Wilfried Adler und seine Frau Maya hatten einen Traum: im Wohnmobil durch Südamerika. Jetzt ist der pensionierte Gymnasiallehrer zurück - und berichtet von seiner Reise.



Nach der Pensionierung macht sich Wilfried Adler, jahrelang Lehrer am Gymnasium Königsbrunn, mit seiner Frau Maya auf, einen Traum zu leben. Hier berichtet er von seiner Reise.
Königsbrunn Schlingernd und recht gemächlich rattert die Schmalspurbahn durch das enge Tal des Rio Urubamba nach Aguas Calientes, dem Basisort von Machu Picchu. Schon seit Jahren steht die legendäre Inka-Siedlung in Peru ganz oben auf unserer Wunschliste. Eine Nacht im Hotel, am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, der erste Bus fährt um halb sechs. Es ist noch dunkel, Nebel hängt in den Bergen.
Bald kommt die Sonne hoch, der Dunst löst sich langsam auf, der erste Blick auf die Ruinen. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hinschauen oder fotografieren soll. Vom Wayna Picchu, dem markanten Berg im Hintergrund, ist der Eindruck am gewaltigsten. Etliche Stunden laufen wir treppauf, treppab durch die Anlage, bis wir die Rückfahrt antreten müssen. Im Zug wirbeln uns die Eindrücke durch den Kopf. Wieder ist ein Traum lebendig geworden.
Zurück in Cusco sehe ich im Tagebuch das Datum - tatsächlich schon der 29. April 2009. Ich denke zurück. Am 9. November 2008 sind wir nach 34 Tagen Seereise auf einem Frachter mit unserem Auto in Buenos Aires angekommen. "Ist dir eigentlich klar, dass wir schon bald sechs Monate unterwegs sind", frage ich meine Frau. Maya überlegt kurz: "Und was haben wir da alles gesehen!" Die Fahrt links und rechts der Ruta 3 von Buenos Aires hinunter nach Feuerland. Berge wie die Torres del Paine oder den Fitzroy. Die Landschaft an der Carretera austral. Und die Raftingtour auf dem Rio Futaleufú! Zwei harte Stunden.
Und das "Café Aleman Augsburg" im Süden Chiles. Der Oberhauser Dialekt der Familie Spahn erinnert uns an daheim. Die Fahrten über die 4800 Meter hohen Pässe. Rückblickend kommen wir richtig ins Schwärmen. Die Piste zum Salar de Sourire, die Tage auf der Osterinsel, der Flug über die Linien von Nasca. Und, und, und.
Klare Luft, helles Licht und Wolkenfetzen
Cusco ist die erste Stadt in Südamerika, die uns von Anfang an gefällt - die Plaza mit den mächtigen Kirchen, die Reste der Inkamauern in den Sockeln der Gebäude, die Menschen, die Landschaft. Wir bleiben eine Woche. Weiter nach Süden zum Titicacasee, auf 3800 Meter. Natürlich besuchen wir auch die Uros auf den Schilfinseln. Ihre Kultur wird nur noch durch die Besucher erhalten, ein positiver Aspekt des Tourismus. Die Ausblicke über den See auf 6000 Meter hohe Gipfel sind fantastisch. Die Fotos bei klarer Luft, hellem Licht und Wolkenfetzen gleichen Aquarellen. Im Süden des Sees, am Wallfahrtsort Copacabana, kommen wir nach Bolivien.
La Paz ist die Stadt mit der verrückten Geografie. Die Vorstadt El Alto lieg auf 4100 Metern, dann kippt die Stadtautobahn in den Kessel hinein, die guten Adressen liegen 900 Meter tiefer. Beim Hotel Oberland, das ein Schweizer leitet, campieren wir drei Nächte im Hof und genießen europäischen Komfort.
Unseren Höhenrekord mit 5262 Meter erreichen wir am Chacaltaya. Der Common-Rail-Diesel meistert auch das, ohne zu qualmen. Unser Kreislauf macht uns zum Glück auch keine Probleme. Danach geht es wieder über den Altiplano nach Süden zum Salar de Uyuni. Zur Kakteeninsel Incahuasi fährt man die 80 Kilometer auf der glatten Salzfläche im Autobahntempo dahin, vom GPS geführt. Die Strukturen des blendend weißen, kristallisierten Salzes faszinieren.
Wir verlassen die Anden, die uns über sechs Monaten hinweg wunderbare Landschaften geboten haben, auf der Fahrt ins Tiefland nach Santa Cruz. Noch 750 Kilometer, davon zwei Drittel Piste durch den Urwald, sind es zur Grenze nach Brasilien bei San Matias.
Dann die Fahrt im Pantanal, wir sehen viele Krokodile. Und plötzlich ein Schatten, Maya reißt den Fotoapparat hoch: "Mensch, das war ein Jaguar, toll!" In Uruguay beim Thermalbad Arapey hören wir deutsche Stimmen, eindeutig keine Touris. "Wir leben in El Ombú, besuchen Sie uns doch. Unser Dorf ist eine Gründung deutscher Mennoniten nach dem Zweiten Weltkrieg." Einige Tage später werden wir dort von weltoffenen Menschen herzlich begrüßt.
Am 16. Juli 2009 nimmt uns ein Frachter von Buenos Aires zurück nach Europa. Es war nicht nur eine Reise, es war ein mit unvergesslichen Erlebnissen und Eindrücken dicht gepackter Lebensabschnitt.
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