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18. März 2010 17:25 Uhr

Landkreis Augsburg

Verdachtsfall hat höchste Priorität

Das Jugendamt des Landkreises Augsburg wehrt sich gegen die Vorwürfe von Schwabmünchens Stadtpfarrer Klaus Ammich. Der hatte behauptet, das Amt gehe Missbrauchsverdachtsfällen nicht entschieden genug nach. Jetzt kontert der Leiter des Jugendamts.

Verdachtsfall hat höchste Priorität
Foto: ALFA

Landkreis Augsburg "Ganz entschieden", so das Jugendamt des Landkreises Augsburg, weise es Vorwürfe von Schwabmünchens Stadtpfarrer Klaus Ammich zurück. Dieser hatte bei einem Gesprächsabend im Pfarrzentrum behauptet, dass das Jugendamt Missbrauchsverdachtsfällen nicht entschieden genug nachgehen würde. Der Leiter des Jugendamtes, Hannes Neumeier, dazu in einer Presseerklärung: "Leider kennt Herr Pfarrer Ammich wohl das Vorgehen des Jugendamts bei Missbrauchsverdachtsmeldungen nicht, denn diese werden beim Jugendamt - offenbar im Gegensatz zu manch anderer Institution - mit allerhöchster Priorität, also sofort, bearbeitet: Alle anderen Aufgaben sind nachrangig." Stadtpfarrer Ammich sagte dazu auf Anfrage unserer Zeitung: "Ich kenne einen konkreten Fall, in dem wir die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt gesucht haben, in dem wir aber leider nicht die entsprechende Unterstützung gefunden haben." In seiner Presseerklärung sagt das Jugendamt, die Handlungsschritte für das Vorgehen der zuständigen Mitarbeiter seien in einer Dienstanweisung und einem Leitfaden zum Umgang mit Meldungen zur Kindswohlgefährdung genau geregelt. Das Jugendamt habe ein eigenes Dokumentationssystem, in dem jeder Schritt vom Eingang einer Meldung bis zum Abschluss eines (Verdachts-)Falles erfasst werde. Nachdem die Dimension der Gefährdung, die Zeugenbereitschaft des Melders und noch eine Reihe weiterer wichtiger Faktoren geklärt werden, finde unverzüglich eine Besprechung mit Vorgesetzten und gegebenenfalls weiteren Fachkräften statt.

Anschließend, meist noch am Tag der Meldung, würden zwei Mitarbeiter gemeinsam die häusliche Situation prüfen. Je nach Fallkonstellation werde entweder stattdessen oder zusätzlich im sozialen Umfeld (Kindertagesstätte, Schule, Nachbarn, Freundeskreis, Gesundheitssystem) recherchiert. "Die Gefährdungseinschätzung wird laufend anhand der neuesten Erkenntnisse überprüft", so Neumeier. Für Bürger, die einen Verdacht melden, sich aber nicht unmittelbar an das Jugendamt wenden wollen, unterhalte das Amt eine enge Kooperation mit dem Kinderschutzbund, der speziell geschultes Fachpersonal für den Themenkreis "sexueller Missbrauch" vorhalte. Die Kosten dafür übernimmt der Landkreis.

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Eine Fülle von Reaktionsmöglichkeiten

Je nach Ergebnis der Ermittlungen des Jugendamts gebe es eine Fülle von Reaktionsmöglichkeiten. Die Palette reiche von passgenauen Hilfsangeboten, die Anrufung des Familiengerichts bei notwendigen Eingriffen in die elterliche Sorge, Inobhutnahme in akuten Notfällen und, falls notwendig, Einbeziehung der Polizei und der Staatsanwaltschaft. (pit)

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