Eine Südamerikareise mit abschließender Besteigung des Aconcagua, des mit 6962 Metern höchsten Bergs in Südamerika – so hatten es Petra und Josef Bail geplant. Doch dann kam alles ganz anders. Die beiden Großaitinger Bergsteiger haben schon viele Länder bereist und viele Berge bestiegen. Wie es sich für echte Abenteurer gehört, suchen sie den individuellen Reiz einer Reise, von Pauschalreisen halten sie nichts: „Wir möchten ja auch Land und Leute kennenlernen“, sagt Petra Bail.
Nach den zahlreichen vergangenen Abenteuern sollte es diesmal etwas ganz Besonderes sein. Für die dreimonatige Reise nach Peru, Bolivien und Chile hatte es schließlich gleich zwei Anlässe gegeben: den 60. Geburtstag von Josef Bail und den 30. Hochzeitstag des Ehepaars.
Im Oktober vergangenen Jahres landeten die beiden mit je 50 Kilogramm Gepäck in Lima, Peru. Im Huayhuash-Gebirge angekommen, mussten sich die Rucksackreisenden erst einmal akklimatisieren. Josef Bail weiß, wie wichtig eine langsame Anpassung an die Höhenluft ist. Wer das nicht wahrhaben will, der bekommt die Auswirkungen zu spüren – er wird höhenkrank.
Nach der Rückkehr ins Basislager war der Bergführer weg
Um das zu vermeiden, verbrachten Josef und Petra elf Tage in der Cordillera Huayhuash. Auf etwa 4000 Metern schliefen sie in der Nacht, am Tag stiegen sie bis auf 5000 Meter hinauf. Petra Bail weiß, worauf es in dieser Zeit ankommt: „In der Nacht muss man immer ,tief‘ schlafen, denn ab 5000 Meter kann es zu Atemaussetzern kommen, wenn man sich nicht langsam an den geringen Sauerstoffgehalt gewöhnt hat.“ Als nach einer besonders anstrengenden Rückkehr zum Basislager der Bergführer einfach bis ins Tal hinabgestiegen war und die beiden Bergsteiger alleine ließ, waren sie froh um ihre Reiseerfahrung. „Manch einer wäre ihm vielleicht nachgegangen“, vermutet Josef Bail. Doch die beiden erfahrenen Bergsteiger blieben in ihrem Zelt. Bei dem starken Schneetreiben, das draußen tobte, hätten sie sich leicht verlaufen können.
Am Abend dann die Überraschung: Der Bergführer kam zurück. Er hatte sein Auto repariert. „Das hätte er uns doch sagen können“, sagt Josef Bail im Nachhinein. Das blieb leider nicht das einzige Mal, dass die beiden Bergsteiger von einem international zertifizierten Bergführer enttäuscht wurden. Für die Besteigung des Ampato in Perus Anden hatten sie sich den teuersten Bergführer geleistet. Doch er half nicht, als auf 6100 Metern die Tragödie passierte: Josef Bail rutschte im Schnee ab, das Steigeisen verletzte ihn an der linken Wade. Wie sich später im Krankenhaus herausstellte, waren Sehne und Arterie durchtrennt. Bis er dort ankam, vergingen elf lange Stunden.
Auf 6100 Meter Höhe musste er seine Wunde versorgen. Der Bergführer hatte kein Verbandszeug dabei, obwohl das so abgemacht war. Mit seinem verletzten Bein musste Bail dann noch dreieinhalb Stunden bis ins Tal gehen, seine Frau war schon früher umgekehrt. „Ich habe meine letzte Kraft zusammengenommen und habe erst das Bewusstsein verloren, als ich das Krankenhausschild sah“, sagt er.
Josef Bails Bein wurde durch Notoperation gerettet
Bei einer Notoperation konnte sein Bein gerettet werden, doch der Traum von der Besteigung des Aconcagua war erst einmal gestorben. Unverhofft kam der begeisterte Bergsteiger doch noch zu seinem Aconcagua – zumindest zu einem Ersatz: „Meine Frau hat mir einen Obstsalat der Marke Aconcagua ins Krankenhaus gebracht. Dann war Aconcagua im wahrsten Sinne des Wortes gegessen.“ In der Zeit nach dem Krankenhaus durfte Josef Bail sein Bein wenig bis kaum belasten. Die beiden änderten kurzerhand die Reiseroute. Sie fuhren zum Titicacasee und feierten Weihnachten mit einem kleinen Faltchristbaum in Bolivien. Über Silvester ging es nach Chile, bis Mitte Januar war das Ehepaar mit dem Geländewagen in Chile unterwegs. „Wir haben unglaubliche Landschaften gesehen. Das hat für einiges entschädigt“, sagt Josef Bail. Ein letzter Höhepunkt der Reise war die Rallye Dakar, die dieses Jahr in Chile und Argentinien stattfand. Es sei ein tolles Erlebnis gewesen, Wagen und Fahrer aus nächster Nähe zu betrachten.
Eine weitere Reise ist im Moment noch nicht geplant. Doch die beiden Großaitinger erzählen gerne von ihrer Südamerikareise. Sie haben bereits einen Vortrag vor den Mitgliedern des Alpenvereins in Schwabmünchen gehalten. Fortsetzung nicht ausgeschlossen...