Wird ein Teil des neuen Heizkraftwerkes der Papierfabrik Lang nun doch auf einem Teil der Altdeponie errichtet? Auch das war Knackfrage bei der Erörterung zum geplanten Müllheizkraftwerk bei Ettringen.
Mindelheim/Ettringen (it) - Wird ein Teil des neuen Heizkraftwerkes der Papierfabrik Lang nun doch auf einem Teil der Altdeponie errichtet? Auch das war Knackfrage bei der Erörterung zum geplanten Müllheizkraftwerk bei Ettringen.
Hartmut Scheller (Untermeitingen) dokumentierte: Neben einem ehemaligen Fußballplatz sei auch eine ehemalige Kiesgrube mit Abfall gefüllt worden. Diese habe man - nach Ansicht Schellers ungenehmigt - abgetragen bis zur Bodenebene. Darauf sollten nun Teile des neuen Heizkraftwerkes errichtet werden. Scheller zweifelt die Standsicherheit der Altdeponie an, befürchtete deren Abrutschen in die Wertach, wenn sie nun durch die Baugrube angeschnitten werde: "Der Neubau greift in den Unterbau der Deponie ein. Die ist ohnehin wie ein Pudding."
Schadstoffe in die Wertach?
Zudem warf er der Papierfabrik vor, Schadstoffe aus der Deponie direkt in die Wertach zu leiten bzw. werde der Deponieboden vom Grundwasser durchströmt. Da dieses Grundwasser teilweise eine Verbindung zum Tiefenwasser habe, werde auch dieses verunreinigt. Betroffen sei unter anderem die Stadt Schwabmünchen, die aufgrund erhöhter Nitratwerte in der Vergangenheit nicht nur einen Tiefbrunnen bauen musste, sondern auch eine Ausweitung ihres Wasserschutzgebietes Richtung Ettringen vorsehen muss.
Anders sehen dies die Antragsteller. Ursprünglich hatte die Firma tatsächlich geplant, auf der ehemaligen Deponie das Heizkraftwerk zu errichten. Dann hatte sie den Standort verlegt, was das Genehmigungsverfahren, das derzeit in der Erörterung läuft, neu aufgerollt hatte. Von diesem neuen Standort, so Martin Heinrich, sei nicht bekannt, dass er als Deponie gedient habe. Dazu sei er auch zu weit entfernt. Bereits beim ersten Plan habe man eine Standsicherheitsuntersuchung der Deponie gemacht. Nun will die Firma diese Prüfung auch für den neuen Standort durchführen. Zudem hätten die Deponie-Untersuchungen vom Mai dieses Jahres ergeben, dass weder der Arsen- noch der Zyanidwert überschritten würden.
Das Wasserwirtschaftsamt Kempten will die Vorwürfe Schellers prüfen lassen. Und das Landratsamt wird die Regierung von Schwaben einschalten, um zu erfahren, ob unter dem neuen Standort eine Deponie war oder ist.
Strittig war auch, ob vom Bunker für Ersatzbrennstoffe (EBS) Gefahr ausgehe. Die Lang-Seite: "Es handelt sich um sortierten, trockenen Abfall. Alle Vorkehrungen zum Schutz des Grundwassers sind gegeben." Behördenvertreter sehen dies ähnlich. Und Diplomgeologe Bosch, der seit über zehn Jahren die Firma Lang hinsichtlich der Brunnen, des Wasserrechtes und der Eigenüberwachung betreut, meinte: "Alle Wasser aus dem Betriebsgelände fließen in die Wertach, Schutzgebiete sind nicht betroffen."
Schwabmünchens Bürgermeister Müller wies darauf hin, dass seine Stadt gezwungen sei, das Schutzgebiet zu erweitern bis zur Gemeinde Lamerdingen: "Damit liegen wir innerhalb des Einzugsbereiches der Anlage. Wir haben nun Sorge, dass über Luftschadstoffe der Stickstoffgehalt unseres Wassers wieder massiv ansteigt und dass eventuell unser Tiefbrunnen durch Schadstoffeinträge beeinflusst werden könnte."
Dem widersprach eine Vertreterin des Wasserwirtschaftsamtes Kempten: "Wenn nichts aus der Anlage heraus kommt, dann fällt auch nichts auf den Boden."
Ein anderes Umwelt-Thema sind Abfälle, Stäube und Asche, die im Heizkraftwerk anfallen: Es geht um sehr große Mengen Metalle, um grobe Bettasche (Sand und Steine), um Kesselasche sowie Filterasche und Reaktionsprodukte. Hinzu kommen Reststoffmengen der Papierfabrik.
Der Gutachter des Vereins Gesundes Wertachtal, Umweltingenieur Peter Gebhardt, beantragte, dass sämtliche Aschen und Stäube mit geschlossenen Silofahrzeugen abtransportiert werden müssen.
Auch der Bauernverband hat eine Reihe von Forderungen aufgestellt (eigener Bericht folgt).
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