Donnerstag, 23. Mai 2013

10. Mai 2012 20:14 Uhr

Entwicklung in der Region

Urnen bevorzugt: Interesse an Sargbestattungen sinkt

Erstmals sind in Deutschland mehr Menschen in einer Urne als in einem Sarg beigesetzt worden. Die Bestatter in der Region kennen die Gründe für diesen Trend. Und sie reagieren. Von Anna Högg

„Wir hatten im letzten Jahr zum ersten Mal knapp mehr Feuerbestattungen als Erdbestattungen“, sagt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, Oliver Wirthmann, in Düsseldorf.

Die Zahl der Urnenbeisetzungen ist in der Region gestiegen

Auch die Bestattungsdienste in der Region bemerken den Trend zur Urne. Insgesamt ist die Zahl der Urnenbeisetzung überall gestiegen.

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„Allein in Landsberg sind fast 60% der Bestattungen Feuerbestattungen“, teilt der Bestattungsdienst Hohenadl mit. In den Ortschaften um Landsberg liege der Anteil der Urnenbeisetzungen inzwischen bei 30 bis 40 Prozent. Tendenz weiter steigend.

Die Gründe für eine Urnenbeisetzung sind überall ähnlich

Dabei entscheiden sich nicht nur die Angehörigen junger Verstorbener für eine Feuerbestattung, auch viele ältere Menschen äußern vor ihrem Tod den Wunsch, in einer Urne beigesetzt zu werden.

Die Gründe hierfür sind in Neu-Ulm, Augsburg und Landsberg ähnlich: Wer übernimmt die Grabpflege? Kinder und andere Angehörige wohnen oft zu weit von dem Verstorbenen entfernt, um das Grab drei Mal im Jahr neu zu bepflanzen, im Sommer täglich zu gießen, im Herbst vom Laub zu befreien und das ganze Jahr über für Grablichter und Weihwasser zu sorgen. Einen Gärtner zu bestellen, ist vielen Angehörigen auf Dauer zu teuer. Außerdem bieten immer weniger Gärtnereien diesen Dienst an. „Da ist die Urne einfach praktischer“, weiß man im Bestattungsinstitut Hohenadl in Landsberg aus Erfahrung.

Die Urne wird den Wünschen entsprechend in eine Urnennische gestellt oder unter einem Baum bestattet. Auch die Bestattung in einem Erdgrab ist möglich. Wenn die Graböffnung und –schließung durch das Bestattungsunternehmen wegfällt, ist die Urnenbeisetzung auch günstiger. Bei einer Baumbestattung braucht man keinen Steinmetz zu bezahlen, der den Grabstein und die Grabeinfassung herstellt. Statt großem Grabschmuck auf dem Erdgrab reichen schlichte Blumen an der Urnenwand.

Friedhöfe und Bestatter stehen vor neuen Herausforderungen

Die Folge der steigenden Zahl der Urnenbeisetzungen sind leere Gräber. Acht Urnen passen in etwa auf den Platz eines Sarges. Aus den vormaligen Sargplätzen werden im Westfriedhof in Augsburg nun zunehmend Urnenstätten. Seit drei Jahren gibt es dort außerdem einen Naturfriedhof, auf dem eine Baumbestattung möglich ist. Oft werden im Westfriedhof seitdem Urnen unter einem Baum begraben, denn der Naturfriedhof ist sehr gefragt. In Neu-Ulm werden Urnenbeisetzungen ebenfalls immer beliebter, dort wird gerade die dritte Urnenwand gebaut. Eine Möglichkeit zur (anonymen) Baumbestattung, wie es sie in Ulm bereits gibt, ist dort aber wohl noch nicht geplant.

Nicht nur auf die Friedhöfe kommen durch diese Entwicklung viele neue Herausforderungen zu. Auch die Bestatter müssen umdenken. "Man wird offener", sagt die Leiterin des Bestattungsinstituts Friede in Ausburg. Es ist nicht ganz einfach, eine Trauerfeier würdig zu gestalten, wenn statt des gewohntes Sargs plötzlich eine kleine Urne im Mittelpunkt steht. Spezielle Urnendeko und ein Foto des Verstorbenen in der Trauerhalle, erklärt sie, helfen den Trauernden, einen Bezug zur Urne herzustellen. Letztlich spielt es keine Rolle, wie ein Mensch am Ende seines Lebens bestattet wird. Wichtig ist nur, dass den Angehörigen die Möglichkeit gegeben wird, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. (mit dpa)

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