Rösch gebackenes Fladenbrot, frischer Salat, knuspriges Dönerfleisch: Klar, dass Gönül Ates vom Dönerimbiss in der Schwabmünchner Fuggerstraße zwischendurch das ein oder andere Stückchen Fleisch selbst probieren möchte - könnte man meinen. Von Sarah Ritschel



"Zurzeit esse ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gar nichts", sagt die Türkin. Mit dieser Haltung folgt sie den Gesetzen ihrer Religion, denn die Muslime befinden sich derzeit mitten im Fastenmonat Ramadan. "Ich halte mich schon immer an den Ramadan", erzählt sie weiter, "das habe ich von meinen Eltern und Großeltern so gelernt". Macht es all das duftende Essen um sie herum nicht schwerer zu fasten? "Zwischendurch fällt es mir schon schwer. Doch wenn ich an meinen Gott denke und an all die Menschen, die nichts zu essen haben, ist es ganz leicht."
Frühstück in völliger Dunkelheit
Um wenigstens annähernd satt zu werden, steht Gönül Ates im Moment jeden Morgen zwischen drei und vier Uhr auf. Zu dieser Zeit ist von der Sonne noch nichts zu sehen. Vor Tagesanbruch dürfen die Muslime ihr Fasten brechen und die Türkin nutzt die Zeit, um ausgiebig zu frühstücken. "In der Türkei läuft ein Trommler durch die Straßen und kündigt den Sonnenauf- und -untergang an, in Deutschland richten wir uns nach einem Kalender, der auch die richtigen Gebetszeiten angibt." Das regelmäßige Gebet ist ein weiterer wichtiger Teil des Ramadan. Während des Fastenmonats dürfen Muslime zudem tagsüber nichts trinken, nicht rauchen und auch keinen Geschlechtsverkehr haben.
Senol Isci und seine Familie beten entweder in der Moschee oder zu Hause auf ihrem Gebetsteppich. "Zum Nachmittagsgebet zitiert der Vorbeter in der Moschee zehn Seiten des Koran", erklärt der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde Bobingen. "Danach beginnen die Frauen schon, für das Abendessen zu kochen." Zum Fastenbrechen bei Sonnenuntergang ist der Tisch reich gedeckt: "Meistens gibt es eine Suppe, Salat, eine aufwendige Hauptspeise, Süßigkeiten und zum Schluss schwarzen Tee", erzählt Iscis Ehefrau.
Wie in der Türkei laden sich die Muslime in Bobingen häufig gegenseitig zum gemeinsamen Dank an Gott und zum Fastenbrechen ein. "In den ersten Tagen ist das Fasten schwierig, man steht früh auf, um etwas zu frühstücken. Nach drei, vier Tagen trinke ich aber meistens nur noch ein Glas Wasser vor Sonnenaufgang", sagt Senol Isci abschließend.
Vor allem, dass man tagsüber nichts trinken darf, ist laut Murat Calli, Mittelfeldspieler beim TSV Bobingen "schon etwas ungesund". Aus diesem Grund dürfen Kinder, kranke und ältere Menschen das Fasten auch sein lassen, die Gesundheit geht vor. Murat Calli selbst nimmt für die Religion sogar Leistungsschwankungen in Kauf: "Der Ramadan wirkt sich ohne Zweifel auf meine Leistung aus. Im Training fragen meine Mitspieler oft, was gerade mit mir los ist. Doch entweder man hält sich ganz an die Regeln, oder gar nicht", meint er. Um einigermaßen fit und bei Kräften zu bleiben, achtet der 27-Jährige trotzdem auf eine ausgeglichene Ernährung: "Ich esse nach Sonnenuntergang, und bevor ich schlafen gehe, gibt es meist noch etwas Obst".
Am 30. September wird die Enthaltsamkeit der Muslime mit dem Zuckerfest belohnt. "Am Ende des Ramadan gibt es ein dreitägiges Fest - am Morgen des ersten Tages versammeln sich die gläubigen Muslime in der Moschee, um den besonderen Tag zu zelebrieren. Anschließend besuchen wir alle Verwandten und Freunde und beschenken uns gegenseitig", erzählt Familienvater Senol Isci voller Vorfreude.
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