Hiltenfingen Bei der Gründungsversammlung des Vereins "Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal" (wir berichteten) gab es eine geballte Ladung an Information und Argumenten gegen die Verbrennung von Müll: Die Veranstalter hatten Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg eingeladen, einen hochkarätigen Experten in Sachen Müllverbrennung, der mit seinem Referat "Tod vom Allerfeinsten" ein düsteres Szenario zeichnete.


Kritik an der von Lang geplanten Rauchgasreinigung
"Dieser Vortrag richtet sich nicht gegen die Firma Lang", betonte Koch ausdrücklich: "Ich will vielmehr kritisch hinterfragen, welche Auswirkungen die geplante Anlage haben kann und auf alternative verfahrenstechnische Möglichkeiten hinweisen." Nicht zu vertreten sei aber seiner Meinung nach, dass die geplante Rauchgasreinigungsanlage des Ettringer Heizkraftwerks nach einem einfachen technischen Prinzip aufgebaut werden solle, obwohl nach dem Stand heutiger Technik eine vielfach wirkungsvollere möglich wäre: "Damit mutet man uns viel mehr Schadstoffe zu."
Dass die Papierfabrik Lang inzwischen auf öffentlichen Druck bereit sei, die geplanten Brennstoffmengen zu reduzieren und andere Zugeständnisse zu machen, das ist Koch zu wenig: "Eine Selbstverpflichtung, die nicht im Genehmigungsbescheid aufgenommen wird, hat keine rechtliche Grundlage und müsste im Fall der Nichteinhaltung privat eingeklagt werden." Und überhaupt: "Wo soll die riesige Abfallmenge herkommen?", fragte Koch: "So viel Müll ist im Land überhaupt nicht vorhanden."
Bestehende Abfallverbrennungsanlagen hätten bereits jetzt Überkapazitäten von etwa fünf Millionen Tonnen pro Jahr, rechnete Koch aus. Einige der schon genehmigten Verbrennungsanlagen seien gar wegen Mangel an Abfallmengen noch nicht gebaut worden: "Also muss der Müll von außerhalb - über große Entfernungen - angeschafft werden, was natürlich zum entsprechenden Anstieg beim Verkehrsaufkommen führt."
Handel mit Abfall ist ein lukratives Geschäft
18 Millionen Tonnen Abfall kamen so in 2006 beispielsweise aus Italien, Australien oder den Benelux-Ländern nach Deutschland. "Deutschland ist der Müllimporteur Nummer Eins", stellte Koch fest. Ein lukratives Geschäft sei übrigens dieser Müllhandel: Die Gewinnspanne liegt nach Schätzung des Experten bei mehr als 100 Euro je Tonne Abfall. Koch kann auch nicht verstehen, dass die Firma Lang laut Genehmigungsantrag bei der Verbrennung die Grenzwerte der zulässigen Immissionen voll ausschöpfen will. "Dies entspricht nicht den technischen Möglichkeiten", betonte er. Der Schornstein des geplanten Heizkraftwerkes sei zudem überdimensioniert, dadurch würden die Abgase sehr weiträumig verteilt "Und niemand weiß heute, was aus dem Schornstein alles rauskommt." Über 60 000 chemische Verbindungen seien im Müll vorhanden, die bei der Verbrennung unkontrolliert reagieren können. Ab 2013 solle eine verschärfte Schadstoff-Grenzwertverordnung in Kraft treten, die in einer Übergangszeit allerdings nur für neu gebaute Verbrennungsanlagen gelten wird.
Krankheiten steigen, Grundstücke verlieren an Wert
Unfälle und Pannen in Heizkraftwerken seien "gang und gäbe", so argumentierte Koch weiter. Dies würden Vorfälle in der Vergangenheit demonstrieren. Daneben hätten Untersuchungen ergeben, dass im breiten Umkreis von Verbrennungsanlagen Krebserkrankungen, die Zahl der Atemwegsbeschwerden, Herzleiden und angeborene Anomalien deutlich ansteigen. Auch die Werte der Immobilien sinke in diesem Gebieten bis zu 35 Prozent.
Eingeladen war auch Gabi Fischer von der Bürgerinitiative "Saubere Energie für Trostberg". Sie gab einen kurzen Erfahrungsbericht, wie es dort gelungen ist, eine mit Ettringen vergleichbare Anlage schon vor der Genehmigung zu verhindern, und sprach ihren schwäbischen Gesinnungsgenossen Mut zu: "Auch Sie können es schaffen, packen Sie es an!"
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