Die meisten Studenten sehen keine Verbesserungen durch die Studiengebühren. Und fast nirgendwo gibt es so ein Mitspracherecht wie in Augsburg. Von Katharina Gaugenrieder

Studiengebühren sind bei den Studenten in etwa so beliebt wie die Abschlussarbeit: Knapp 66 Prozent sind nach einer Studie der Universität Hohenheim gegen die Campus-Maut.
Gezahlt werden muss sie in Bayern trotzdem. 500 Euro buchen die meisten Universitäten den Studenten Semester für Semester vom Konto ab, um damit, wie es im bayerischen Hochschulgesetz heißt, eine "Verbesserung der Studienbedingungen" zu erreichen. Das ohnehin oft knappe studentische Budget wird damit umgerechnet mit 83 Euro monatlich belastet.
Der Teufel liegt im Detail: Denn was als Verbesserung der Studienbedingungen angesehen werden kann, ist in Bayern wie anderswo Auslegungssache.
Über die Jahre hinweg dachten sich allerlei Hochschulen neue Dinge aus: Die Universität Ulm wollte Heizkosten indirekt mit Studiengebühren decken, die Universität des Saarlands stattete ihre Studenten für 120.000 Euro mit USB-Sticks mit Universitätslogo aus, die Passauer Universität wollte mit dem Geldsegen aus studentischen Geldbeuteln gar die Tiefgarage sanieren.
Kein Wunder, dass sich die protestierenden Studenten fragen, was sie von den Studiengebühren haben. Ganze 71 Prozent, so ergab die Hohenheimer Studie, können an ihrer Universität keine Verbesserung der Lehrbedingungen erkennen. "Auf einer Schulnotenskala bewerten sie die Verwendung der Studiengebühren mit einer vier minus bis fünf plus", sagt Projektleiter Daniel Schwarz.
Das Problem, so Schwarz, liege hier vor allem in der Informationspolitik der Hochschulen: "Oft ist für die Studenten nicht ersichtlich, wohin die Gelder fließen." An der Uni Hohenheim haben die Verantwortlichen das Problem erkannt und einen Aufkleber drucken lassen: "Ich werde aus Studiengebühren finanziert", prangt jetzt auf Büchern, Beamern und an den Türen von zusätzlichen Dozenten.
Ein solcher Aufkleber könnte allerdings auch Missstände aufdecken. Der streikende Augsburger Student Florian Hofmann, der einen Forderungskatalog an die Uni-Leitung mit ausarbeitet, sagt, dass vor allem an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten ein Großteil der Studiengebühren nur für den Erhalt der Lehre eingesetzt wird: "Von einer Verbesserung kann hier gar nicht die Rede sein."
Da hilft den Augsburger Studenten auch ihr bayernweit einzigartiges Vetorecht nicht, das ihnen ein großes Mitspracherecht bei der Verwendung der Gebühren einräumt. Immerhin, in den Bibliotheken habe sich einiges getan, sagt Student Hofmann. Es gebe längere Öffnungszeiten und mehr Bücher. Doch wie viele seiner Kommilitonen kann sich der Student nicht für die Gebühren erwärmen.
Minister Heubisch bleibt hart
Mit ihren Forderungen nach einer Abschaffung der Studiengebühren beißen die Studenten in Bayern auf Granit. Bei einem Besuch an der Münchner Universität zeigte sich der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch in diesem Punkt nicht verhandlungsbereit.
Der FDP-Politiker verwies darauf, dass Bayern trotz Studiengebühren ein Zuzugsland für Studenten sei. Gestern demonstrierten am Rande der Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig 4000 Studenten für Reformen im Bildungssystem. Rektoren-Chefin Margret Wintermantel kritisierte dabei die Ungeduld der Studenten. Die Vorwürfe einer Ökonomisierung des Studiums oder einer mangelnden Mitbestimmung der Studenten seien nicht gerechtfertigt. Katharina Gaugenrieder
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