Montag, 25. September 2017

26. März 2009 09:51 Uhr

Digitale Gesellschaft

re:publica: "Das Internet ist nicht böse"

Bürgerjournalismus, Blogs, Twitter: Bei der re:publica in Berlin diskutieren 1400 Netzbewohner über die neue digitale Gesellschaft. Für Veranstalter Markus Beckedahl ist die Botschaft klar: "Das Internet ist nicht böse". Von Sascha Borowski

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Markus Beckedahl ist Mitorganisator der re:publica in Berlin.

Bürgerjournalismus, Blogs, Twitter: Die Medienwelt verändert sich. Beider re:publica in Berlin diskutieren ab Mittwoch Netzbewohner über die neue digitale Gesellschaft. Für VeranstalterMarkus Beckedahl (32) ist die Botschaft klar: "Das Internet ist nicht böse".

Augsburger Allgemeine: Die erste re:publica vor zwei Jahren war ein Blogger-Kongress. Was ist sie heute?

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Beckedahl: Vor allem ist sie größer. Wir haben dieses Jahr 1400 Besucher, doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Und die Teilnehmer haben sich ausdifferenziert. Die einen bloggen, andere Twittern, viele interessieren sich einfach für die Fragestellungen der heutigen digitalen Gesellschaft.

Augsburger Allgemeine: Welche Fragen sind das?

Beckedahl: Wie kann man dem Medienwandel etwas Positives abgewinnen? Wie verändert sich Politik durch das Internet - öffnet sie sich oder nutzt sie das Medium vor allem für Marketing und Werbung? Ebenfalls spannend: Brauchen wir eine neue Ethik für das Internet?

Augsburger Allgemeine: Und, brauchen wir eine neue Ethik?

Beckedahl: In Deutschland wird leider immer nur über die Risiken des Internets diskutiert: Computerspiele sind böse. Soziale Netzwerke sind böse. Aus dieser Hysterie müssen wir herauskommen. Denn das Internet selbst ist neutral. Wir sollten endlich lernen, offen an dieses Medium heranzugehen.

Augsburger Allgemeine: Warum funktioniert das nicht?

Beckedahl: Es funktioniert in Teilen schon sehr gut. Viele Menschen haben das Internet längst in ihr Leben integriert, nutzen es und ziehen ihre Vorteile daraus. Das Internet wird vor allem von denjenigen verteufelt, die sich gar nicht darin bewegen. Und das dürfte vor allem an der Verunsicherung dieser Menschen liegen. Wir müssen sie dazu bringen, diese Ängste zu überwinden.

Augsburger Allgemeine: Das klingt danach, als sei die re:publica eine große Werbeveranstaltung für das Internet.

Beckedahl: Eine Werbeveranstaltung? Ja. Wir feiern das Internet, die neuen Kommunikationsräume, die uns das Medium gibt.

Augsburger Allgemeine: Auch traditionelle Medienhäuser setzen zunehmend auf Bürgerjournalismus und nutzergenerierte Inhalte. Ist dieser Weg richtig?

Beckedahl: Ja. Die Qualitätsmedien tun gut daran, sich mit neuen Geschäftsmodellen auszustatten.

Augsburger Allgemeine: Und die liegen in Communities und Bürgerjournalisten?

Beckedahl: Der Bürgerjournalismus wird den Qualitätsjournalismus nicht besiegen. Aber beides kann sich prima ergänzen. Ich glaube, dass Verlage, die Communities nutzen und Nutzer in ihre aktiven Prozesse einbinden, für die Zukunft richtig aufgestellt sind.

Auch der Gründer der Wikipedia kommt

Augsburger Allgemeine: Die re:publica wird drei Tage dauern. Was sind die Höhepunkte?

Beckedahl: Wir haben viele spannende Themen. Ich persönlich freue mich sehr auf die Vorträge von Lawrence Lessig, dem Gründer von Creative Commons, und Jimbo Wales, dem Gründer dem Wikipedia. Spannend wird sicher auch das Referat von moot, dem Gründer der Community 4chan.org, Er ist zum ersten Mal überhaupt in Europa.

Augsburger Allgemeine: Im ersten Jahr der re:publica hatte man das Gefühl, da treffe ein etwas elitärer Zirkel von Bloggern zusammen, die sich alle kennen. Geht das bei 1400 Besuchern auch noch?

Beckedahl: Ganz klar, dass man bei 1400 Besucher nicht mehr jeden kennen kann. Trotzdem nutzen viele Besucher die re:publica, um Menschen zu treffen, mit denen man bisher nur virtuell befreundet war. In Berlin werden sie dann ganz real ein Bier zusammen trinken gehen.

Das Interview führte Sascha Borowski.

Die re:publica (im Netz: www.re-publica.de) findet vom 1. bis 3. April in Berlin statt. Der vorverkauf ist abgeschlossen. Tageskarten gibt es an den Veranstaltungstagen am Einlass.

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