Mittwoch, 13. Dezember 2017

15. Oktober 2015 18:25 Uhr

Langerringen/Lamerdingen

Junger Storch endet am Windrad

Landratsamt ordnet neues Gutachten über Risiko für geschützte Vögel an. Betreiber zieht vor Verwaltungsgericht, weil er es nicht erstellen lassen will Von JVon Hieronymus Schneider

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Im August wurden große Storchenversammlungen auf den Wiesen zwischen Lamerdingen, Falkenberg und Gennach gesichtet (wir berichteten). Mitte September fand eine Ornithologin des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) etwa 400 Meter von der Windenergieanlage WEA 1 entfernt auf einem frisch abgeernteten Maisfeld das Skelett eines Weißstorches. Ingrid Marquardt aus Krailling ist seit zehn Jahren ehrenamtlich im Naturschutz engagiert, für den kürzlich bayernweit anerkannten Naturschutzverein VLAB recherchiert sie seit einigen Wochen über die Gefährdung verschiedener Vogelarten durch die beiden Windenergieanlagen in Lamerdingen. Auffällig an dem Weißstorchskelett war ein gebrochener Unterschenkel, an dem anderen Bein war ein Ring mit der Nummer AV 431 befestigt. Dadurch konnte ermittelt werden, dass es sich um einen Jungstorch handelte, der im Juni im mittelfränkischen Leutershausen geboren und vom dortigen Storchenbeauftragten Thomas Ziegler beringt worden war. Anfang August begab sich der Jungstorch auf den Vogelzug gen Süden, der in Schwaben ein trauriges Ende fand.

Dieser Fund wurde in die deutschlandweite WEA-Opferdatei bei der Vogelschutzwarte Brandenburg aufgenommen. Deren Leiter Tobias Dürr sieht dagegen bei den beiden im August tödlich verletzten Störchen an der Bahnlinie und in der Gennacher Einöde (wir berichteten) die Windräder aufgrund der Entfernung nicht als wahrscheinlichste Ursache an.

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Ingrid Marquardt beobachtete, dass Rot- und Schwarzmilane von früh morgens bis spät abends auf Nahrungssuche den Luftraum zwischen den beiden Windrädern sowie deren näheres und weiteres Umfeld kreuzen. „Hier ist eine der größten Rotmilandichten in ganz Bayern. Rotmilane sind deshalb besonders gefährdet, weil sie Windräder nicht meiden, sondern dort laut den Forschungsergebnissen der staatlichen Vogelschutzwarten gezielt nach Aas suchen, auch beim Schwarzmilan wurde bisher kein Meideverhalten festgestellt“, weiß die Vogelschützerin. Um das Gebiet herum nisten mehrere Milan-Brutpaare, für die die Felder und Wiesen dort ein wichtiges Nahrungshabitat darstellen. Ebenfalls geschützte Rohrweihen brüten innerhalb des von den Vogelschutzwarten empfohlenen Ausschlussbereiches. Im nahen Naturschutzgebiet Burghofweiher brüten Graureiher, die das Gebiet ebenso zur Nahrungssuche nutzen und durchfliegen wie die 53 Silberreiher, die ihnen seit September als Überwinterer Gesellschaft leisten.

Im Mai waren in unmittelbarer Nähe dieser Windenergieanlage eine tote Waldohreule, ein Pirol und das Fragment einer Greifvogelschwinge gefunden worden, das sich als die eines Baumfalken herausstellte. Auch diese Funde wurden in die Opferdatei aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte beträchtlich sein, über sie können nur Vermutungen angestellt werden. Füchse und andere Prädatoren spüren die Opfer schnell auf, auch aufgrund Bewuchs werden verunglückte Vögel nur zufällig entdeckt.

Das Landratsamt Ostallgäu sah jedenfalls die Notwendigkeit, mit Bescheid vom 11. August eine Nachkartierung anzuordnen. Dem Betreiber der Bürgerwind Lamerdingen GmbH & Co. KG wurde auferlegt, ein Gutachten eines Biologen zur Frage des signifikant erhöhten Tötungsrisikos für geschützte Vögel erstellen zu lassen. Dies wurde auf Anfrage unserer Zeitung von der Leitenden Regierungsdirektorin Gudrun Hummel bestätigt. „Gegen diesen Bescheid hat der Betreiber Klage eingelegt und den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gestellt. Da das Verwaltungsgericht Augsburg darüber noch nicht entschieden hat, wird die Kartierung durchgeführt und dürfte bis Ende Oktober beendet sein“, so Gudrun Hummel.

Der Vertreter der Betreiberfirma, Robert Sing, hat eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung nicht beantwortet.

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