Die Eltern der Gemeinschaft hatten sich über vier Jahre lang aus "religiösen Gewissensgründen" gegen die staatliche Schulpflicht gewehrt. Auch die zwangsweise Einschulung der Kinder durch Polizeikräfte, Zwangs- und Bußgeldbescheide über 130.000 Euro und zuletzt eine zweiwöchige Beugehaft der betroffenen Väter hatte den Widerstand der Eltern nicht brechen können.
Daraufhin war im Februar ein Kompromiss zwischen staatlicher Schulaufsicht und der Glaubensgemeinschaft geschlossen worden, die jegliche Sexualkunde und die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie als "unmoralisch" ablehnt.
Das Kultusministerium hat nun für die "private Ergänzungsschule" der Glaubensgemeinschaft einen Lehrplan festgelegt, in dem die Sexualkunde fehlt und statt eines Religionsunterrichtes ein Ethikunterricht angeboten wird. Zwei Lehrer aus den Reihen der Gemeinschaft müssen sich noch durch pädagogische Eignungstest für die Grund- und Hauptschule nachqualifizieren. "Uns ging es mit dem Kompromiss vorrangig darum, das Recht der Kinder auf Bildung zu schützen", sagte der Ministeriumssprecher.
Die Form des gebilligten Eigenunterrichts in Klosterzimmern sei eine "Notlösung". Es sei bedauerlich, dass die betroffenen Kinder keinen Kontakt zu einem sozialen oder kulturellen Umfeld hätten. Sie haben aber die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss extern zu absolvieren. "Wir werden ein sehr wachsames Auge auf das Projekt haben", sagte Rößle. Die staatliche Schulbehörde kann jederzeit die Privatschule betreten und Lernstandskontrollen vornehmen.
Die Grünen im Landtag hatten den Kompromiss kritisiert und erklärt, es sei nicht im Interesse der Kinder, dass der Staat für eine "fragwürdige Glaubensgemeinschaft" Freiräume schafft, in denen die Kinder der allgemeinen Schulpflicht entzogen würden. Dazu hieß es aus dem Kultusministerium, Polizeivorführungen und Beugehaft führten dauerhaft nicht zu einem Lernerfolg bei den Kindern. Aus diese "Zwangslage" sei es zu dem Kompromiss gekommen.