Doris Wiedemann aus Schwabmühlhausen ist eine Frau, die das Extreme sucht. Die 43-Jährige ist mit dem Motorrad durch Alaska gefahren.



Sie war nach eigenen Angaben die erste Frau, die diese Reise mit dem Motorrad übernommen hat – und das auch noch im Winter. Doris Wiedemann aus Schwabmühlhausen hatte sich 2009 zusammen mit dem Niederländer Sjaak Lucassen und ihrem Motorrad auf den Weg von Key West in Florida, dem südlichsten Punkt der USA, bis zur Prudhoe-Bay an der Eismeerküste von Alaska gemacht.
Für Doris Wiedemann ein unvergessliches Erlebnis: „Die Eiswüste ist strahlend, funkelnd und einfach irre.“ Jetzt hat die 43-Jährige ein Buch über ihre Reise und die vielen Begegnungen geschrieben. Sie nimmt die Leser mit auf die Route bis nach Deathhorse, dem Ende des Dalton Highways in Nordalaska.
Russland, China, Afrika und Australien hatte die Abenteuerin schon mit dem Motorrad bereist – und zwar ganz allein. Doch in die Eiseskälte Alaskas wagte sie sich nur mit Begleitung. Und das war auch gut so. „Man glaubt nicht, wie lethargisch man in der Kälte wird und wie viel Energie sie einem raubt“, sagt sie zurückblickend. Ihren Begleiter Lucassen hatte Wiedemann bei einer vorangegangenen Tour kennengelernt.
Die unglaubliche Weite und die traumhaften Winterlandschaften, die eine viel größere Dimension hätten als die in Deutschland, haben Doris Wiedemann schon immer fasziniert. Schon bei einer ersten Motorradtour durch die USA war sie von dem Land begeistert. Jetzt suchte die Schwabmühlhauserin eine ganz besondere Herausforderung: „Einen so großen Temperaturunterschied auf so kurzer Strecke gibt es nur in den USA.“ Den wollte sie erleben. Und nicht nur das: „Ich wollte herausfinden, ob man bei trockener Kälte wirklich weniger friert, als bei feuchtem Schmuddelwetter“, sagt sie mit einem Schmunzeln. „Und ja, es stimmt.“ Bis zu minus 30 Grad mussten die beiden Motorradfahrer auf ihrer Tour aushalten. Über die vereiste Straße bretterten sie mit 80 Kilometern pro Stunde. Das funktionierte nur, weil sie kleine Schrauben in ihre Reifen gedreht und sich so Spikes gebastelt hatten, die ihnen Halt auf dem Eis gaben.
In ihrer Kleidung war eine Sicherung durchgebrannt
An ihre Grenzen kamen die beiden Abenteurer nur einmal, auf der letzten Etappe während eines Schneesturms. „Das hätte lebensgefährlich werden können. Der Wind ist fies, wenn er eiskalt ist“, sagt Wiedemann. Gegen die Kälte half vor allem die elektronisch beheizte Kleidung, die sich Wiedemann extra angeschafft hatte. Während einer Etappe funktionierte die aber nicht, da eine Sicherung durchgebrannt war. Wiedemann kämpfte gegen die Kälte, indem sie ihre Muskel anspannte und sich, so weit es ging, auf dem Motorrad bewegte – es half.
Auf ihrer Reise war es jedoch nicht immer kalt, die beiden erlebten auch den Frühling in den Everglades im Süden der USA. Sie hielten am Grand Canyon und besuchten im Wilden Westen die erfahrenen Motorradfahrer Dave Barr und Ted Simon.
In ihrem Buch „Winterreise nach Alaska“ beschreibt Wiedemann all ihre Erlebnisse sehr mitreißend. Sie versucht, die unbeschreiblichen Erfahrungen und Eindrücke in Worte zu fassen. Es wird bestimmt nicht ihr letztes Buch sein. Denn das nächste Abenteuer ist schon geplant. Die 43-Jährige möchte die Türkei und den Iran erkunden und dabei den Islam kennenlernen. Ein genauer Termin steht nicht fest. Sicher ist, dass sie wieder mit dem Motorrad und alleine verreisen wird. So habe man die besten Begegnungen mit Einheimischen, meint Wiedemann.
Auch eine erneute Tour nach Alaska reizt die Schwabmühlhauserin. „Am liebsten wieder im Winter, da gibt es keine Moskitos“, sagt sie. Wer schließlich einmal gefühlte minus 50 Grad überstanden hat, den kann in der Heimat so schnell nichts erschüttern. „Beim ersten Winter in Deutschland hat es mich gar nicht gefroren, ich war abgehärtet“, sagt die Motorradfahrerin.
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