Mittwoch, 17. Januar 2018

13. Januar 2018 05:00 Uhr

Königsbrunn

Die neuen Häuser sind schon voll

128 Wohnungen stellt alleine die GWG in diesem Jahr in Königsbrunn fertig. Dem gegenüber stehen dreieinhalb mal so viele Interessenten. Deren Chancen stehen aber nicht gut.

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Die Gebäude des neuen Kolpingparks an der Föllstraße sollen noch in diesem Jahr bezogen werden.
Foto: Adrian Bauer

Das Thema Wohnen erregt zurzeit immer häufiger die Gemüter. Die Bevölkerung im Großraum Augsburg wächst durch den wirtschaftlichen Erfolg. Damit einher geht eine steigende Nachfrage nach Wohnraum. Königsbrunn ist davon gleich doppelt betroffen: Einerseits suchen viele Menschen nach Bauplätzen für ein Haus, andererseits geht es auf dem Mietwohnungsmarkt immer knapper zu. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen wird es immer schwieriger, eine neue Wohnung zu finden.

Nina Marloth muss ihre Wohnung im Südosten der Stadt Ende März verlassen. Ihr Vermieter hat Eigenbedarf für ihre Wohnung angemeldet und ihr gekündigt. Ein Gericht hat diese Kündigung für rechtens erklärt. „Wenn ich bis Ende März nichts gefunden habe, bin ich obdachlos“, sagt Marloth. Sie arbeitet stundenweise als Busfahrerin, entsprechend variiert ihr Verdienst je nachdem, wie viel sie im Einsatz ist. In den schwächeren Monaten hilft das Jobcenter aus. Wohngeld zu beantragen, würde sich für sie nicht lohnen, das hat sie schon ausrechnen lassen.

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„Wer seine Miete zahlt, kann bleiben“

2015 war sie von Wolfratshausen nach Königsbrunn gezogen, um näher bei ihren gesundheitlich angeschlagenen Eltern sein und sie unterstützen zu können. Ihr Noch-Vermieter meldete sich auf eine Zeitungsanzeige und bot ihr die Wohnung an. Sie griff sofort zu. Das Appartement war nur zwei Straßen von der Wohnung ihrer Eltern entfernt, die Miete im Budget: „Ich kann nicht mehr als 450 Euro warm bezahlen“, sagt sie. Dafür hätte sie gerne 50 Quadratmeter Wohnraum für sich und Katze „Cinderella“, idealerweise noch einen kleinen Balkon für ihre Pflanzen. Doch das wäre Zugabe, wichtig ist ihr vor allem, dass ihre Mitbewohnerin auf vier Pfoten mit einziehen darf: „Ohne sie geht es nicht.“

Das Problem ist jedoch, dass sie bei weitem nicht die Einzige ist, die derzeit eine Wohnung in der Stadt sucht. Allein bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG lagen im Dezember 453 Vormerkungen für Wohnungen vor, sagt Geschäftsführer Günther Riebel: „Wir bieten bezahlbaren und vor allem sicheren Wohnraum, weil die Mieter bei uns nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt werden. Wer seine Miete zahlt, kann bleiben. Dadurch sind unsere Wohnungen sehr begehrt.“

Die Situation ist im Moment höchst angespannt

Entlastung brachte auch die laufende große Neubau-Offensive kaum: Die Gesellschaft hat 28 Millionen Euro in die Hand genommen und baut 128 Wohnungen, darunter 53 vom Staat geförderte mit günstigen Mieten. 8550 Quadratmeter Wohnfläche entstanden so, darunter auch 17 seniorengerechte Wohnungen mit einer Tagespflegeeinrichtung im Haus. Insgesamt ist das die größte Investition in der Geschichte der GWG. Die Wohnungen werden in diesem Jahr fertig, vergeben sind sie alle aber schon lange.

Den verbleibenden Interessenten kann Riebel nur wenig Hoffnung machen. Die Situation sei im Moment höchst angespannt. Das Problem: Es gibt kaum Fluktuation im Bestand, wer eine Wohnung hat, behält sie deutlich länger als in früheren Jahren, sagt der GWG-Geschäftsführer: „Es gab Jahre, in denen es in 20 Prozent der Wohnungen Mieterwechsel gab. Im vergangenen Jahr hatten wir bei 360 Wohnungen zwölf Wechsel.“ Königsbrunn sei mit seinen zwei Prozent Fluktuation auch keine Ausnahmeerscheinung. In Friedberg sei die Situation mit drei Prozent Wechsel im Bestand ebenso angespannt.

Die innereuropäische Wanderung ist spürbar

Der Engpass habe sich über Jahre entwickelt, daher habe man sich bewusst entschieden, sich aus dem Geschäft mit Doppel- und Reihenhäusern herauszunehmen und sich auf die mehrgeschossigen Häuser zu konzentrieren. Unter den Interessenten seien neben Deutschen auch einige anerkannte Asylbewerber, aber weniger, als gemeinhin vermutet, sagt Riebel: „Dadurch, dass der Nachdrang nicht mehr so groß ist, können viele als Fehlbeleger in den Asylunterkünften bleiben.“ Spürbar sei aber eine innereuropäische Wanderung. Eine große Gruppe seien Interessenten aus osteuropäischen EU-Ländern, die in Deutschland Arbeit haben oder einen Job suchen.

Weitere Großprojekte sind für die GWG momentan nicht zu stemmen. Mit den derzeitigen Baumaßnahmen arbeite man an der Belastungsgrenze, sagt Riebel. Nächstes Projekt soll der im Stadtrat schon angedachte Neubau auf der brachliegenden Fläche hinter der Sparkasse werden. Darüber hinaus wird es schwierig, denn: „Bezahlbarer Wohnraum braucht bezahlbare Grundstücke“, sagt Riebel. Derzeit lebe man noch von den Reserven. Wenn die aufgebraucht sind, könnte es schwierig werden. Denn für den sozialen Wohnungsbau gelten die selben Vorschriften, wie für alle anderen Projekte. Soll es weiter gehen, brauche die GWG mehr Geld oder mehr Grundstücke.

Nina Marloth setzt ihre Hoffnung eher auf private Vermieter. Auf Zeitungsinserate bekam sie allerdings keine Rückmeldung. Grundsätzlich könne sie zwar bei ihrer Mutter unterkommen, allerdings fehlt dort der Platz für die Küche, die sie sich von ihren Ersparnissen für ihre alte Wohnung gekauft hat. Und die Möbel einzulagern kostet ebenfalls wieder Geld, das sie nicht hat. Sie hofft nun inständig, dass sich bald etwas ergibt.

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Ein Artikel von
Adrian Bauer

Lokalredaktion Schwabmünchen
Ressort: Lokalnachrichten

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