Montag, 11. Dezember 2017

19. Oktober 2013 15:00 Uhr

Königsbrunn

2108 Meilen zu Fuß, immer Richtung Kanada

Josef Heirich wanderte über 3500 Kilometer auf dem Appalachian Trail. Als „Running Shoe“, so sein Trailname, traf er dabei einige Schlangen, viele Moskitos und ein paar „Trail Angels“

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Lange Wege sind die Leidenschaft von Josef Heirich. Die lebt der 65-Jährige schon seit Langem aus, in früheren Jahren als Marathonläufer – zum 50. Geburtstag gönnte er sich das Massenspektakel in New York City. Vielleicht hat Heirich aus dieser Zeit noch den Ehrgeiz, eine Strecke immer möglichst flott zu bewältigen.

Die Menschen, denen er jetzt auf dem Appalachian Trail im Osten der USA begegnete, müssen das gespürt haben. „Schnell hatte ich den Spitznamen ,Running Shoe‘ weg“, erzählt Josef Heirich. Solche „Trail-namen“ geben sich die Wanderer gegenseitig, die sich auf dem 3500 Kilometer langen Pfad immer wieder auf den kleinen Zeltplätzen oder in Biwakhütten treffen.

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131 Tage war Heirich unterwegs, nur mit wenigen Ruhetagen – kein Spaziergang im Wald, wie es bescheiden das Buch „A Walk in the Woods“ vermuten lässt, das ihm Lust machte auf einen der längsten Weitwanderwege der Welt.

Er ist da schon fast ein Profi. 2006 ging es von seiner Haustüre nach Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien, über den berühmten Jakobsweg. Seitdem absolviert er jedes Jahr (mindestens) eine Weitwanderung. Unsere Zeitung hat wiederholt darüber berichtet.

Heuer also die USA. Am 10. April flog Heirich nach Atlanta (Georgia) und ließ sich von einem Dienstleister zum Start fahren: 8,5 Meilen zum Springer Mountain – und von dort 2108,5 Meilen zum Mount Katahdin im Bundesstaat Maine. Von dessen felsiger Spitze kann man nach Kanada blicken.

Bis Heirich am 24. August dort oben stand, hat er viel erlebt und vieles überstanden. In den ersten Wochen, so berichtet er freimütig, dachte er mehrmals ans Aufgeben. Es regnete viel, die Temperatur lag oft nur wenig über null Grad. „Morgens musste ich in feuchte Klamotten, erst nach einer Stunde Laufen wurde es mir langsam warm.“

Heirich hielt durch – vielleicht nur, weil er in Tennessee einen Freund treffen wollte, mit dem er Mitte der 1950er Jahre in Burlafingen die Schulbank gedrückt hatte. Der nahm ihn zwei Tage mit auf Tour mit seinem Lkw.

Das Wetter wurde wärmer – aber die Freude darüber war kurz. Nun mussten die Wanderer den Trail mit Abermillionen von Moskitos teilen. „Drei Arten konnte ich unterscheiden – am schlimmsten waren die Kleinen, die man gar nicht hörte.“ Ohne einen Hut mit feinem Netz um Gesicht und Hals wäre er geflohen. Für den Rest des Körpers gab es Lotion – die oft heftigen Wirkstoffe nahm Heirich gern in Kauf.

Andere wilde Tiere sah er nur aus der Ferne: drei Mal Schwarzbären und einmal einen Elch. Auch Schlangen kreuzten seinen Weg, ab und zu in kurzem Abstand. Eine sehr giftige „Copperhead“ beförderte Heirich einmal auf seinen Wanderstöcken aus dem Lager.

Der Appalachian Trail bietet viel Natur, aber sehr viel weniger Kultur, als Heirich sie auf seinen europäischen Wanderungen – etwa von Canterbury nach Rom – erlebt hat. Im Gedächtnis bleiben da Mitwanderer, die er über Wochen hinweg immer wieder an den Rastplätzen traf. Da waren auch sehr lockere Typen dabei. „Mehr als einmal wurde mir auf einer Rast ein Joint angeboten.“

Heirich erzählt von zwei jungen Amerikanern, die Dinnerjacket, Hose, Hemd und Krawatte im Rucksack hatten und ab und zu aus Jux überstreiften. Oder von „Smiley“, dem Engländer, der eine Seilschaukel mittrug, die er „just for fun“ an einen Ast hing.

Beeindruckt haben Josef Heirich auch die „Trail Angels“, freundliche Anwohner, die Wanderern Getränke und Snacks anbieten oder, wie eine Frau in Hanover, New Hampshire, ihnen kostenlos Küche und Wohnwagen überlassen.

Das Buch „A Walk in the Woods: Rediscovering America on the Appalachian Trail“ von Bill Bryson (1997), auf Deutsch „Picknick mit Bären“ (1999, ISBN 3-442-44395-4).

Heirichs Blog

unter zufussgehen.wordpress.com

Hier finden Sie noch viel mehr Bilder von Josef Heirichs Trail-Abenteuer.

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