Mittwoch, 17. Januar 2018

13. Januar 2018 05:00 Uhr

Landkreis Augsburg

Heimat schmeckt wie Omas Tee

Der Begriff ist etwas Individuelles. Zum Beispiel die Erinnerung an die Kindheit. Andere verbinden damit keinen Ort, sondern mehr ein Gefühl, einen Geschmack oder einen Geruch. Von SIEGFRIED P. RUPPRECHT und Pitt Schurian

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Was ist Heimat? Wo ist Heimat? Wie fühlt sich Heimat überhaupt an? Eigentlich ganz einfach, denkt man zunächst. Doch bei genauerem Nachhaken hat darüber jeder seine eigene Vorstellung. Heimat muss nicht unbedingt ein konkreter Ort sein. Der Begriff hat viel mit Gegenwart, aber auch mit Erinnerungen und Vertrautheit zu tun.

Heimat ist ein bisschen Sehnsuchtsort

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Für Dietmar Paun aus Langenneufnach ist Heimat ein bisschen Sehnsuchtsort. Heimat sei für ihn vor allem der Ort, wo er aufgewachsen ist, sagt er. Hier in den Stauden sei er als Mensch verwurzelt. „Als ehemaliger Oberst der Bundeswehr habe ich beruflich in vielen Regionen Deutschlands gelebt“, berichtet er. Doch diese seien nie seine Heimat gewesen, auch nie eine Art zweite Heimat. Ursprüngliche Heimat könne das nie ersetzen. „Heimat ist für mich immer auch ein Gefühl.“

Oft merkt man, wie wichtig Heimat ist, erst wenn man weg ist. So wie Michael Stromer aus Bobingen Siedlung. „Als ich wegen einer Mandeloperation ins Diakonissenhaus nach Augsburg musste, war das für mich als Kind eine schlimme Sache“, erzählt er. „Da litt ich entsetzlich unter Heimweh, fühlte mich allein und verletzlich.“ Das Heimweh sei bei ihm heute noch fühlbar als Abwesenheit von Heimat. Den Begriff Heimat verbindet er auch mit Kindheit. „Da waren der Wald und der plätschernde Bach“, so Stromer. Nahe am Straßberger Schloss habe er mit anderen Kindern im Sommer Räuber und Gendarm oder Fangen gespielt.

Heimatbegriff ist vielschichtig 

Für Hildegard Marxer aus Graben ist der Heimatbegriff so vielschichtig, dass er sich einer einzigen Definition entzieht. Heimat macht sie mit Gefühlen und persönlichen Assoziationen fest. „Bei mir ist Heimat - Klischee hin oder her - da, wo ich mich wohlfühle.“ Zudem habe der Begriff mit Vertrautheit zu tun. „Wenn ich in New York einen Menschen treffe, der meinen Dialekt spricht, dann kann das für einen kleinen Augenblick auch emotional Heimat sein, getreu dem Motto: Das kenne ich.“ Zuhause sei für sie auch ein Ort, an dem sie ein Grundgefühl von Geborgenheit spürt, beispielsweise die eigene intakte Familie.

Willi Czekalla aus Schwabmünchen erlebte ein starkes Heimatgefühl schon als 18-Jähriger Mitte der 1960er-Jahre. In seinem Heimatdorf hatte die Jugend keinen Treffpunkt. Da bauten sich er und seine Freunde ein altes Austragshäuschen als „Bude“ aus – samt Bar und Musikanlage. Diese Bude sei ihnen zur Heimat geworden.

Heimat ist der Geschmack nach Omas Butterhefezopf

Eckhard Schiweck aus Birkach verbindet mit dem Thema das Landleben allgemein, mehr noch: den Respekt davor. „Ich habe eine bewegte Geschichte hinter mit“, erläutert er. Geboren sei er in Masuren in Ostpreußen, während des Zweiten Weltkriegs sei er mit dem Opa mal vor und dann wieder hinter der Front gewesen, schließlich sei ihnen die Flucht nach Mecklenburg gelungen. Später habe er in Städten studiert und gearbeitet, aber stets auf dem Lande gelebt. „Irgendwann habe ich mir vorgenommen, entweder im hohen Norden oder im tiefen Süden zu leben“, sagt Schiweck. Letzteres sei dann eingetreten. Landleben sei für ihn nicht nur Qualität, sondern Heimat. Hier genieße er Frieden und die Hilfsbereitschaft unter den Nachbarn.

