Dienstag, 31. Mai 2016

02. März 2016 19:52 Uhr

Landkreis

Neues Schulfach könnte Integration heißen

Immer mehr Lehrer unterrichten Deutsch für Kinder ohne Vorkenntnisse. Es sind nicht nur Flüchtlinge.

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Gibt es bald ein neues Schulfach „Integration“? Das Thema ist auf jeden Fall bereits Alltag an den Schulen.
Foto: Archiv

Umfragen sind dazu da, eine mehrheitliche Tendenz herauszufinden. So gesehen, hilft diese Umfrage auf den ersten Blick nicht viel weiter: Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) wollte von den Schulleitern der Grund- und Mittelschulen im Landkreis wissen, wie sich der Unterricht in Zeiten von Flüchtlings- und innereuropäischen Migrantenströmen an ihrer Schule gestaltet. Mitunter kommen jede Woche neue Schüler in die Klassen.

Das Fazit der Umfrage: „Hinsichtlich der von uns gestellten Fragen gibt es keine einzige Erkenntnis, die allgemeingültig ist“, so Gabriele Ullersberger, BLLV-Vorsitzende im Landkreis Augsburg und Konrektorin an der Grund- und Mittelschule Langweid. Dennoch kann sich der BLLV ein Rezept vorstellen, das immer passt: Die Zuweisung einer bestimmten Anzahl von Lehrerstunden, die nicht gebunden ist. Jede Schule könne nach Bedarf entscheiden, ob daraus Deutsch-Förderunterricht, eine Arbeitsgruppe zum Umweltschutz oder Ethikstunden würden. Oder in ein neues Pflichtfach investieren, das es so noch gar nicht gibt, aber nötig wäre: Es könnte Integration heißen, mit Inhalten wie Werteerziehung, Religionen, Familienkonzepte, Geschlechterrollen und mehr. Ein Fach, das wirklich allen im täglichen Umgang gut täte, glaubt die Pädagogin.

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An der Dr.-Jaufmann-Mittelschule in Bobingen funktioniert die Aufnahme von Kindern ohne Deutschkenntnissen schon recht gut. Rektor Robert Walch sieht sein Haus momentan organisatorisch gut aufgestellt, hat jedoch nicht nur Flüchtlingskinder schrittweise in den normalen Unterrichtsalltag zu integrieren: „Wir haben drei zusätzliche Lehrkräfte bekommen. Damit konnten wir eine sogenannte Übergangsklasse light einrichten und drei Gruppen für zusätzlichen täglichen Deutschunterricht.“

In der Praxis sieht das so aus: „Wir haben 36 Kinder aufgenommen, die keinerlei Deutschkenntnisse haben. Davon kommt die Hälfte aus Eritrea, Afghanistan oder Syrien. Die andere Hälfte kommt aus EU-Ländern.“ Rumänien, Bulgarien oder Italien sind ihre Heimat. „Die können plötzlich vor der Tür stehen. Anders als bei Flüchtlingen bekommen wir bei Kindern aus EU-Ländern keine Vorankündigung. Die Eltern ziehen einfach her und ihre Kinder stehen bei uns.“

Alle Kinder werden an der Mittelschule in Bobingen in einer normalen Klasse zugeordnet, bekommen aber zusätzlich pro Tag in einer Übergangsklasse vier Stunden Deutschunterricht. Von dort wechseln sie je nach Alter und Leistungsstand in eine der weiteren Gruppen. Ab dem kommenden Schuljahr, so hofft Rektor Walch, werde es die Übergangsklasse als Ganztagsklasse geben mit zusätzlichem Praxisbezug, um die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten.

„Das Vorbildungsniveau ist extrem unterschiedlich“, sagtdie Stellvertretende BLLV-Vorsitzende Karin Klos, Konrektorin an der Grund- und Mittelschule Neusäß. Einige Kinder seien das Lernen gewöhnt, sie können bereits nach wenigen Wochen ein wenig Deutsch. Für diese Gruppe stelle auch der Qualifizierende Abschluss (QA) nach einem oder wenigen Jahren keine Schwierigkeit dar. Andere könnten weder Lesen noch Schreiben und hätten auch im Rechnen kaum Kenntnisse, kurz: Eine Schule haben sie noch nie besucht.

Insgesamt 16 zusätzliche Lehrkräfte haben vor einer Woche im Landkreis Augsburg ihren Dienst begonnen, sie sollen in den verschiedenen Schulen stundenweise im Sprachunterricht aushelfen. Eine Entspannung sei zwar spürbar, sagt der BLLV. Was die Lehrergenossenschaft aber ärgert: Eingestellt werden derzeit sowohl junge Lehrer direkt von der Uni, pensionierte Lehrer oder auch Gymnasialpädagogen; bei ganz unterschiedlicher Besoldung. „Dass gerade Gymnasiallehrer dann oft schon wieder vor ihrem ersten Tag in der Schule abspringen, weil sie woanders mehr verdienen, kann ich gut verstehen“, so Gabriele Ullersberger. Vieles laufe jetzt an den Schulen noch sehr gut, wegen des großen Engagements vieler Lehrer und auch Ehrenamtlicher. Dieser Einsatz müssen auch für die nächsten Jahre erhalten werden.

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Ein Artikel von
Jana Tallevi

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