik gezahlt werden muss, der könne sich seine Lieder ja von Kim Schmitz vorsingen lassen. So spricht Sven Regener, Sänger der deutschen Band „Element of Crime“ – in Anspielung auf den Betreiber einer illegalen Internet-Tauschbörse.

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Debatte um die Urheberrechte spaltet in die Extreme

Zwei Stellungnahmen aus den vergangenen Wochen, die zeigen: Die Debatte um die Urheberrechte spaltet in die Extreme. Obwohl immer wieder Piraten beteuern, es gehe nicht um eine völlige Freigabe. Obwohl immer wieder Musiker betonen, es gehe nicht um die Kriminalisierung von Millionen von Musikhörern. Obwohl Vermittler von beiden Seiten immer wieder darauf hinweisen, es müsse eine konkrete Lösung her – vielleicht durch Kultur-Flatrates oder Teilhaber-Modelle – und eben kein ideologischer Streit.

Das Problem ist: Es ist aber zuallererst und auch ganz notwendig eine Auseinandersetzung über Werte. Denn sie muss grundsätzlich klären, welche Bedeutung die Arbeit des Künstlers in unserer Gesellschaft künftig haben soll. Und die seit Jahren tobende Debatte um die Verwertung von Musik ist dabei aufgrund deren einfacher Verbreitung der Modellprozess.

Die Kulturgeschichte hat auch dank des technischen Fortschritts die Künstler aus ihrer Abhängigkeit von Fürsten und Königen befreit. An die Stelle des absolutistischen Förderers trat der annähernd demokratische Erfolgsmesser des Publikumsgeschmacks. Natürlich bildeten sich dabei wiederum Verwertungskartelle wie die Musikindustrie, die sich oligarchisch anmutende Vorsortierungen anmaßt. Aber immerhin blieb das Verhältnis zu Publikumsgeschmack und Künstler das einer gegenseitigen Abhängigkeit statt einer Diktatur.

Wer denkt, das würde ohne „geistiges Eigentum“, quasi durch den Sieg der Anarchie im Internet, besser, der irrt. Hinter der vermeintlichen Freiheit nämlich steckten dann nur ungleich mächtigere Kartelle wie Google hinter Youtube, die alles kostenlos anbieten und durch Klicks verdienen. Inhalte können denen egal sein, der Künstler bekommt eh nix. In der Konsequenz würde dessen Dasein als Profession unmöglich. Und wer davon träumt, freiwillige Gaben von Fans würden für den Guten schon sorgen und die bösen, mit bloßer Marktmacht geschaffenen Superstars entsorgen, sollte besser schnell aufwachen. Sonst kommt er irgendwann in einer Welt zu sich, die nur noch Hobby-Künstler zu bieten hat, ohne Muße für das große Werk. Schon die Entwicklung des Markts der vergangenen Jahre hat ja dafür gesorgt, dass sich ambitionierte Musiker diesseits der Starwelt immer weniger über Wasser halten können, weil zuallererst die kleinen Plattenfirmen untergegangen sind …

Sven Regener hat recht

Wir sollten also nicht nur aus dem Anstand heraus, der uns davon abhält, im Supermarkt zu klauen, für unsere Musik bezahlen. Wir sollten sogar aus Überzeugung dafür bezahlen wollen, wie generell für die Kunst, die wir schätzen. Aber weil das Theorie bleiben wird, muss das Gesetz dafür sorgen. Und wer sagt, der Dammbruch wäre längst geschehen und nur durch Stasi-Methoden wieder zurückzunehmen, drückt sich aus vermeintlichem Pragmatismus nur davor, Stellung zu beziehen – für die Kunst in Musik und Film und Literatur. Oder soll die gute dann staatlich gefördert werden – von Kommissionen ausgewählt, von Steuergeldern bezahlt? Wäre das besser? Kurz: Sven Regener hat recht.

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