Christa Steinhart, Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin der Volkshochschule Augsburger-Land, hat gestanden, dass Heimat für sie schwierig an einem Ort festzumachen sei. Sie verbindet damit zum Beispiel einen Geruch oder den Geschmack nach Omas Butterhefezopf und Kräutertee.

Heimat hat kosmopolitische Bedeutung

Für Manfred Wolf aus Bobingen hat der Begriff „Heimat“ eine kosmopolitische Bedeutung. „Nach sechs Jahren Portugal, 18 Jahre Italien und einigen anderen Ländern mehr oder weniger kurz, gibt es für mich den Herkunftsort nicht als Heimat.“ Dort geboren und aufgewachsen zu sein bedeutet ihm nur, sich durch einen Besuch an diese Ereignisse zu erinnern. „Heimat ist dort wo meine Familie ist!“

Für Klaus Phillip aus Bobingen fasst der Begriff Heimat vieles zusammen, was ihm wichtig ist: „Der Ort, an dem ich geboren bin und der mein Zuhause ist. Heimat ist aber auch das Gefühl, dass ich mich geborgen fühle, an einem Ort von Liebe und Charme. Heimat hat Farbe, hat einen Geruch, hat Bilder, hat Emotionen, Kultur und Tradition. Eine Vorstellung voll Harmonie und Sehnsucht. Ein Habitat mit den vielfältigsten Lebensformen.“ Stimmungsvolle Sonnenuntergänge, bizarre Bäume, verwunschene Ecken, morbide Gebäude oder Gegenstände, Tiere und Pflanzen - das alles reizt ihn gleichermaßen, Heimatempfindungen auch fotografisch festzuhalten. „Gerade unsere heimische Landschaft zwischen Lech und Wertach, die unendliche Weite - bei Föhn Sicht sogar bis in die Alpen - oder die harmonische Hügellandschaft der westlichen Wälder rund um Burgwalden, Oberschönenfeld, Hardt verleihen auf wundersame Weise ein wahres Lebensgefühl.“

Heimat muss jeder Mensch für sich selbst definieren

Was einem Menschen Heimat bedeutet, müsse jeder für sich selbst herausfinden, meint Sabine Presnitz aus Schwabmünchen: „Heimat ist ein Wort, das jeder Mensch für sich selbst definieren muss, denn Heimat bedeutet für jeden Menschen etwas anderes und das bedeutet, dass man Heimat nicht erklären kann, sondern einfach erleben muss.“ Für sie persönlich ist Heimat: „Meine Familie, meine Federbällchen, meine Freunde.“ Heimat sei dort zu finden, wo Familie und Freunde sind und einem alleine durch ihr Dasein ein Glücksgefühl übermitteln.

Als im Jahr 2000 die Tochter von Anne Ulmer die Grundschule in Walkertshofen besuchte, suchte der damalige Rektor Dietrich Schrott Mitarbeiter für den Heimat- und Sachunterricht aus den umliegenden Ortschaften, aus denen die Kinder in die Grundschule kommen. Sie sollten über ihren Heimatort erzählen. Als Vertreterin für Reichertshofen hat Anne Ulmer Schrott mit seiner damaligen 4. Klasse durch Reichertshofen geführt. „Mein Anliegen war es im Besonderen, den Kindern auch zu vermitteln, warum ich gerne in den Stauden und in meinem Heimatort lebe“, erinnert sich die Mutter. Daraus entstand ein Gedicht, welches in Mundart die Schönheit der Landschaft beschreibt, die Stille der Natur und den Frieden. Heimat, so wurde ihr bewusst, habe etwas von Mutterliebe. So beginnt auch ihr Gedicht:

„Mei Hoimat isch em Neufnachtal

em scheana Staudaländle.

I ka it fut - hau gar koi Wahl,

brauch‘s wia a Muatr ‘s Kendle.“

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