Die palästinensische Autorin und Botanik-Professorin Dr. Sumaya Farhat-Naser, Friedensfrau und Brückenbauerin auf zwischenmenschlicher Ebene, kam nach Königsbrunn um ihr neues Buch vorzustellen - und viele kamen, um sie zu hören.

150 Zuhörer lauschten so gebannt den Erzählungen der engagierten Schriftstellerin, die im Jahr 2000 mit dem Friedenspreis der Stadt Augsburg ausgezeichnet wurde, dass sie am Ende in absoluter Stille verharrten. Eine gefühlte kleine Ewigkeit dauerte es, bis die Gäste nach dem letzten Wort der Autorin mit langanhaltendem Applaus die Spannung lösten.
In ihrem neuesten Werk schildert Farhat-Naser in Tagebuchform ihr Leben in Birseit, 30 Kilometer nördlich von Jerusalem. Ihr Alltag ist geprägt von der Willkür der Besatzungsmacht, von stationären und "fliegenden" Checkpoints. Sie erzählt aber auch von mutmachenden Begegnungen mit Schriftstellerinnen, Botanik-Kolleginnen und Grenzsoldaten, die die Frau mit einem Lächeln passieren lassen.
Die Schule, an der Sumaya Farhat-Naser Seminare zur gewaltfreien Auseinandersetzung hält, ist 40 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Eine Strecke, die man gut in 40 Minuten bewältigen könnte. Doch durch aufgezwungene Umwege und unzählige Checkpoints dauert die Fahrt drei bis vier Stunden. "Wenn man viel Glück hat, passiert man einen Checkpoint in zehn Minuten. Hat man weniger Glück, dauert es eine Stunde. Und hat man gar kein Glück, so muss man wieder umkehren", erzählt die Professorin.
Farhat-Nasers Tagebuch beginnt am 11. Juni 2006 - ihrem Geburtstag - und endet im März 2007. In dieser Zeit kam ihr späterer Schwiegersohn aus zweijähriger Gefangenschaft zurück. Die ihm freudig gereichten Hände mochte er nicht schütteln, er umarmte seine Freunde und Verwandte lieber: Im Gefängnis wurden seine Hände lange Zeit fest mit Klebeband umwickelt, so dass sich die Finger geschwollen krümmten. Äußerlich war nichts zu sehen, aber der Schmerz blieb.
Aber es gibt auch immer wieder schöne und befreiende Tage: Begeistert weiht sie die Zuhörer in das Geheimnis des Kaktusfeigen-Pflückens ein: Eine Tätigkeit, die intensive Wahrnehmung, Selbstdisziplin und Selbstvertrauen fördert. Spitz und gefährlich sind die Dornen an Strauch und Frucht. Der Untergrund ist steinig und gibt oft nur wenig Halt, zudem verstecken sich Schlangen und Skorpione unter den Sträuchern.
Sumaya Farhat-Naser führt ein Leben, das aus europäischer Sicht nur schwer zu ertragen ist. Auf Einladung des Weltladen-Teams, mit dem sie seit Jahren freundschaftlich verbunden ist, kam sie nun zum zweiten Mal zu einer Lesung nach Königsbrunn.
Die Autorin schreibt ihre Bücher in deutscher Sprache und wirbt hier für Akzeptanz und ihre Friedensarbeit. "Nehmen Sie uns Friedensleute wahr. Geben Sie uns ein Forum und ermutigen Sie andere, es auch zu tun", lautete ihre Antwort auf die Frage, wie wir in Deutschland ihr helfen könnten.
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