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05. Mai 2009 18:55 Uhr

Vortrag von Reuven Moskovitz

Der Mut zu widersprechen

Sich selbst bezeichnet Reuven Moskovitz als einen der "unberühmtesten Menschen in Israel". Friedenspreise, wie der Mount Zion Award oder der Aachener Friedenspreis sprechen indes eine andere Sprache. Er sprach im Evangelischen Gemeindehaus in Schwabmünchen.

Der Mut zu widersprechen
Foto: ALFA

Schwabmünchen (ebbo) - Sich selbst bezeichnet Reuven Moskovitz als einen der "unberühmtesten Menschen in Israel". Friedenspreise, wie der Mount Zion Award oder der Aachener Friedenspreis sprechen indes eine andere Sprache. Moskovitz, 1928 in Nordrumänien geboren und Überlebender des Holocausts, ist vielleicht eher einer der unbequemsten Menschen in Israel, denn er findet klare, manchmal harte Worte für die, wie er sagt "vergiftete" Politik Israels.

Rund 30 Zuhörer lauschten seinem Vortrag im Evangelischen Gemeindehaus in Schwabmünchen. Moskovitz war auf Einladung von Pax Christi und dem Verein Solidarität Eine Welt gekommen.

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Sein Engagement für eine andere Nahostpolitik und für den Frieden hängt eng mit seiner persönlichen Vergangenheit zusammen. Schon als Kind litt er als Jude unter Ausgrenzungen, die schließlich in der Judenverfolgung und dem Holocaust gipfelten. Seine Motivation zieht er aus diesen Erfahrungen: Ich will nicht dulden, dass andere dasselbe durchleiden, wie ich es tun musste."

Mit der Vision, ein liberales und friedliches Israel aufzubauen, wanderte Moskovitz 1947 nach Palästina aus. "Israel", so sagt er "ist ein Land, in dem Milch und Honig fließen könnte, aber es blühen lediglich die Kanonen."

Er war überrascht von der Begegnung mit den Deutschen

Er vergleicht das heutige Israel mit einem Fahrgast, der im Zug in die falsche Richtung unterwegs ist. Bei jeder weiteren Haltestelle schreit der Fahrgast lauter, weil er noch immer falsch fährt - aussteigen allerdings will er nicht, da der Sitz so bequem ist. "Viele Israelis leben heute orgienhaft, wie die Römer in den letzten Tagen, während die Palästinenser unter einer unmenschlichen Besatzung leiden."

Er ist der Meinung, dass "eine politische Trumpfkarte aus der Judenverfolgung gemacht wurde, die für die falschen Entscheidungen genutzt wird."

In den 70er Jahren kam Moskovitz für eine Forschungsarbeit nach Deutschland - und war überrascht von der Begegnung mit den Deutschen, die entgegen seinen Vorstellungen gar nicht kriegerisch waren, sondern nur noch Frieden wünschten. Das Beispiel Deutschland, sagt er, "zeigt, dass man Wohlstand nicht durch Krieg, sondern durch Frieden erreicht. Deutschland hat es geschafft, alle ehemaligen Feinde zu Freunden zu machen. Wir Juden hingegen blicken auf 60 Jahre Pyrrhussiege zurück. Wir laufen heute Gefahr, uns zu Tode zu siegen."

Ein Dorf für Juden und Palästinenser

Dass es auch mit Verständigung funktioniert, sieht man im Dorf Neve Shalom, in dem Juden und Palästinenser friedlich zusammenleben. Moskovitz war einer der Mitgründer dieses Dorfes.

Von der deutschen Regierung wünscht sich Moskovitz eine stärkere Anteilnahme am Friedensprozess. "Deutschland könnte eine wahre Friedensmacht sein. Die Aussöhnung von Juden und Palästinensern wäre die größte Wiedergutmachung, die Deutschland leisten kann."

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