Ein 1000-Seelen-Dorf in Thüringen hat es vorgemacht und jetzt denkt auch Augsburg laut darüber nach: Schlaglöcher auf öffentlichen Straßen sollen verkauft und mit Bürgers Hilfe geflickt werden. Nichts Neues für Königsbrunn. Mit einer ähnlichen Aktion hatte es die Brunnenstadt vor zwei Jahren sogar ins Fernsehen geschafft. Von Monika Schmich und Melanie Steck
Schlaglöcher ließ man damals in Königsbrunn mit Humus befüllen und von den Bürgern mit Blumen bepflanzen. Eine günstige und hübsche Idee - allerdings nicht ernst gemeint. Das "Schlagloch-Beseitigungs-Projekt" war nur ein Aprilscherz fürs Fernsehen.
Auch jetzt kann man im Königsbrunner Rathaus über die aktuelle Diskussion um den Verkauf von Schlaglöchern nur lachen. Straßenschäden zu beseitigen, das sei eine kommunale Pflichtaufgabe und keine Sache der Bürger, betont Bauamtsleiter Wolfgang Niederzoll. "So fertig sind wir noch nicht, dass wir uns das nicht leisten können", sagt er. An anderer Stelle aber ist man in Königsbrunn dankbar über bürgerschaftliches Engagement: etwa bei der Pflege öffentlicher Grünanlagen. Die Stadt vergibt schon seit längerer Zeit Patenschaften. So pflegen Privatleute kostenlos öffentlichen Grund.
Auch in Schwabmünchen schmunzelt man über die Idee aus Thüringen. "Die Bürger zahlen Steuern. Wieso sollten sie zusätzlich Geld abgeben?", fragt Bürgermeister Lorenz Müller. "Wenn jemand Geld spenden möchte, kann er in andere Dinge investieren, etwa in karitative oder kulturelle Einrichtungen", so Müller.
Spenden sind "mehr als peinlich"
Auch in Klosterlechfeld wäre man dankbar für den einen oder anderen Euro. Etwa, wenn es um den Kindergarten geht. Aber Spenden für Schlaglöcher? Das sei "mehr als peinlich", findet Bürgermeister Peter Schweiger. Denn um den Straßenunterhalt müssten sich die Kommunen schon selbst kümmern: "Wenn sie kein Geld haben, müssen sie schauen, dass sie es wo anders einsparen", sagt er.
Lediglich als "netten Gag" beurteilt Hans Biechele, Bürgermeister von Mickhausen, die Schlagloch-Patenschaften. Bürger könnten sich so freiwillig für ihre Gemeinde einsetzen, "wenngleich es Aufgabe der Kommune ist, die Straßen in Ordnung zu halten", betont er. Problematisch sei der in Thüringen veranschlagte Betrag. "50 Euro pro Loch decken die Kosten nicht." Lediglich das Material sei damit abgegolten.
Nur die Mulde auszubessern sei aber wenig effektiv, findet Bobingens Bürgermeister Bernd Müller. Nur eine Grundsanierung der Straßenabschnitte könne Abhilfe schaffen. Von Einzelausbesserungen hält Müller nichts: "Ein Flickenteppich bringt keinem etwas", sagt er. "Auch wenn neben jeder gefüllten Vertiefung eine Plakette mit dem Namen des Spenders angebracht wird." Denn das sieht die Aktion in Thüringen vor.
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