"Armut hat ein Geschlecht, Armut ist weiblich", sagte Claudia Roth. Die Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen sprach anlässlich des 99. Weltfrauentags in Königsbrunn. Mit ihrer Aussage bezog sich die Politikerin nicht auf den Artikel des Wortes "Armut". Von Marion Kehlenbach



"Armut hat ein Geschlecht, Armut ist weiblich", sagte Claudia Roth. Die Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen sprach anlässlich des 99. Weltfrauentags in Königsbrunn. Mit ihrer Aussage bezog sich die Politikerin nicht auf den Artikel des Wortes "Armut". Ihr ging es um den Inhalt.
Die meisten Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor sind Frauen. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit weniger als männliche Kollegen. Frauen bleiben zur Erziehung ihrer Kinder zu Hause, arbeiten in Teilzeit oder nehmen einen Karriereknick in Kauf. Viele Frauen können von ihrer Altersrente nicht leben. Es sei eine Schande, dass Deutschland in der jüngsten EU-Studie über die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede so schlecht abschneidet, sagte Roth.
Ähnlich sieht es die bayerische Landtagsabgeordnete und frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dr. Simone Strohmayr: "Alleinlebende Frauen und Migrantinnen sind die Verlierer der bayerischen Gesellschaft." Die Gleichberechtigung sei noch nicht vollzogen, sagte auch die bayerische FDP-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete, Miriam Gruß. Besonders deutlich werde das beim Lohn. "Das muss beendet werden", war sich Gruß mit den anderen Diskussionsteilnehmerinnen einig. Uneinig hingegen waren sich die Politikerinnen, wie mehr Gleichberechtigung erreicht werden kann.
Miriam Gruß setzt auf die Freiwilligkeit von Unternehmern. Claudia Roth fordert eine Quotenregelung von 40 Prozent in den Aufsichtsräten. Simone Strohmayr brachte eine Studie der Uni Augsburg zur Sprache, nach der schwäbische Unternehmer trotz Fachkräftemangels zögerlicher als der Bundesdurchschnitt Frauen einstellten. "Gleichberechtigung fängt in den Köpfen an", brachte es die Organisatorin und Vorsitzende der Königsbrunner Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), Ursula Off-Melcher, auf den Punkt.
Mehr Wertschätzung für die Fähigkeiten der Frauen
Unter dem Titel "politics goes music" lud Off-Melcher Politikerinnen und Gäste ins Musikstudio Gyr ein. Zuschauerin und Ex-Stadträtin Mechthild von Luxburg machte in der anschließenden Diskussionsrunde deutlich, dass Gleichberechtigung nicht bedeute, dass Frauen die gleichen Kompetenzen wie Männer erwerben können, sondern dass den Fähigkeiten der Frauen mehr Wertschätzung, auch monetärer Art, entgegengebracht werden müsse. "Für wichtige gesellschaftliche Aufgaben in der Familie und sozialer Arbeit wird nur wenig Geld ausgegeben."
Bei aller Diskussionsfreudigkeit an diesem Nachmittag waren sich die Gäste, darunter auch 3. Bürgermeisterin Barbara Jaser und viele Stadträtinnen, über das Rahmenprogramm einig: Viel Applaus gab es für die Musikschüler von Peter Gyr, die die Zuschauer mit Gesang auf hohem Niveau unterhielten. Einziger Wermutstropfen der Veranstaltung war die zeitlich begründete Absage von CSU-Bundestagsfraktionssprecherin Dorothee Bär.
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