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15. März 2009 18:40 Uhr

Demo gegen Müllkraftwerk

Möchte gesunde Luft atmen

Ettringen Die vierjährige Jule stellte sich ganz oben auf den Berg. Nicht nur um Überblick zu haben, sondern um ihr Plakat zu zeigen: "Ich möchte gesunde Luft atmen!!!" Dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch die Reden der Großdemonstration der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" am Samstag vor den Toren der Firma Lang Papier in Ettringen. Von Manfred Gittel

Es war die zweite Großdemo in Ettringen selbst, die dritte insgesamt seit die Pläne der Firma zum Bau eines Heizkraftwerkes publik wurden, so Veranstaltungsleiter Eugen Mayer (Gennach): "Der Unsinn wird nicht kleiner, auch wenn er in einer großen Anlage gemacht wird. Wir fordern saubere Luft, gesunden Boden und sauberes Wasser für die Landkreise Unterallgäu, Ostallgäu und Augsburg." Für ihn ist das, was Lang plant, eine "Müllverbrennung". Pfiffe, Buhrufe und Applaus der rund 1000 Demonstranten unterstützten ihn.

Was so alles aus den Schornsteinen künftig kommen soll, das boten Jugendliche aus Gennach bei einer Schadstoff-Tombola an: Feinstaub, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Weiteres mehr. Mayer: "Heute ist es noch ein Los, morgen ist es Realität."

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Gudrun Kissinger-Schneider von der BI: "Jeder muss wissen, was hier vor sich geht." Aller Protest habe jedoch nicht gereicht, die Firma Lang zu überzeugen, dass die Energiegewinnung aus Müll der falsche Weg sei: "Es ist moralisch verwerflich, aus der Verbrennung von Müll und Klärschlamm Profit zu schlagen. Es ist einfach ungeheuerlich und empörend, wenn man gleichzeitig alle Umweltrisiken den Menschen und dieser Region bewusst zumutet." Belastet und krank würden: Menschen, Böden. Hinzunehmen seien Verluste von Immobilienwerten, im Bereich Tourismus sowie Imageverlust, Verlust von Arbeitsplätzen. Kissinger-Schneider zitierte den Slogan "Gesundes Kneippland Unterallgäu", warf den Verantwortlichen vor allem in Bad Wörishofen vor, diesem Image durch Schweigen zu schaden, und appellierte an alle Politiker: "Lasst eine solche Entwicklung nicht zu." Landrat und Kreistag Unterallgäu forderte sie auf, eine Resolution gegen das Lang-Vorhaben zu verfassen.

Der Sprecher des Landesarbeitskreises Abfall im Bund Naturschutz, Gernot Hartwig, erinnerte an 1989, als eine damals in Ettringen geplante Müllverbrennungsanlage verhindert wurde. "Hört auf mit dem Unsinn der Ersatzbrennstoff-Verbrennung! Es kann nicht sein, dass anderswo bei Feinstaubbelastung Fahrverbote drohen und hier der Feinstaub noch gar nicht gemessen wird. Wir fordern ein Raumordnungsverfahren und eine Störfallanalyse." Hartwig sprach sich - auch angesichts der Arbeitsplatz-Diskussion - für ein Miteinander mit der Firma Lang aus, um den Standort Ettringen zu sichern.

Im langen Protestzug ging es dann zur Ortsmitte von Ettringen, wo die Demo ihr Ende fand. BI-Vorsitzender Armin Weh betonte nochmals, dass es nicht darum gehe, Ängste zu schüren, sondern die realen Gefahren zu sehen und zu vermindern oder wenigstens die Risiken zu minimieren.

Und die Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm meinte: "Zukunft sichert man nicht mit Umweltstandards der Vergangenheit. Es geht anders und es geht besser. Wir wollen die guten Umweltgrundlagen unserer Region erhalten."

Die Papierfabrik selbst reagiert auch: Sie verteilte am Samstag an mehr als 10 000 Haushalte ihren neuen "Newsletter".

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