Landkreis Augsburg (AL/msi) - "Wir sind doch nicht die Sklaven der Molkerei": Roland Mayer, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Augsburg-West, ist sauer. Wieder einmal ist es nach seinen Worten die Firma Müllermilch, die an der Preisschraube für Frischmilch drehen will. Deshalb wollen die Bauern am Montag auf die Straße gehen und am Firmenstandort im Fischacher Ortsteil Aretsried symbolisch die "Fairness" begraben. Die Grabrede soll der bekannte Schauspieler Ottfried Fischer im Kostüm von Pfarrer Braun halten.
41 Cent bekommen die Milchbauern im Augsburger Land zurzeit für ihre Milch. "Wir haben in der Regel Einjahresverträge mit einer dreimonatlichen Preisbindung", so Mayer. Müllermilch würde nun aber auf ein neues Abkommen drängen. Erst standen langfristigere Verträge im Raum, nun hat Müller sein Angebot auf 31 Cent reduziert. "Das würde für den Landwirt eine monatliche Einbuße zwischen 2500 und 3000 Euro bedeuten", erregt sich der Milchviehhalter.
Seit 25 Jahren liefert die Erzeugergemeinschaft Augsburg-West im Verband Milch in den Aretsrieder Betrieb. "Wir haben immer hart um die Preise gekämpft, aber es war akzeptabel", so Mayer, der sich verschaukelt fühlt nach 25-jähriger Treue zum Großunternehmen. Und dann ist da noch etwas, was die Milchbauern nicht nachvollziehen können: Die Molkerei Weihenstephan, die ja auch zum Konzern von Theo Müller gehört, macht der Dachorganisation BayernMeG keine Probleme und hält Verträge ein.
Auch Franz Seitz, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwaben, fühlt mit: "Betroffen sind Betriebe, die in der dritten Generation die Milch liefern. Klar, dass die enttäuscht sind."
"Die Molkerei Müller pflegt einen erpresserischen Umgang mit unverschämten Preisdrohungen gegenüber den Milcherzeugergemeinschaften", heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbandes. Sie werfen dem Großunternehmen vor, einzelne Landwirte zur Kündigung bei der Milcherzeugergemeinschaft gedrängt zu haben. Das Ziel: Die Bauern sollen Einzelverträge mit dem Milch- und Joghurtriesen abschließen.
Bei der Demonstration werden mehr als 1000 Menschen erwartet. Mayer appelliert auch an die Verbraucher: "Denken Sie über den Preis für das Naturprodukt nach." Er würde sich freuen, wenn normale Milchtrinker den Weg nach Aretsried finden.
Ottfried Fischer hält eine Grabrede
Die Demonstranten wollen auf dem Bauernhof der Familie Zott in der Bauernstraße symbolisch die "Fairness" beerdigen. Es werde einen Trauermarsch an der Molkerei vorbei geben. "Es werden aber keine Transparente gezeigt, sondern vielmehr alle Teilnehmer gebeten, in Schwarz zu erscheinen", so BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer.
Bei der Beerdigung wird der Schauspieler Ottfried Fischer eine Grabrede halten. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr an der Molkerei Müller.
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