Die Erörterung zum geplanten Heizkraftwerk der Firma Lang in Ettringen hat in Mindelheim ihr Ende gefunden. Acht Tage lang waren alle Facetten rund um die Anlage debattiert worden. Sobald alle Protokolle vorliegen, sollen sie im Internet veröffentlicht werden.
Mindelheim/Ettringen (jsto) - Die Erörterung zum geplanten Heizkraftwerk der Firma Lang in Ettringen hat gestern in Mindelheim ihr Ende gefunden. Acht Tage lang waren alle Facetten rund um die Anlage debattiert worden - von Verkehrsfragen, dem Baurecht, dem Brennstoffeinsatz, über Gesundheitsfragen, Luftreinhaltung, Bodenbelastung, bis hin zu Lärmfragen und dem Gewässerschutz. Jede Wortmeldung ist aufgezeichnet worden. In den nächsten Wochen wird davon erst einmal eine schriftliche Fassung angelegt. Sobald alle Protokolle vorliegen, sollen sie im Internet veröffentlicht werden, kündigte Oberregierungsrätin Doris Back an, die den Erörterungstermin geleitet hat. Der Werkleiter der Firma Lang, Dr. Thomas Krauthauf, rechnet mit einer Entscheidung der Behörden bis zum Oktober.
Für den Verein "Gesundes Wertachtal" appellierte Dr. Joachim Herbold an die Entscheider, Ermessensspielräume zu nutzen. Wesentliche Kritikpunkte der Bürgerinitiative seien auch in der Erörterung nicht geklärt worden. Herbold nannte sieben Punkte:
l Die Vorbelastungen seien nicht angemessen berücksichtigt worden.
l Unzumutbar und nicht ökologisch sei es, Klärschlamm, Ersatzbrennstoffe von weit her zu fahren.
l Die Rauchgasreinigung sei unzureichend und "entspricht nicht den technischen Möglichkeiten".
l Die Messung der Immissionen sei unzureichend.
l Die Belastung durch den Lkw-Verkehr sei unzumutbar.
l Die Bevölkerung müsse mit "substantiellen Entwertungen" ihrer Immobilien rechnen.
l Die Auswirkungen für den Tourismus seien verheerend, insbesondere für Bad Wörishofen.
Der Widerstand werde weiter gehen, kündigte Herbold an. Für das Image der Firma Lang werde das verheerend sein. Hartmut Scheller überreichte der von Vertretern der Bürgerinitiative immer wieder attackierten Verhandlungsleiterin Doris Back einen kleinen Kaktus.
Für die Firma Lang fand deren Rechtsvertreter Wolf-Friedrich Spieth versöhnliche Töne. Man sei in vielen Punkten nicht einer Meinung und nicht alle Angriffe seien angemessen gewesen. Gleichwohl dankte Spieth für die sachliche Form der Auseinandersetzung. Die Stunden davor war es nicht immer so friedlich zugegangen.
Sorge um Biotope
Thematisch drehte sich die Debatte um Natur- und Landschaftsschutz. Auch der Bund Naturschutz, vertreten durch den Kreisvorsitzenden des Unterallgäus, Reiner Krieg, forderte eine artenschutzrechliche Prüfung. Er wies auf Biotope hin, die sich in der Nähe der Firma befänden. Darunter seien besonders schützenswerte Ökosysteme wie die Wertachaue und Reste des Niedermoors "Goldene Weide" westlich von Gennach. Ferner ein ausgedehntes Wiesenbrütergebiet und etwas weiter entfernt der "Angelberger Forst". In diesen Biotopen kämen zahlreiche stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten vor. Norbert Suritsch vom Planungsbüro Müller BBM, das für Lang tätig ist, appellierte an den gesunden Menschenverstand. Bei Lang handele es sich um einen gewachsenen Industriestandort. Er könnte die Kritik verstehen, wenn es sich um grüne Wiesen handelte.
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