Am 11. September wird es in New York eine besondere Gedenkfeier geben: Die Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge wird eingeweiht. Sie ist schon jetzt eine Attraktion.

Denn bereits jetzt wurden via Internet 250.000 Eintrittskarten vorbestellt. Der Eintritt ist kostenlos, ab 12. September kann die Gedenkstätte ("National September 11 Memorial & Museum") besichtigt werden.
Mittelpunkt der Gedenkstätte sind zwei rechteckige Becken, die wie ein Abdruck den Standort der beiden früheren Türme zeigen. In die Becken fließt von oben Wasser herab, an den Rändern sind in Bronze die Namen der 2.983 Menschen eingraviert, die am 11. September in New York, auf einem Feld in der in Nähe von Shanksville in Pennsylvania und im Pentagon getötet wurden. Zudem stehen hier auch die Namen der sechs Opfer des Bombenanschlags auf das World Trade Center von 1993.
Um die beiden Becken herum wurden zur Eröffnung der Gedenkstätte 225 zweifarbige Eichen gepflanzt, wodurch ein kleiner, im Sommer schattiger Park inmitten der Hochhauslandschaft entsteht. Insgesamt sollen es einmal mehr als 400 Bäume sein. So wird die Gedenkstätte dann wie eine Narbe sein, die nach einer großen Wunde bleibt. Sie wird zwar mit der Zeit blasser, ist vielleicht kaum noch in ihrer Umgebung zu sehen, aber sie verschwindet nie ganz und hält die Erinnerung wach.
Doch schon vorher war das gesamte Gelände am Ground Zero herum eine richtige Touristenattratkion. Tausende Touristen zieht es täglich zu der gewaltigen Baustelle. Dort entstehen mehrere Hochhäuser und das neue One World Trade Center, das vermutlich in zwei Jahren fertig sein wird. Weitere Bürogebäude und auch ein neuer Nahverkehrsterminal sind wie das Museum zur Gedenkstätte noch im Bau. Mehrere Subway-Stationen in der Umgebung werden gerade renoviert. Gerade erst ausgehoben wird die Grube für ein Hochhaus, das an der Stelle des früheren Hauses der Deutschen Bank entstehen soll. Es war bei dem Einsturz des WTC schwer beschädigt worden und wurde erst in diesem Frühjahr abgerissen. Wer wissen will, wie alles einmal aussehen soll, der geht am besten zum Memorial Preview Site, einem kleinen Laden in der Vesey Street.
Direkt am Bauzaun in der Greenwich Street befindet sich ein riesiges Bronzerelief, das an die 343 Feuerwehrleute erinnert, die bei dem Einsatz am 11. September ums Leben kamen. Das Relief wurde von einer Anwaltskanzlei gestiftet. Einer ihrer Mitarbeiter war ein freiwilliger Feuerwehrmann, der bei den Rettungsarbeiten mithalf und beim Einsturz des Südturms ums Leben kam. An ihn erinnert eine Bronzeplakette direkt neben dem Feuerwehr-Relief.
Direkt hinter dem World Financial Center, neben dem kleinen Bootshafen, liegt das Denkmal für die in New York im Einsatz getöteten Polizisten. Dort wurden auch die Namen der Beamten eingraviert, die am 11. September ums Leben kamen.
Erinnerungen vor allem an den Einsatz von Polizei und Feuerwehr finden sich auch in der St. Paul's Chapel. Sie stammt aus dem Jahr 1766, ist eines der ältesten überhaupt in New York erhaltenen Gebäude und überstand wie durch ein Wunder den Einsturz der beiden Türme. Bis Mai 2002 waren von hier aus Freiwillige im Einsatz, um den Arbeitern, die die Trümmer bargen, Beistand zu leisten. In der Kirche erinnern unter anderem zahlreiche Uniformstücke und Flaggen an die Arbeit. Die Ausstellung nennt sich «Unwavering Spirit» (Standhafter Geist).
Um die Ecke nur wenige Meter entfernt findet man in der Liberty Street das Tribute WTC Visitor Center. Es ist bis zur Eröffnung der einzige Ort mit einer größeren Ausstellung zum 11. September. Das Zentrum bietet auch Führungen an, auf denen man einen sehr persönlichen Eindruck von dem bekommt, was sich am Ground Zero ereignet hat. In den Führungen berichten Angehörige, Freunde und Kollegen der Opfer über ihre Erlebnisse an diesem Tag.
Einen Ort der Ruhe, an dem ebenfalls an 9/11 erinnert wird, befindet sich im Erdgeschoss des American-Express-Turms im World Financial Center. «Elf Tränen» (Eleven Tears) erinnert an die elf Mitarbeiter von American Express, die am 11. September getötet wurden. Es besteht aus einem elfeckigen Wasserbecken aus Granit, in das elf Wassertropfen fallen. In der Mitte hängt an elf dünnen Drähten ein fast 300 Kilogramm schwerer, elfseitiger Quartzstein. Im Vergleich zum Trubel rund um die Baustelle, ist hier ein Ort der Ruhe.
In der Nähe der Pearl Street erinnert der British Garden auf dem Hanover Square an die 67 Briten, die ums Leben kamen. Königin Elizabeth II. eröffnete ihn feierlich im Juli vergangenen Jahres.
Einer der Hauptgründe für den Besuch des Stadtteils Lower Manhattan ist oft die Erinnerung an den 11. September 2001. Geht man nur ein oder zwei Straßen weiter, dann ist man wieder voll im New Yorker Leben. Viele neue Hotels, Restaurants und Geschäfte haben inzwischen aufgemacht. Gab es vor den Anschlägen hier sechs Hotels mit 2.300 Betten, so sind es nun 18 mit mehr als 4.000. Von den 50 Millionen Besuchern, die jedes Jahr nach New York kommen, besuchen rund neun Millionen Lower Manhattan. «Das ist im Moment eine großartige Zeit für Lower Manhattan», sagt George Fertitta, der Chef von NYC & Company, dem Tourismusarm der Stadt. Sehenswert ist beispielsweise die neu gestaltete Uferpromenade am Hudson River, die sich bis zum Battery Park an der Südspitze hinunter zieht. Hier laden immer wieder schattige Plätze und Cafés zum verweilen ein. So kann man sich auch gut von einem Ausflug durch die nahegelegene Wall Street erholen. dapd
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