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24. Mai 2009 18:55 Uhr

Neuentwicklung

Elektroauto aus Bobingen könnte Zugpferd werden

Ein Auto könnte für die Faserchemie in Bobingen zum neuen Zugpferd werden. Genauer gesagt ein ultraleichter, (umwelt-)sauberer Kleintransporter für die Stadt. Von Pitt Schurian

Von Pitt Schurian

Bobingen/München. Ein Auto könnte für die Faserchemie in Bobingen zum neuen Zugpferd werden.

Genauer gesagt ein ultraleichter, (umwelt-)sauberer Kleintransporter für die Stadt: auf neudeutsch "Ultralight Clean City Car". Abgekürzt U3C. Einziger Schönheitsfehler: Bisher glänzt der U3C nur auf dem Monitor des Rechners, mit dem er konzipiert wurde.

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Doch ein ganz wichtiges Element gibt es schon zum Anfassen: den Werkstoff, der den Wagen so leicht machen soll. Entwickelt hat ihn Teijin in Bobingen. Er ist fest, formbar, recycelbar und vor allem bezahlbar, verspricht Teijin-Chef Andreas Fischer. Das neue Produkt heißt "Kayplan" und besteht aus verpressten Bändern.

Auch die Kollegen vom benachbarten Werk Johns Manville sind an dem Projekt beteiligt. Ingenieursarbeit kommt von der Firmengruppe Günther Holzer. Vater des Konzepts ist Gerhard Nähr aus Wehringen. Der war lange bei Volkswagen und dann bei Kuka in verantwortlichen Positionen tätig. Seit fünf Jahren tüftelt der Diplom-Volkswirt an einem "völlig neuen Konzept" für ein Stadtauto und elektrisiert auch andere mit seinen Ideen.

Die Stadt Bobingen hat mit den Beteiligten schon einen Förderverein gegründet. Der will weitere Zusammenarbeit fördern, und für die Ansiedlung neuer Kompetenzen und Ressourcen im alternativen Fahrzeugbau in der Region werben. Bürgermeister Bernd Müller ist froh, dass in Bobingen längst über neue Aufgaben für den Industriepark nachgedacht wurde. Gerade jetzt brauche der Standort neue Impulse.

Ein europäisches Projekt mit Kerngebiet München

Die Liste der festen und noch möglichen Partner ist lang. Volkswagen ist einer von denen, die gerne mitforschen. So sei U3C ein europäisches Projekt, sagt Nähr. Doch der Kern scheint die europäische Metropolregion München zu werden. Dort sei vor allem der Umweltreferent der Landeshauptstadt schon an Bord gegangen und mit ihm hofft Nähr auf die Stadtwerke Münchens und die anderer Städte.

Denn für deren Fuhrpark wäre der neue Kleintransporter aus Bobingen ideal: "Die haben die Infrastruktur an Ladestationen für den Elektroantrieb und die haben den Einsatzmarkt", so Nähr.

Schon in einem Jahr könnte der Prototyp aus der Halle rollen, bestätigt Gerhard Holzer. Bis 2011 sollen 60 Autos im Feldversuch getestet werden und 2012 sollen 2000 Citycars in Serie folgen.

Natürlich, zum leichten Kunststoffkleid aus dem Industriepark und der Bodengruppe von Holzer müsste noch viel Arbeit im Detail dazukommen und vor allem Geld. Doch auch da zeigt sich Nähr nicht zögerlich: "Ein gutes Projekt kriegt genug Geld." So trifft es sich, dass das U3C-Team schon so weit ist, um Gelder aus dem Konjunkturpaket des Bundes rasch einsetzen zu können. Denn es gibt in Berlin einen eigenen Förderschwerpunkt "Modellregion Elektromobilität". Und da kommt sich nun plötzlich München mit Bobingen recht nahe. Nähr möchte diese Annäherung natürlich nicht nur aus Bobinger Sicht sehen. Er sagt: "Das wäre was für die ganze Region Augsburg-München."

Da würde auch ein Ex-Augsburger gerne mithelfen. Dr. Paul Wengert ist inzwischen verkehrs- und wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Landtag sowie Feuer und Flamme von U3C: "Lärm, Abgase, Energieknappheit und Transportkosten, das sind alles Themen, die uns gerade in den Ballungsräumen herausfordern." »Randbemerkung

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