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10. November 2010 04:40 Uhr

"Laterne, Laterne" kostet jetzt GEMA-Gebühr

Region Augsburg Ein Liedblatt mit Noten ist Luxus. Dessen sollten sich Eltern beim Sankt-Martins-Umzug am Donnerstag bewusst sein. Für die Kopien aus Liederbüchern müssen die Kindergärten nämlich Gebühren bezahlen. Rein rechtlich galt das zwar schon immer, doch bisher wurde das Geld kaum angefordert. Das hat sich zum Jahresbeginn geändert. Seitdem müssen für Kopien aus Liedbüchern - Texte oder Noten - Abgaben an die GEMA bezahlt werden.

Von Evelin Grauer Und ines Lehmann

"Geradezu geschockt" war Johanna Baumgartner, Leiterin des AWO-Kindergartens im Augsburger Stadtteil Göggingen, als sie das erste Mal davon hörte: Ihre Kinder, üblicherweise zwischen drei und sechs Jahre alt, sollen nun auch Gebühren an die GEMA - die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - zahlen.

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Darüber wurden die Kindergärten schriftlich informiert. In dem Schreiben heißt es, dass das Musizieren und Singen in Kindergärten und vorschulischen Einrichtungen immer beliebter werde. Er wird darauf hingewiesen, dass die Beschaffung der Liederbücher und Noten einen erheblichen Kostenfaktor für die Einrichtungen darstellt. Weiter heißt es: "Entweder Sie kaufen wie bislang mehrere Exemplare einer Publikation oder fertigen mit einer jährlich erneuerbaren GEMA-Lizenz Kopien selbst an, sobald Bedarf entsteht."

Die Forderung ist rechtlich in Ordnung

Die Arbeiterwohlfahrt hat sich genau dafür nun entschieden und einen solchen Lizenzvertrag mit der GEMA abgeschlossen. Hans Scheiterbauer, zuständig für Kinder- und Jugendhilfe, sagt: "Wir haben das Ganze rechtlich geprüft. Aber wie es aussieht, ist diese Forderung der GEMA rechtlich in Ordnung."

Bis 500 Kopien muss ein Kindergarten 56 Euro überweisen, bis 5000 sind es 555 Euro. Zuzüglich der sieben Prozent Umsatzsteuer.

Auch die Stadt Aichach will für ihre sechs Kindergärten Pauschalverträge mit der GEMA abschließen. "Das reicht nie für das ganze Jahr", sagt Monika Bissinger. Sie leitet den Aindlinger Kindergarten St. Martin mit rund 130 Kindern. "Wir geben nur noch zu St. Martin Liedtexte raus", sagt sie. Allein dafür würden 200 bis 300 Kopien für die Eltern benötigt.

Da die meisten Kinder nicht lesen können, brauchen sie keine Blätter. So bleiben noch ein paar Kopien fürs Sommerfest übrig.

Die GEMA wehrt sich gegen den Vorwurf der Abzocke. In der Vergangenheit habe es für die Kindergärten keine Möglichkeit gegeben, legal Kopien von einzelnen Liedern anzufertigen - das sei jetzt anders, heißt es in einer Stellungnahme. Manche Erzieherinnen reagieren indes mit Handarbeit: Sie schreiben einfach die Liedtexte ab.

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